Druckversion
Montag, 30. September 2002
BfS schließt Untersuchung von Mineralwässern auf radioaktive Inhaltsstoffe ab
Von Mineralwässern geht aus strahlenhygienischer Sicht keine Gefahr für die Gesundheit aus. Aus Vorsorgegründen sollte aber der Richtwert internationaler Trinkwasserrichtlinien von 0,1 mSv/Jahr nicht dauerhaft überschritten werden.
Das ist das Ergenbnis einer breit angelegten Studie hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) das Vorkommen natürlicher Radionuklide in Mineralwässern in Deutschland untersucht. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit hatte das BfS mit der Aktualisierung und Erweiterung einer früheren Untersuchung beauftragt, um mögliche Gesundheitsfolgen durch natürliche Radionuklide in Mineralwässern besser bewerten zu können. Dazu wurden die Aktivitätskonzentrationen der Radionuklide Radium 226, Radium 228, Uran 234, Uran 235, Uran 238, Polonium 210, Blei 210 und Aktinium 227 von 401 in Deutschland erhältlichen Mineralwässern gemessen und die daraus resultierende Strahlenexposition beim Konsum dieser Wässer berechnet. Von den untersuchten Mineralwässern wurden 366 in Deutschland produziert – die restlichen 35 Mineralwassermarken waren Importwässer aus 10 europäischen Staaten. Damit wurde ein großer, regional repräsentativer Teil der ca. 650 in Deutschland amtlich anerkannten Mineralwässer erfasst. Die Proben wurden im Zeitraum September 2000 bis November 2001 nach dem Zufallsprinzip bundesweit in Getränkemärkten und Filialen bekannter Einzelhandelsketten eingekauft.
Grundlage für die gesundheitliche Bewertung der Untersuchungsergebnisse ist der in den Trinkwasserrichtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Europäischen Union festgelegte Dosisrichtwert von 0,1 mSv/Jahr. Dieser Richtwert für Trinkwasser ist auf Mineralwasser und solche Personen übertragbar, die ihren Trinkwasserbedarf überwiegend oder ausschließlich durch Mineralwasser decken.
Die Hauptergebnisse können wie folgt zusammengefasst werden:
* Bei zwei der 401 untersuchten Mineralwässer wird für Erwachsene der Dosisrichtwert überschritten, sofern sie – wie entsprechend der Strahlenschutzverordnung angenommen – jährlich 350 Liter trinken. Dabei handelt es sich um ausländische Wässer.
* Bei etwa 20 % der untersuchten Mineralwässer wurden Aktivitätskonzentrationen gemessen, aus denen bei Kleinkindern mit einem Alter unter einem Jahr eine Folgedosis von mehr als 0,1 mSv resultiert, wenn (wie angenommen) jährlich 170 Liter ausschließlich dieses Mineralwassers konsumiert werden. Nahezu 90% dieser Wässer deutscher Herkunft stammen aus den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein Westfalen und Rheinland-Pfalz . Der höchste Dosiswert (6,5 mSv) für Kleinkinder mit einem Alter unter einem Jahr wurde für ein Wasser aus Portugal berechnet. Sofern Säuglinge nicht gestillt werden und Säuglingsnahrung mit Mineralwasser zubereitet wird, sollten nicht ausschließlich solche Wässer mit höheren Gehalten natürlicher Radionuklide verwendet werden.
* Der auf dem Etikett einiger Mineralwässer angegebene Zusatz “Geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung” sollte auf Wässer mit niedrigen Konzentrationen natürlicher Radionuklide beschränkt werden, bei denen eine Überschreitung des Dosisrichtwerts von 0,1 mSv/a ausgeschlossen werden kann.
Das BfS hat die Hersteller der Mineralwässer über die Ergebnisse ihrer jeweiligen Produkte informiert und veröffentlicht die Ergebnisse der Untersuchungen in seinem Internetangebot unter http://www.bfs.de
Quelle/Text: BfS
Druckversion
Montag, 30. September 2002
Trittin: Weltweiter Chemikalien-Handel darf Mensch und Umwelt künftig nicht mehr belasten
Internationale Regierungskonferenz in Bonn eröffnet
Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat aus Anlass der heute in Bonn beginnenden 9. Internationalen Regierungskonferenz des Rotterdamer Übereinkommens gefordert, dass vom weltweiten Chemikalien-Handel künftig keine unvertretbaren Belastungen mehr für Mensch und Umwelt, vor allem in Entwicklungsländern, ausgehen sollten. "Der Johannesburg-Gipfel hat den Weg frei gemacht für eine neue internationale Chemikalienpolitik. Langfristig sollen nur noch solche Chemikalien produziert, gehandelt und verwendet werden, bei denen die Belastungen für Umwelt und Gesundheit auf ein Mindestmass begrenzt sind. Gefährliche Chemikalien, die noch heute die Gesundheit von schätzungsweise jährlich Hunderttausenden von Menschen beeinträchtigen, müssen schrittweise ersetzt werden. Das Rotterdamer Übereinkommen, das den Handel nicht verbietet, aber strengen Regeln unterwirft, ist dazu ein richtiger Schritt und muss deshalb möglichst bald in Kraft treten. Das wäre ein Stück mehr globaler Gerechtigkeit vor allem für die ärmeren Länder", sagte der Minister.
Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium Gila Altmann wird die Konferenz, die bis zum 4. Oktober andauert, eröffnen. Ziel der Konferenz ist es, weitere Stoffe zur Aufnahme in die Konvention vorzuschlagen, darunter eine Reihe weiterer Pestizide sowie Asbest. Das bestehende, freiwillige PIC-Verfahren soll weiterentwickelt und harmonisiert werden, sodass die Konvention nach ihrem Inkrafttreten voll wirksam werden kann. Dazu ist es u.a. notwendig, dass Entwicklungs- und Schwellenländer durch Kooperationsprojekte und Technologietransfer in die Lage versetzt werden, eine Infrastruktur für ein entsprechendes Chemikalien-Management aufzubauen. Deutschland nimmt hier seit vielen Jahren als eines der größten Chemieexportländer seine Verantwortung wahr: In den vergangenen 15 Jahren wurden Projekte im Umfang von rund 280 Millionen Euro initiiert - wie zum Beispiel jüngst in Thailand und Argentinien.
Im Rotterdamer Übereinkommen (PIC-Konvention) wurden 1998 erstmals völkerrechtlich verbindliche Regeln für den weltweiten Handel mit gefährlichen Chemikalien festgelegt. Anlass waren u.a. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO, dass in den 90er Jahren allein durch Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel weltweit jährlich rund 1 Million Vergiftungen mit etwa 20 000 Todesfällen ausgelöst wurden -- vor allem in weniger entwickelten Ländern. Die von der Konvention bislang erfassten 22 Agrar- und 5 Industriechemikalien, darunter DDT, Pentachlorphenol und Polychlorierte Biphenyle (PCB) werden nicht verboten, sondern ihr Handel unterliegt einem strengen Reglement, dem sogenannten PIC-Verfahren. PIC steht für "Prior Informed Consent" und bedeutet, dass diese gefährlichen Chemikalien nur dann durch das Herkunftsland exportiert werden dürfen, wenn das Empfängerland dem Import zustimmt, nachdem es über die Gefährlichkeit in Kenntnis gesetzt wurde. Ein Verbot dieser Chemikalien ist derzeit noch nicht möglich, da gleichwertige Ersatzstoffe nicht ausreichend zur Verfügung stehen. Bislang haben 33 Staaten, darunter Deutschland, die Konvention ratifiziert. Sie tritt in Kraft, wenn sie von 50 Staaten ratifiziert wurde. Damit wird etwa 2004 gerechnet.
Die Bundesrepublik verfügt über jahrzehntelange Erfahrungen und entsprechendes Know how im Chemikalienbereich. Deshalb hat sich die Bundesregierung um den künftigen Sitz des Sekretariats des Rotterdamer Übereinkommens, aber auch des Stockholmer Übereinkommens zum Verbot von zwölf langlebigen Umweltgiften (POPs-Konvention) beworben. Damit soll der VN-Standort Bonn gestärkt werden. Gemeinsam mit dem Montrealer Protokoll zum Schutz der Ozonschicht und dem Basler Übereinkommen zur grenzüberschreitenden Abfallverbringung stellen diese Konventionen wichtige Bausteine für ein umfassendes internationales Regelungswerk zur Chemikaliensicherheit dar.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Montag, 30. September 2002
Kostete moderne Sonartechnik 17 Walen das Leben?
Nach der Massenstrandung von Schnabelwalen auf den Kanarischen Inseln mehren sich die Zeichen dafür, dass eine NATO-Übung für das Walsterben verantwortlich ist.
Nach dem Massensterben von Schnabelwalen auf den Kanarischen Inseln Fuerteventura und Lanzarote üben Umweltschützer, darunter M.E.E.R. e.V. und die Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD), massive Kritik am Einsatz von Sonartechnik in Gebieten mit hohem Walaufkommen und machen die NATO-Manöver für die Katastrophe verantwortlich.
Am 24. September strandeten in den frühen Morgenstunden 15 Schnabelwale an den Stränden der Ferieninseln Fuerteventura und Lanzarote. Im selben Gebiet fand zeitgleich ein groß angelegtes Manöver der NATO statt, bei dem auch Sonartechnik von enormer Schallstärke eingesetzt wurde. 58 Schiffe, 6 U-Boote, 30 Flugzeuge und 9000 Soldaten waren an dem Manöver beteiligt. Inzwischen strandete ein weiteres Tier, und eines wurde tot im Meer treibend gefunden. Experten der Universität La Palmas de Gran Canaria äußerten als erste den Verdacht, dass ein direkter Zusammenhang besteht. "Die Tiere sind durch die Frequenzen orientierungslos geworden, möglicherweise liegen auch direkte Schädigungen des Orientierungssinnes vor", hieß es von Seiten der Fachleute. Die Kanarische Regierung hatte die NATO kurz nach dem Bekanntwerden der Massenstrandung aufgefordert, das Manöver umgehend zu stoppen. Die veterinärmedizinische Untersuchung der toten Tiere ergab inzwischen, dass mehrere Wale Blutungen im Gehirn und im empfindlichen Innenohr aufwiesen, die möglicherweise durch die starke Schalleinwirkung entstanden sind. Das Militär streitet jedoch bisher jeglichen Zusammenhang ab.
Die jetzige Massenstrandung ist indes nicht das einzige Vorkommnis dieser Art. Bereits sechs mal seit 1985 kam es zu Massenstrandungen auf den Kanarischen Inseln, und in vier Fällen war zeitgleich eine erhöhte militärische Aktivität verzeichnet und ein Zusammenhang mit dem Tod der Wale vermutet worden. Ähnliche Fälle ereigneten sich außerdem 1998 auf den Bahamas und im Jahr 2000 auf Madeira. Der Fall auf den Bahamas erregte große Aufmerksamkeit, da es wie im aktuellen Fall auf den Kanaren eine enge zeitliche Verbindung zwischen militärischen Aktionen und den Strandungen gab. Nach intensiven Studien von unabhängigen Wissenschaftlern strengte auch die Navy eigene Untersuchungen an. Inzwischen hat sie, nach ursprünglichen Abstreiten jeglicher Zusammenhänge, eine Schuld am Tod der Wale eingestanden. Die Beweise waren so erdrückend, dass selbst die einflussreichen Kreise des Militärs nicht um die Anerkennung des Zusammenhangs umhin kamen.
"Auch beim aktuellen Fall auf den Kanaren wird es für die NATO sehr schwierig werden, sich aus der Affäre zu ziehen. Die Aufmerksamkeit ist enorm groß und der Verdacht liegt nahe, dass die Wale tatsächlich durch die enorme Lärmbelastung geschädigt wurden" meint Fabian Ritter, Diplombiologe des M.E.E.R. e.V., der seit Jahren die Wale und Delfine der Kanaren erforscht. "Wahrscheinlich geraten die Schnabelwale, die sehr sensibel auf Schall reagieren, dermaßen in Panik, das sie sich nicht anders zu helfen wissen, als ihr angestammtes Element zu verlassen. Dass einige Wale noch lebten, als man sie fand, spricht für diese Vermutung" so der Biologe.
Die Befürchtung der Kanarischen Regierung ist groß, dass dieser Vorfall das Image der Inseln als Urlaubsparadies schädigt. Die Kanarischen Inseln sind eines der Top-Touristenziele weltweit. Hier gilt die Natur als noch intakt und die atemberaubende Schönheit der Inseln zieht alljährlich zig Millionen Menschen an. Die Kanaren sind auch bekannt für ihr reiches Vorkommen an Walen und Delfinen. Ganze 26 Arten wurden hier schon gesichtet, unter ihnen mehrere Schnabelwalarten, aber auch Delfine und Großwale. "Und dennoch steht es um den Schutz der Wale und Delfine hier nicht gerade gut" betont Fabian Ritter vom M.E.E.R e.V.. Neben den tragischen Fällen von Massenstrandungen besteht eine ganze Reihe weitere Gefahren: unkontrollierter Walbeobachtungstourismus führt z.B. vor Teneriffa zu einer enormen Dauerbelastung der hier ansässigen Populationen. Hinzu kommen die Schnellfähren, die immer öfter eingesetzt werden. Hier kam es in der Vergangenheit wiederholt zu Kollisionen, die meist tödlich für die Tiere enden und auch für die Fährpassagiere eine Gefahr darstellen können.
"Die Artenvielfalt der Wale und Delphine auf den Kanaren ist einmalig. Das gesamte Archipel sollte zum Walschutzgebiet erklärt werden", so der Biologe weiter. "Dann werden solche Vorkommnisse wie die aktuelle Massenstrandung der Vergangenheit angehören und dringend notwendigen Maßnahmen endlich zum effektiven Schutz der Tiere beitragen".
Quelle/Text: GRD
Druckversion
Montag, 30. September 2002
ÖKO-TEST Uhren: Es tickt eine Zeitbombe
Da scheint eine ganze Branche nicht auf der Höhe der Zeit zu sein: Fast alle Uhren mit Lederarmband, die das Frankfurter Verbrauchermagazin ÖKO-TEST jetzt untersuchte, fielen durch, weil die Armbänder krebsverdächtige und giftige Rückstände von Chemikalien enthielten. Die genauen Ergebnisse der Untersuchung von 19 Uhren in der Preisklasse zwischen 29 und 129 Euro stehen in der Oktober-Ausgabe des ÖKO-TEST-Magazins. Das Heft gibt es jetzt am Kiosk.
Betroffen sind große und teure Namen wie Swatch, Junghans, Esprit oder Calvin Klein ebenso wie preiswertere Modelle. Hauptkritikpunkt: Beim Gerben des Leders wurden hochproblematische Substanzen eingesetzt – zum Beispiel Krebs erregendes Chrom IV, das hier zu Lande gar nicht mehr gebräuchlich ist. Auf der Mängelliste der Tester stehen aber auch bedenkliche Leder-Konservierungsmittel und Farben.
Quelle/Text: Öko-Test
Druckversion
Montag, 30. September 2002
Interview mit CITES-Koordinatorin Dr. Kahumba: Die Zukunft der Elefanten
- Wir müssen Verantwortung übernehmen -
Interview mit Dr. Paula Kahumbu - CITES Koordinatorin, Kenia Wildlife Service (KWS) - Nairobi / Kenia
ECOTERRA NEWS (ETN), Nairobi, 30.09.2002
Das Gespräch führte John Bamau
ETN: Letzten Donnerstag, Dr. Kahumbu, erhielt die Welt die schockierende Nachricht über einen Transport von mehr als drei Tonnen illegalen Elfenbeins, der von den Behörden in China aufgebracht worden war. Dieses Elfenbein soll aus Kenia stammen. Können Sie uns bitte die Einzelheiten zu diesem Fall erläutern, soweit sie bereits ermittelt wurden.
Paula Kahumbu: Wir haben erst heute erfahren, dass die Zollverwaltung von Schanghai bereits am 30. August im Hafen von Waigaoqiao 3334,6 kg afrikanisches Elfenbein sichergestellt hat, das in einem Import-Container verborgen war. Es wird gesagt, dass dieser Container aus Kenia stammen soll, aber die chinesischen Behörden haben uns seinerzeit nicht informiert. Es handelt sich jedoch zweifelsfrei um einen der grössten Fälle von geschmuggeltem Elfenbein, und es wäre die grösste Menge, die je aus Kenia stammend beschlagnahmt wurde. Die Ladung besteht aus 64 Bündeln geschmuggelten Elfenbeins mit 303 vollständigen Stosszähnen und 408 weiteren Stosszähnen, die in kürzere Stücke geteilt worden waren. Das Elfenbein war in einem 20 Fuss Übersee-Container versteckt, dessen Zollpapiere Holzplanken aus Kenia auswies. Wir vermuten, dass das Elfenbein aber eventuell gar nicht aus Kenia stammt, zumal wir keine so starke Zunahme der Wilderei zu verzeichnen haben und Kenia kein Holz exportiert. Wie uns die chinesischen Behörden jetzt mitteilten, wurden die für den Waigaoqiao Hafen zuständigen Zöllner der Verwaltung von Schanghai, aufmerksam als eine Spedition die Ladung abholen wollte, weil das Gewicht des Containers nicht mit der angegeben Ladung von 22 Festmetern Holz übereinstimmen konnte. Weiterhin stellten die Zoll-Beamten fest, dass die englische Bezeichnung auf der Zollerklärung nicht mit den Frachtpapieren übereinstimmte. Sowohl diese wie auch die Ladeliste erschienen ungenau und unvollständig. Als die Ladung daraufhin durchleuchtet wurde, fand man Dutzende von Bündeln mit zylindrischem Umriss unterhalb der untersten Bretterstapel. Da diese Schicht völlig anders aussah als die der anderen Planken, die in diesem Container transportiert worden waren, wurde angeordnet den gesamten Inhalt in Augenschein zu nehmen. Nachdem der Container dann geöffnet worden war, wurde diese Riesenmenge Elfenbein unter den Bohlen versteckt gefunden.
ETN: Obwohl wir hier in Kenia vom Wiederanstieg der Elefantenmorde wissen, scheint es doch für die meisten von uns eher unwahrscheinlich, dass solch eine grosse Ladung Elfenbein allein von kenianischen Elefanten stammen soll. Werden Sie oder eine andere Stelle eine detaillierte Analyse durchführen, um zu bestimmen, wo die für das Elfenbein getöteten Elefanten ursprünglich lebten?
Paula Kahumbu: Solche Untersuchungen sind relativ schwierig, zumal das Elfenbein ja ausserhalb Kenias beschlagnahmt wurde und daher für uns zunächst einmal nicht zugänglich ist. Um es nach Kenia bringen zu können würde voraussetzen, dass wir nachweisen könnten, das es von hier stammt. Bisher verfügen wir nicht über eine umfassende DNA Sammlung zu afrikanischen Elefanten, aber, wenn uns entsprechende Mittel zur Verfügung stünden und das Elfenbein relativ frisch wäre, könnten wir schon die ursprüngliche Population feststellen.
ETN: Warum war der Schmuggel nicht bereits vor dem Verlassen Kenias aufgedeckt worden?
Paula Kahumbu: Das kann ich Ihnen erst beantworten, wenn wir unsere eigenen Untersuchungen abgeschlossen haben und es tatsächlich feststehen würde, dass das Elfenbein aus Kenia stammt. Dazu müssen wir auch erst einmal wissen wann, mit welcher Linie und auf welcher Route der Container verschifft wurde. Für uns ist es völlig unerklärlich, dass angeblich Holz aus Kenia exportiert worden sein soll, denn das ist ebenfalls illegal, und auch von daher vermuten wir, dass die gesamte Ladung nicht aus Kenia stammt.
ETN: Sicherlich muss der Fall erst weiter untersucht werden, aber normalerweise genügt der Blick eines Fachkundigen um festzustellen, ob Elfenbein von einem Waldelefanten oder von der anderen Unterart, dem Savannen-Elefanten, stammt. Für eine Gruppe von Spezialisten [die sich mit Elfenbein-Schmuggel befassen] gibt es anscheinend nur geringe Zweifel darüber, das dieses Elfenbein aus den Gebieten des Kongo stammt. Es wird angenommen, dass die Elefanten dann auch nicht wegen des Elfenbeins sondern des Fleisches wegen abgeschlachtet wurden. Das Kilo Elfenbein bringt im Kongo ungefähr 15 Dollar. Das heisst, dass ein Waldelefant, der Fleisch für ca. 250 Dollar einbringt, bezüglich des Elfenbeins lediglich einen Gewinn von weiteren 50 Dollar darstellt. Es wird davon gesprochen, dass die Wald-Elefanten Zentral-Afrikas heute ca. 90% aller gewilderten Elefanten ausmachen. Allein der Stop des Handels mit Elfenbein würde von daher betrachtet nicht das weitere Morden der zentralafrikanischen Elefanten aufhalten. Was kann Kenia und was muss die internationale Gemeinschaft tun, um in dieser Situation für Abhilfe zu sorgen.
Paula Kahumbu: Das verbotene Töten vieler Wildtierarten, einschliesslich des Elefanten, um den zunehmenden Handel mit Wildfleisch zu versorgen, ist ein sehr ernstes Problem in vielen afrikanischen Staaten. In Kenia haben wir jetzt strikte Massnahmen dagegen eingeführt und sind in der Lage unsere Erfahrungen und Methoden anderen Ländern zu vermitteln. Aber Kenia fordert auch die reichen Mitgliedstaaten von CITES (dem Washingtoner Artenschutzabkommen / International Convention on Trade of Endangered Species of wild fauna and flora) auf den zentralafrikanischen Ländern nicht nur bei der Entwicklung entsprechender Verordnungen zu helfen, sondern ihnen auch Unterstützung für deren wirksame Umsetzung zu geben. Die Sondergruppe des Lusaka Agreements, die gegründet wurde um den afrikaweiten Wildschutz zu stärken, operiert von Kenia aus und bedarf dringend weiterer Verstärkung um diesen Ländern aber auch Kenia selbst zu helfen und den Schmuggel mit verbotenen Wildtier-Produkten einzudämmen.
ETN: Ganz offensichtlich hatten einige Medien, die über diesen Elfenbeinskandal berichteten, auch falsche Angaben über die früher und heute in Kenia bestehende Elefantenpopulation veröffentlicht und berichtet, dass die Gesamtzahl der Elefanten in Kenia von 45.000 auf nur 450 abgesunken sei. Können sie uns bitte die neuesten Zahlen der Bestandschätzungen in Kenia nennen?
Paula Kahumbu: Gegenwärtig schützen wir eine Gesamtpopulation von ca. 25 bis 27 Tausend Elefanten in Kenia insgesamt.
ETN: Welche Rolle spielt die noch ursprünglich lebende Bevölkerung im Bezug auf die Schutzbemühungen für Elefanten in den verschiedenen Staaten des Verbreitungsgebietes und denken Sie nicht, dass diesen Gruppen verstärkt Aufgaben zukommen sollten?
Paula Kahumbu: Indigene Gruppen haben dabei verschiedene Aufgaben, die je nach Örtlichkeit variieren. An einigen Orten stellen sie die Informanten, da auch ihre eigene Sicherheitslage ganz eindeutig mit der Sicherheit für die Elefanten einhergeht; an anderen Orten baut die Kenianische Wildschutzbehörde (KWS) Schutzgebiete
und Parks auf, die von den Gemeinden selbst verwaltet werden und deren Einkünfte aus dem Tourismus, der ja besonders durch die Elefanten und das andere Wild gefördert wird, ausschliesslich den indigenen Gruppen selbst zufliessen. In deren Kulturgeschichte spielen die Elefanten eine besondere Rolle und die indigenen Menschen halten an diesen überlieferten Vorstellungen fest und erhalten ihren Wert lebendig. Da diese Volksgruppen heute besser ausgebildet und informiert sind spielen sie eine zunehmend wichtige Rolle in Kenia's Wirtschaft ganz allgemein und natürlich insbesondere auch was die Zukunft unseres Wildes und der Naturgebiete anbelangt.
ETN: Armut wird oft als die grundlegende Ursache für das Töten von Elefanten für Elfenbein oder Fleisch angesehen. Welche Hoffnung gibt es für die Elefanten denn überhaupt noch, wenn wir, wie zum Beispiel gerade jetzt, die größte Trockenheit und Hungersnot im südlichen Afrika seit langem zu verzeichnen haben?
Paula Kahumbu: Elefanten sind ausserordentlich genügsam und anpassungsfähig und sie können Umweltveränderungen in gleichem Umfang verkraften wie der Mensch. Nur in landwirtschaftlichen Produktionsgebieten ist daher der Konflikt zwischen den Menschen und den Elefanten so gravierend. Die Wasserprobleme in den trockeneren Gebieten sind nicht so schwerwiegend. Während aber andere Wirtschaftssegmente einen starken Niedergang erleben, hat der Tourismus das Potential verstärkt Einnahmen für Kenia besonders in diesen Trockengebieten zu erbringen. Gerade dort werden die Elefanten dann zunehmend wichtiger für die örtliche Wirtschaft.
ETN: Welchen Zusammenhang sehen Sie zwischen der von den Ländern des südlichen Afrika erneut erhobenen Forderung nach einer Lockerung des Handelsverbots für Elfenbein sowie nach einer Abstufung des Schutzstatus innerhalb des Washingtoner Artenschutzabkommens und dem ganz offensichtlichen Anstieg der illegalen Tötungen von Elefanten.
Paula Kahumbu: Wir vermuten, dass einige Leute unheimlich stark mit einer Wiederzulassung des Elfenbeinhandels spekulieren und
in dessen Erwartung bereits Elfenbein in Ländern Afrika's und Asiens horten. Es mag vielleicht jetzt vor einem eventuellen Öffnen des Marktes sogar leichter sein Elefanten unentdeckt töten und das Elfenbein transportieren zu können, da die Wachsamkeit im Moment geringer ist. Nach einer offiziellen Wiedereröffnung des Handels wird die dann erhöhte Überwachung verdeckte Transporte wesentlich verteuern.
ETN: Denken Sie, dass ein offener legaler Handel tatsächlich das ungesetzliche Töten und den Schmuggel einschränken würde? Ist
darin eine Änderung des Standpunktes Kenias zu sehen, das zusammen mit Indien stets unbeugsam in der Forderung nach einem totalen Handelsverbot für Elfenbein war?
Paula Kahumbu: Nein, was ich meine ist lediglich, dass Wilderer und Hehler versuchen Kapital aus der gegenwärtigen Unsicherheit zu schlagen - in einer Zeit, in der die Mechanismen um die (Handels-) Gesetze umzusetzen oder die Elefanten zu schützen einfach noch nicht bestehen. In der Zeit des völligen Handelsverbotes waren die Elefanten relativ sicher und viele Länder haben sich daran gehalten, - doch die Schutzvorkehrungen und die Wachsamkeit haben mit den Jahren nachgelassen und die Elfenbeinpreise fielen - daher war der Anreiz zu Wildern auch geringer. Wenn der Elfenbeinhandel erneut
aufgemacht wird, gibt es wieder einen grösseren Anreiz zum Wildern und Hehlen, aber das wird dann weit stärker im Verborgenen stattfinden müssen als jetzt, denn wir werden - da wir dies erwarten - wesentlich wachsamer sein.
ETN: Wenn wir all die Populations-Daten bezüglich des afrikanischen Elefanten seit Ende des 19. Jahrhunderts zusammenstellen, so halten wir das Buch vom ständigen Rückgang dieser grossartigen Tierart in Händen. Sicherlich war oder ist es in Ländern wie Kenia für jeweils einen bestimmten Zeitraum und ein bestimmtes Gebiet gelungen den Niedergang aufzuhalten. Wie aber sieht die Zukunft für die Elefanten aus?
Paula Kahumbu: Vielleicht sollten die Ökonomen und Politiker einmal das Konzept der "Wertigkeit" überdenken, besonders im Hinblick auf solch intelligente Spezies wie Elefanten, Menschenaffen und Wale. Und vielleicht sollten wir selbst als Art anfangen zu überdenken, inwieweit ein Handel mit Elefanten-Zähnen zur Befriedigung des Bedarfs an Armreifen aus Elfenbein in Ländern, die weit von jeglicher Elfenbein-Quelle entfernt sind, mit unserer Ethik zu vereinbaren ist. Elfenbein zu haben ist für niemanden von überlebenswichtiger Bedeutung, es hilft nicht auch die geringste Erkrankung zu bekämpfen noch hilft es verhungernden Menschen. Immer noch bin ich der festen Überzeugung, dass das internationale Handelsverbot für Elfenbein für das Überleben der Elefanten dringend notwendig ist und entscheidend sein wird, nicht nur in Afrika sondern auch in Asien
ETN: In einem Monat wird die nächste Konferenz der Mitgliedsländer des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) in Chile stattfinden. Welche Mindestforderungen haben Sie an die zu fassenden Beschlüsse, wenn es überhaupt noch Hoffnung für die Elefanten geben soll?
Paula Kahumbu: Kein Handel von Elfenbein, strengste Kontrollen örtlicher Elfenbein-Märkte in Afrika und Asien und Finanzhilfe für den Vollzug der Wildschutzgesetze und -massnahmen.
ETN: Bitte sagen Sie uns abschliessend, welche Vision Paula Kahumbu bezüglich des Überlebens der afrikanischen Elefanten hat.
Paula Kahumbu: Es wird der Tag kommen an dem wir realisieren werden dass Elefanten in ihrem Wert nicht auf den ihrer Zähne reduziert werden dürfen. Die Elefanten sind und bleiben ein Synonym für die Grossartigkeit Afrika's.
Die Zukunft der Elefanten wird von der Toleranz der Menschen abhängen und von deren grösseren Bereitschaft den Elefanten Land zum Leben zu lassen. Dies erfordert das der Menschen den Elefanten mit seiner speziellen Stellung in der Natur anerkennt. Wir, als Weltgemeinschaft, müssen die Verantwortung für die Zukunft der Elefanten annehmen und für sie die Schaffung grosser, zusammenhängender, bestens geschützter Lebensräume überall in Afrika erwirken, in denen sich die Elefantenpopulationen selbst regulieren können. Die aus diesen Elefantenbeständen erwachsenden wirtschaftlichen Vorteile müssen den lokalen Gemeinden zugute kommen und auf diese Weise wird Afrika's spektakuläre Artenvielfalt auf dem gesamten Kontinent bewahrt werden
Vielleicht kann dann sogar eines Tages Elfenbein wieder gehandelt werden, aber nur solches, das von Elefanten stammt, die eines natürlichen Todes gestorben sind.
ETN: Dr. Kahumbu, wir danken Ihnen sehr für die Klarstellungen, Ihre Stellungnahmen und Ihren Rat für die Zukunft, unsere und die der Elefanten.
Quelle/Text: Ecoterra
Druckversion
Sonntag, 29. September 2002
BUND legt Öko-Checkliste für Koalitionsverhandlungen vor
Anlässlich des morgigen Starts der rot-grünen Koalitionsverhandlungen hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Verhandlungspartner aufgefordert, gemeinsam nach tragfähigen Lösungen für die drängenden Umweltprobleme zu suchen. Der rhetorische Schlagabtausch über die Ökosteuer in den letzten Tagen sei dabei wenig hilfreich gewesen. Um den Verhandlungsprozess zu fördern, hat der BUND den Spitzen beider Parteien und den Verhandlungsführern der Koalitionsrunde eine detaillierte Umwelt-Checkliste vorgelegt. Darin benennt der Umweltverband wichtige Ziele in den Bereichen Landwirtschaft, Naturschutz, Verkehr, Energie und Finanzen. Dazu gehören u.a. eine Senkung der Mehrwertsteuer für Bahntickets, die Weiterführung der Ökosteuer, eine Garantie für gentechnikfreie Lebensmittel und die Reduzierung der Klimagase.
Dr. Angelika Zahrnt, BUND-Vorsitzende: "Der Koalitionsvertrag wird ein erster Prüfstein für die Umweltpolitik der neuen Regierung. Nicht zuletzt haben Umweltthemen den Wahlkampf mit bestimmt und die Wahl mit entschieden. Auch Bundeskanzler Schröder hat von der notwendigen Versöhnung von Ökonomie und Ökologie gesprochen. Das muss sich im neuen Regierungsprogramm deutlich wiederfinden. Beispielsweise muss die Bundesregierung mehr Flächen für den Naturschutz sichern."
Mit einer plakatwandgroßen Öko-Checkliste vor den jeweiligen Verhandlungsorten wird der BUND die Koalitionsrunden begleiten. Unter der Überschrift "Ist Öko drin wo Öko drauf steht?" sind auf der Tafel die wichtigsten ökologischen Ziele für die nächste Legislaturperiode aufgeführt. Der BUND will kontinuierlich prüfen, ob sich die umweltpolitischen Ankündigungen von Grünen und SPD am Ende auch im Koalitionsvertrag wiederfinden.
Quelle/Text: BUND e.V.
Druckversion
Sonntag, 29. September 2002
Neuseelands Artenvielfalt bedroht
Die Inselwelt Neuseelands zählt mit ihrer großen Artenvielfalt an Tieren und Pflanzen zu den besonders schützenswerten Ökoregionen der Erde. Heute sind viele dort lebende Arten vom Aussterben bedroht. NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND (EVT 30.09.2002) berichtet im Rahmen der Reihe "Hotspots" ausführlich über diese Problematik.
Seit 80 Millionen Jahren ist Neuseeland von anderen Landmassen isoliert. Lange Zeit konnten sich die einheimischen Tiere daher ohne Bedrohung durch räuberische Säugetiere zu einer großen Artenvielfalt entwickeln. Einige von ihnen sind lebende Fossilien: Arten, die sich über viele Millionen Jahre nicht verändert haben, wie zum Beispiel die Tuatara-Echse. Sie existierte schon in der Ära der Dinosaurier und hat deren Untergang überlebt. Doch als vor 700 Jahren die ersten Menschen das Land betraten, veränderte sich die Situation radikal. Mitgebrachte Tiere wurden zu Feinden der einheimischen Fauna. Viele, wie der Riesenvogel Moa, sind ausgerottet oder verdrängt worden. Andere, wie der Kakapo-Pagagei, sind in ihrem Fortbestand gefährdet. Auch der angestammten Flora ergeht es kaum besser. In weiten Teilen des Landes wurde der Regenwald vernichtet und durch englische Eichen, amerikanische Tannen und australische Eukalyptusarten ersetzt.
Noch gibt es abgelegene Orte, wo sich alteingesessene Tierarten behaupten können. Oder es sind Reservate, wo sich Wissenschaftler um den Schutz der einheimischen Tiere bemühen. Inzwischen werden 220 Inseln von der Naturschutzbehörde als Tierreservate betreut. Auf einigen versucht man, die Räuber durch Fallen und Zäune abzufangen und die ansässigen Tiere zu schützen. Gelingt es den Forschern und Wissenschaftlern, die beinahe ausgerotteten Arten zu retten, so würde dies einen großen Fortschritt im Kampf für Neuseelands Artenreichtum bedeuten.
Quelle/Text: NATIONAL GEOGRAPHIC DEUTSCHLAND
Druckversion
Sonntag, 29. September 2002
WWF freut sich über neuen Nationalpark in Madagaskar
Ein Trockenwald im Südwesten Madagaskars ist zum Nationalpark erklärt worden. Damit finden die jahrelangen Auseinandersetzungen um den "Wald der Wunder" im Südwesten der Insel zumindest vorerst ein Happy End. Der 36.000 Hektar große Zombitse Vohibasia Nationalpark ist ein Vogelparadies und die Heimat zahlreicher Halbaffen, von denen viele Arten nur auf Madagaskar vorkommen. Hier leben z.B. Lemuren wie die fuchsgesichtigen Kattas oder die scheuen Rotstirnmakis. Lange war der Trockenwald ein weitgehend unberührtes Idyll. Die Einheimischen, das Volk der Bara, betrachten sich als Hüter des heiligen Waldes und gehen entsprechend respektvoll mit der Natur um. Doch als Ende der 90er Jahre in der Region Diamanten gefunden wurden, war es mit der Ruhe vorbei. Innerhalb weniger Wochen zogen Tausende von Menschen auf der Suche nach Arbeit in den Edelsteinminen in die Region.
Mit den Siedlern kamen die Probleme, denn die Menschen brauchen Holz zum Kochen und Weiden für die in Madagaskar weit verbreitete Zucht von Zubu-Rindern. Auf der Insel müssen Jahr für Jahr mehr als 200.000 Hektar Primärwald als Weideflächen für die stetig wachsenden Viehherden und für den Reisanbau weichen. Um dem einmaligen Trockenwald auf der viertgrößten Insel der Welt dieses Schicksal zu ersparen, kämpft der WWF seit Jahren, um dieses Paradies zu retten.
Der WWF hat gemeinsam mit den regionalen Entscheidungsträgern und den Minenbetreibern einen Aktionsplan entwickelt, um die wirtschaftlichen Interessen mit den Erfordernissen des Naturschutz zu vereinbaren. "Es hat eine Weile gedauert, die Menschen davon zu überzeugen, dass die wahren Schätze Madagaskars nicht in den Diamantenminen, sondern in der einmaligen Natur der Insel zu finden
sind," beschreibt Ghislaine Blezinger, vom WWF die Situation. In einem der ärmsten Länder der Erde müssen die Naturschützer immer wieder zwischen den verschiedenen Interessengruppen vermitteln.
"Mit der Ausweisung des Nationalparks sind wir einen großen Schritt vorangekommen", erläutert die Leiterin des Waldbereichs beim WWF Deutschland. In Zukunft wollen die Naturschützer den sanften Tourismus im Südwesten Madagaskars weiter voranbringen. Der WWF unterstützt seit 1994 Programme, bei denen es darum geht, für die Einheimischen neue Einkommensquellen durch den Tourismus zu erschließen, die es ihnen aber zugleich erlauben, ihre traditionellen Lebensgewohnheiten und Gebräuche beizubehalten. Der Schutz der Natur ist dabei ein wesentliches Element.
Der neue Zombitse Vohibasia Nationalpark kann dazu einen Beitrag leisten. Er stellt nicht nur eine Zuflucht für die Lemuren dar, sondern er macht Madagaskar auch als Reiseziel attraktiver und das nützt nicht nur der Natur, sondern auch den Menschen.
Quelle/Text: WWF
Druckversion
Freitag, 27. September 2002
B.A.U.M, BJU und BUND: Ökosteuer weiterführen
Der Bundesverband junger Unternehmer (BJU), der ökologische Unternehmensverbund B.A.U.M. (Bundesdeutscher Arbeitskreis für umweltbewusstes Management) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sehen in der Weiterführung der Ökosteuer eine zentrale Aufgabe der rot-grünen Regierung. Der Koalitionsvertrag müsse deshalb klare Aussagen zur ökologischen Steuerreform und zum Ausbau erneuerbarer Energien machen.
Dr. Gerhard Timm, BUND-Bundesgeschäftsführer: "SPD und Grüne müssen zu früheren Aussagen stehen und an der Ökosteuer festhalten. Ein neuer Koalitionsvertrag ist nur mit der Weiterführung der ökologischen Steuerreform glaubwürdig. Die umweltpolitische Erfolgsgeschichte der Ökosteuer muss über das Jahr 2003 hinausgehen."
Dr. Christoph Zschocke, Präsidiumsmitglied und Leiter der Umweltkommission des BJU: "Die Rückgabe der Ökosteuer-Einnahmen an die Bürger und Unternehmen schafft neue Arbeitsplätze und entlastet die Umwelt. Langfristig festgelegte moderate Ökosteuer-Stufen verbessern die Einsatzmöglichkeiten innovativer und energiesparender Technologien in mittelständischen Unternehmen."
Prof. Maximilian Gege, B.A.U.M-Vorstand: "Die Ökosteuer muss mit einem gezielten Förderprogramm im Umweltschutz - zum Beispiel durch eine Offensive in mittelständischen Unternehmen für mehr Energieeffizienz und erneuerbare Energien - flankiert werden. Eine solche Mittelstandsoffensive wird sich für die Unternehmen und die Umwelt auszahlen. Aus der erfolgreichen Solar-na-klar-Kampagne sollte ein neues Eine-Million-Solardächer-Programm entstehen."
Die Verbände sehen in der Ökosteuer ein wirksames Mittel, den Einsatz fossiler Energien zu reduzieren. Nach jahrelangem Anstieg sei zwischen 1999 und 2001 der Benzin- und Dieselverbrauch im Verkehrssektor erstmals zurückgegangen. Ursache sei ein Zusammenspiel von steigendem Umweltbewusstsein, hohen Treibstoffpreisen und Ökosteuer. Auch wachse der Anteil verbrauchsarmer Fahrzeuge stetig: Von 0,35 auf über zwei Prozent bei neuen Fahrzeugen, die weniger als fünf Liter Kraftstoff verbrauchen.
Quelle/Text: BUND e.V.
Druckversion
Freitag, 27. September 2002
Bonner Konferenz stellt weitere Wasservogel-Arten unter internationalen Schutz
Bundesumweltministerium unterstützt Projekt zum Schutz der Zugrouten mit 1 Million Euro
Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat den erfolgreichen Abschluss der 2. Vertragsstaatenkonferenz zum Schutz eurasisch-afrikanischer Wasservögel begrüßt. "Es ist gelungen, weitere, vor allem auch gefährdete Wasservogel-Arten unter internationalen Schutz zu stellen. Das ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der weltweiten biologischen Vielfalt, der dauerhaft nur über Landesgrenzen hinweg erreicht werden kann. Um diese Zugvogelarten zu schützen, bedarf es auch angemessener Lebensbedingungen entlang der Zugroute. Deshalb stellt das Bundesumweltministerium für ein entsprechendes Schutzprojekt insgesamt 1 Million Euro zur Verfügung", sagte Bundesumweltminister Jürgen Trittin zum Abschluss der Konferenz, die seit Mittwoch in Bonn tagte.
Neu in das Regionalabkommen zum Schutz eurasisch-afrikanischer Wasservögel (AEWA) aufgenommen wurden die auch in Deutschland vorkommenden Arten Nachtreiher, Seidenreiher, Schwarzhalstaucher und Weißbartseeschwalbe. Darüber hinaus soll es künftig einen speziellen Aktionsplan zum Schutz der dunkelbauchigen Ringelgans geben. Südafrika hatte eine Reihe von Pinguin-Arten erfolgreich für die Aufnahme in das Abkommen vorgeschlagen. Damit bietet das Abkommen eine gute Grundlage, die internationalen Schutzmassnahmen - insbesondere für gefährdete Arten - besser abzustimmen. Das internationale Projekt zum Schutz des afrikanisch-eurasischen Zugweges, das vom Bundesumweltministerium gefördert wird, sieht die Einrichtung einer Reihe von Schutzgebieten in Osteuropa, Vorderasien und Afrika sowie die Unterstützung der Länder bei der nachhaltigen Naturnutzung vor.
Die Konferenz beschäftigte sich darüber hinaus mit der Problematik des Aussetzens nicht heimischer Wasservogelarten, das zu einer Verdrängung heimischer Arten führen kann. Es wurde beschlossen, dass ein Schwerpunkt der künftigen Arbeit im Rahmen des Abkommens darin bestehen wird, ein Eindringen gebietsfremder Arten zu vermeiden. Darüber hinaus hat die Konferenz die Vertragsparteien erneut aufgefordert, den Einsatz von Bleischrot bei der Jagd in Feuchtgebieten endgültig einzustellen, um die Schwermetallbelastung in den Brut- und Rastgebieten zu vermindern.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Donnerstag, 26. September 2002
Greenpeace baut Diesel-Rußfilter in Mercedes-PKW ein
Deutsche Autoindustrie lehnt Filter gegen Krebs erregende Abgase ab
Erstmals führt Greenpeace heute an einem gebrauchten Mercedes C 220 Diesel vor, dass Krebs auslösender Dieselruß schon lange aus den Abgasen deutscher PKW gefiltert werden könnte. In Stuttgart präsentiert die Umweltschutzorganisation die Wirkung einer nachträglich eingebauten Anlage, die nur noch ein Zehntausendstel der Partikel aus dem Auspuff lässt: Auf dem Filterpapier sind nur wenige Spuren zu sehen, das konventionelle Vergleichsfahrzeug hinterlässt dagegen einen schwarzen Fleck. Mit diesem Projekt widerlegt Greenpeace die Behauptung der deutschen Autohersteller, eine Nachrüstung bereits ausgelieferter PKW sei nicht machbar. Die Industrie weigert sich zudem, die verfügbare Technik in ihre neuen PKW einzubauen.
"Tausende Menschen sterben an Dieselkrebs. Die deutsche Autoindustrie unternimmt nichts dagegen, obwohl sie die Technik kennt", sagt Greenpeace Sprecher Wolfgang Lohbeck. "Die Autoindustrie muss alle Diesel-Neuwagen mit Filtern auszustatten und ältere Fahrzeuge nachrüsten. Jedes weitere Zögern ist verantwortungslos." Die Bundesregierung sollte die Nachrüstung von Dieselfahrzeugen durch Steuervergünstigungen unterstützen.
Der Einbau in deutsche PKW würde keine wesentlichen Mehrkosten verursachen. Greenpeace beauftragte den Rheinisch-Westfälischen TÜV (RWTÜV) in Essen, den Rußfilter einzubauen. Es waren keinerlei kostspielige Entwicklungen vonnöten und es wurden nur handelsübliche Teile verwendet. Die Dosierungseinrichtung für den notwendigen Kraftstoffzusatz stammt aus einem Gabelstapler, die Filteranlage von der französischen Firma PSA. Diese Filter werden bereits seit zwei Jahren serienmäßig in einige Modelle von Citroën und Peugeot eingebaut.
"Die Technik können sich die deutschen Autokonzerne von Gabelstaplern und französischen Autos abschauen. Aber schon das überfordert sie offensichtlich. Stattdessen versprechen sie andere Lösungen für morgen. Aber das Problem Dieselruß muss heute gelöst werden", sagt Lohbeck. Die deutsche Autoindustrie begründet ihre Weigerung, die Technik zu übernehmen, mit dem Hinweis auf angeblich bessere, aber erst zukünftig verfügbare Reinigungssysteme.
Deutsche Diesel-PKW stoßen jedes Jahr fast 9000 Tonnen Ruß aus. Er verursacht jährlich mehrere tausend Todesfälle durch Lungenkrebs und wahrscheinlich ein mehrfaches davon an anderen Gesundheitsschäden, vorwiegend Herz-, Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. Führende Experten, darunter der Sachverständigenrat der Bundesregierung, betrachten die Partikel im Dieselruß als das wichtigste Problem der Luftverschmutzung. Es ist die Anzahl der besonders kleinen Rußpartikel, die den Diesel so gefährlich macht. Diese haben in der letzten Zeit nicht ab-, sondern zugenommen. Das liegt an einer unvollständigen und teilweise hinderlichen Gesetzgebung, die nur zur Filterung grober Rußteilchen verpflichtet. Zum andern entstehen feine Rußpartikel durch hocheffektive Einspritztechniken in neueren Dieselmodellen.
Quelle/Text: Greenpeace
Druckversion
Donnerstag, 26. September 2002
Euronatur protestiert gegen Flusszerstörung
Umweltschützer: kroatische Wasserwirtschaft zerstört wertvolle Flusslandschaft
Auf die akute Bedrohung eines der letzten natürlichen Flussgebiete hat jetzt die internationale Umweltstiftung Euronatur hingewiesen. Bereits während der Ferienzeit im August begannen die Bagger mit der Zerstörung des Flusses Drau, an der kroatisch-slowenischen Grenze. Euronatur-Projektleiter Dr. Martin Schneider-Jacoby kann es nicht fassen: „Was von der dortigen Wasserwirtschaft als „notwendige Eingriffe“ zur Erhaltung des Flussbetts und zur Vorbeugung gegen Erosion bezeichnet wird, ist ein lange vorbereiteter Plan zur Regulierung der Drau. Stück für Stück, ohne Umweltverträglichkeitsprüfung wird der Fluss mit seinen Kiesbänken und Steilufern, mit Uferschwalben- und Seeschwalbenkolonien zerstört.“ Nach Angaben der Umweltschützer wird an vielen Stellen bereits ausgebaggert und begradigt. Der gewonnene Kies wird verkauft und für den Autobahnneubau zwischen Zagreb und Varazdin verwendet. Das ist ein gutes Geschäft und da hilft es auch nichts, dass die Biodiversitäts-Strategie Kroatiens den Schutz der natürlichen Ufer an Drau und Mur zur Priorität erklärt hat.
Euronatur hat gegen das Vorhaben Beschwerde bei der EU und dem Stabilitätspakt eingelegt und unterstützt außerdem die Naturschutzverbände vor Ort. Die regionale Organisation „Drava League“ vereint heute zahlreiche Vereine entlang der Drau und kämpft gegen die Zerstörung dieses letzten Wildflusses. Ziel ist es, die Drau als Lebenslinie zwischen den Ländern Österreich, Slowenien, Kroatien, Ungarn und Jugoslawien zu erhalten. Die Menschen am Fluss haben schon lange verstanden, dass der einmalige Flusskorridor ihnen langfristig mehr Möglichkeiten bietet als der verkaufte Kies aus der Aue. Das Biosphärenreservat Donau-Drau-Mur könnte in Zukunft für die ganze Region zum Markenzeichen werden, sollte es gelingen die Zerstörung der natürlichen Flussteile zu stoppen, so Euronatur.
Quelle/Text: Euronatur
Druckversion
Mittwoch, 25. September 2002
Grenzenloser Schutz für gefiederte Globetrotter
WWF: Gastgeberland Deutschland muss beim Schutz von wandernden Vögeln aufholen
Frankfurt, 25. September 02: Millionen Vögel machen sich jedes Jahr auf die Reise: Unabhängig von Staatsgrenzen ziehen Wasservögel wie Ringelgänse, Knutts und Kiebitzregenpfeifer über viele tausend Kilometer von ihren Brutstätten in weit entfernte Winterquartiere. Auf ihrem langen Weg sind sie vielen Gefahren ausgesetzt, wie der Jagd oder der Zerstörung ihrer Lebensräume, und müssen länderübergreifend geschützt werden. Zu diesem Zweck wurde 1999 das "Abkommen zum Schutz wandernder afrikanisch-eurasischer Wasservögel (AEWA)" geschlossen. Zum Auftakt der 2. Vertragsstaatenkonferenz des Abkommens in Bonn erwartet der WWF wichtige Verbesserungen für die ziehenden Wasservögel.
"230 Wasservogelarten kommen in dem Gebiet des Abkommens von Südafrika bis zur Arktis in Grönland und Sibirien vor. Alle diese Arten müssen erfasst und wenn nötig geschützt werden," fordert Hans-Ulrich Rösner für den WWF auf der Konferenz. So soll z.B. der Afrikanische Pinguin neu in das Abkommen aufgenommen werden. Sein geringer Bestand ist massiv durch Ölpest aus Schiffshavarien bedroht.
Der WWF erwartet von allen Mitgliedstaaten, dass bei der Wasservogeljagd nicht länger Bleischrot verwendet wird. Tausende von Tonnen Blei gelangen so bislang in die Gewässer und Millionen von Vögeln werden Jahr für Jahr dadurch vergiftet. Zum Schutz der einzelnen Vogelarten soll es außerdem spezielle Aktionspläne geben. Einer der ersten gilt der Ringelgans, die in Deutschland im Wattenmeer vorkommt und für die mit diesem Plan künftig eine natürliche Entwicklung des Bestandes möglich werden soll.
Vom Gastgeberland Deutschland fordert der WWF, dass das Wasservogelabkommen künftig durch Finanzierung von Projekten in Afrika und in der Arktis stärker als bisher unterstützt wird. Nur so können auch die in Deutschland vorkommenden und durchziehenden Wasservögel geschützt werden. Doch auch in Deutschland selbst gibt es viel zu tun: Viele Feuchtgebiete sind noch nicht ausreichend geschützt. Und auch die Verpflichtung, die Entwicklung der Bestände dieser Arten bundesweit zu erfassen, wird bislang nicht erfüllt.
Quelle/Text: WWF
Druckversion
Mittwoch, 25. September 2002
Umwelthilfe fordert: Klimaschutz Topthema der Koalitionsverhandlungen
Schrumpfendes Ozonloch macht Mut
Mit einer Mischung aus nationaler Vorreiterrolle und internationalem Verhandlungsgeschick hat Deutschland maßgeblich dazu beigetragen, dass der Ausstoß von Fluorkohlenwasserstoffen (FCKW) weltweit deutlich reduziert worden ist. In diesem Jahr haben australische Forscher erstmals eine Verkleinerung des Ozonlochs seit 1985 feststellen können. Dieser Erfolg macht Mut für ein vergleichbares deutsches Engagement im Klimaschutz. Deshalb fordert die Deutsche Umwelthilfe SPD und Grüne auf, den Klimaschutz zum Topthema der Koalitionsverhandlungen zu machen. Davon profitieren Wirtschaft und Umwelt.
Vor allem aufgrund des drastische reduzierten Ausstoßes von Fluor-Chlorkohlenwasser- stoffen (FCKW) in die Atmosphäre schrumpfte die Ozonschicht in der Stratosphäre dramatisch. Diese Ozonschicht ist das Schutzschild für Pflanzen, Tiere und Menschen gegen die tödliche Ultraviolett-Strahlung, die von der Sonne ausgeht. In der Konferenz von Montreal 1987 setzte der damalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer ein weltweites Verbot des FCKW-Ausstoßes durch. Wenn die Schrumpfung des Ozonlochs anhält, so ist dies "die größte Erfolgsgeschichte im globalen Umweltschutz". Dazu schrieb die DUH an Professor Klaus Töpfer: "Diese Geschichte verdanken wir Ihnen".
Die menschengemachte globale Erwärmung hat andere Auswirkungen als das Ozonloch. Doch sie sind ähnlich dramatisch: sintflutartige Niederschläge, Dürren und Stürme. Deshalb muss die Verminderung des Kohlendioxid-Ausstoßes und anderer klimawirksamer Gase eine der wichtigsten Aufgaben der neuen Regierung werden - als Topthema der Koalitionsverhandlungen. Die wichtigsten Standbeine eines solchen Klimaschutzprogramms für die nächsten vier Jahre sind das Energiesparen, die erneuerbaren Energien, die Kraft-Wärme-Kopplung und die Fortsetzung der Ökosteuer.
Quelle/Text: Deutsche Umwelthilfe
Druckversion
Mittwoch, 25. September 2002
BUND für Verlagerung energiepolitischer Zuständigkeiten ins Umweltministerium
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die Verlagerung der Zuständigkeiten für erneuerbare Energien und Energieeffizienz in das Bundesumweltministerium vorgeschlagen. Klimaerwärmung, Wetterextreme und Flutkatastrophen seien deutliche Hinweise für die Notwendigkeit einer stärker ökologisch ausgerichteten Energiepolitik. Das bisher für Energiefragen allein zuständige Wirtschaftsministerium habe traditionell eine zu große Nähe zur Stromwirtschaft gezeigt und sich oft als Bremser beim ökologischen Umbau der Energieversorgung und damit beim Klimaschutz betätigt. Auf Länderebene und international seien mit einer Verlagerung energiepolitischer Kompetenzen in die Umweltministerien gute Erfahrungen gemacht worden.
Prof. Klaus Traube, energiepolitischer Sprecher des BUND: "Energiepolitik ist das Kernstück der Umwelt- und
Klimaschutzpolitik. Sie muss der Energieeffizienz und den erneuerbaren Energien Vorrang vor Brancheninteressen der Energiewirtschaft einräumen. Diese konsequente Linie ist nach aller bisherigen Erfahrung von Bundeswirtschaftsministerien nicht zu erwarten. Soeben erst hat die Ministererlaubnis für die Fusion von E.ON und Ruhrgas wieder einmal den traditionell starken Einfluss der großen Stromunternehmen auf dieses Ministerium deutlich gemacht. Nicht von ungefähr sind die Ressorts Umwelt- und Energiepolitik auch in vielen Bundesländern und in anderen europäischen Staaten zusammengelegt worden. Mindestens die energiepolitischen Handlungsfelder Energieeffizienz, Energie-Forschung und Entwicklung sowie erneuerbare Energien sollten im Umweltministerium angesiedelt werden."
Der BUND fordert SPD und Bündnisgrüne auf, in den jetzigen Koalitionsverhandlungen Umwelt- und Naturschutzthemen stärker als im letzten Koalitionsvertrag zu berücksichtigen. Die nationalen Kohlendioxidemissionen müssten bis 2020 um 40 Prozent gesenkt, Ökosteuer und Agrarwende konsequent fortgeführt und der Naturschutz ausgebaut werden.
Traube: "SPD und Grüne haben beide im Wahlkampf die besondere Bedeutung von Umweltfragen hervorgehoben. Flutkatastrophe und Weltumweltgipfel haben der Bevölkerung die Versäumnisse beim nationalen und beim internationalen Klimaschutz noch einmal sehr deutlich gezeigt. Klar ist: Auch mit Umweltthemen lassen sich nun wieder Wahlen gewinnen. Im Regierungsprogramm der nächsten vier Jahre muss dies zu einer stärkeren ökologischen Ausrichtung führen. Ein Neuzuschnitt von Ressorts kann dabei helfen."
Quelle/Text: BUND e.V.
Druckversion
Mittwoch, 25. September 2002
NABU fordert mehr Gewicht für Umwelt und Naturschutz im Koalitionsvertrag
Flasbarth: Nachhaltige Siedlungsentwicklung Schwerpunkt künftiger Umweltpolitik
Der Naturschutzbund NABU hat die Koalitionspartner der zukünftigen Bundesregierung aufgefordert, dem Wählervotum für noch mehr Engagement im Umwelt- und Naturschutz im Koalitionsvertrag Rechnung zu tragen. "Richtige Ansätze wie die ökologische Finanzreform und die Agrarwende müssen jetzt beherzt weiter entwickelt und die bisher stiefmütterlich behandelten Bereiche wie Siedlungs- und Verkehrspolitik klar an den Zielen der Nachhaltigkeitsstrategie für Deutschland ausgerichtet werden", sagte NABU-Präsident Jochen Flasbarth. An Herausforderungen für die kommende Legislaturperiode fehle es nicht. Das hätten nicht zuletzt so erschütternde Ereignisse wie die Flutkatastrophe und die dadurch ausgelösten Diskussionen um zukünftige Hochwasserstrategien unter Beweis gestellt.
Nach Ansicht des NABU müsse die nachhaltige Siedlungsentwicklung einen Schwerpunkt der künftigen Umweltpolitik bilden. "In Deutschland gehen täglich 130 Hektar für neue Siedlungs-, Gewerbe- und Verkehrsflächen verloren. Hier muss dringend ein konkretes Umsteuern einsetzen", betonte Flasbarth. Dazu müssten mit einer Reform der Grundsteuer flächensparendes Bauen begünstigt und Baulandreserven innerhalb der Siedlungsräume mobilisiert werden. Eine Versiegelungsabgabe in Höhe von 50 ? pro Quadratmeter müsse den entscheidenden Anreiz für flächensparendes Bauen geben. Die Eigenheimzulage dürfe nicht länger die Investitionen in den Altbaubestand benachteiligen.
"In der kommenden Legislaturperiode muss der ökologische Umbau der Finanzpolitik fortgesetzt werden", so der NABU-Präsident. Steigende Energiesteuern sollten künftig Klimaschädlichkeit und Gesundheitsgefahren stärker berücksichtigen und damit eine bessere Lenkungswirkung entfachen. Im Bereich der Verkehrspolitik müsse als Ziel die deutliche Verringerung von Umwelt- und Klimabelastungen festgehalten werden. Dazu bedürfe es attraktiverer finanzieller Anreize für die Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel. Außerdem müsse die Entwicklung der Infrastruktur an den Belastungsgrenzen von Mensch und Umwelt ausgerichtet werden. "Zur Fortführung der Agrarwende erwarten wir von den Koalitionspartnern eine Verlängerung des Bundesprogramms Ökolandbau und die Eindämmung neuer Agrarfabriken durch baugesetzliche Änderungen", so Flasbarth. Die Bundesregierung müsse zudem auf EU-Ebene nachdrücklich für eine Reform vor der Osterweiterung eintreten.
Für den Naturschutz forderte der NABU, durch die Erhaltung und Ausweitung natürlicher Lebensräume den Artenschwund bis 2010 zu stoppen und umzukehren. Hierzu sei eine nationale Naturschutzstrategie nötig, die mit Hilfe eines Bundesprogrammes für bedeutsame heimische Arten und Lebensräume zielgerichtet umgesetzt werden müsse.
Die Bundesregierung müsse außerdem dafür sorgen, dass die den Ländern und Verbänden eröffnete Option auf die Übernahme von 100.000 Hektar ökologisch wertvoller Flächen, uneingeschränkt realisiert werden könne. "Der Bund sollte auch seine finanziellen und institutionellen Möglichkeiten dafür einsetzen, die in seinem Besitz befindlichen ehemaligen Truppenübungsplätze und Bergbaufolgelandschaften sowie die Flächen im ,Grünen Band' langfristig als nationales Naturerbe zu sichern", sagte Flasbarth abschließend.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Mittwoch, 25. September 2002
Mehr Schutz für Robben und Wale vereinbart
Bundesumweltminister Jürgen Trittin begrüßt Erfolg der 7. Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention
Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat den erfolgreichen Abschluss der 7. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens zum Schutz wandernder wild lebender Tierarten (Bonner Konvention) begrüßt. "Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, sechs Großwalarten neu in die Bonner Konvention aufzunehmen. Für Finn-, Sei- und Pottwal gilt die höchste Schutzkategorie, die ein Fangverbot vorsieht. Auch der Weiße Hai ist nunmehr streng geschützt. Das ist ein großer Erfolg, auch wenn ich mir gewünscht hätte, alle sechs Walarten nach strengsten Maßstäben zu schützen. Darüber hinaus ist der Schutz für zahlreiche weitere bedrohte Arten deutlich verbessert worden. Die von Deutschland eingebrachten Resolutionen zu Windenergie, Ölverschmutzungen und Stromtod von Großvögeln wurden ebenfalls angenommen", sagte Bundesumweltminister Jürgen Trittin.
Im Rahmen der Konferenz, die bis gestern Abend unter der Leitung der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesumweltministerium Gila Altmann in Bonn tagte, wurden zahlreiche weitere Tierarten neu in die Anhänge der Konvention aufgenommen, darunter der Südamerikanische Seelöwe, die Südliche Pelzrobbe sowie weitere Robbenarten, der Asiatische Wildesel, die Mongolei-Gazelle, südamerikanische und ozeanische Vogelarten, darunter Sturmvögel, Löffler sowie Adler- und Schwalbenarten.
Spezielle Schutzmassnahmen für weltweit gefährdete Arten wurden ebenfalls beschlossen, darunter für den Schneeleopard, die genannten Walarten, den Schwarzgesichtlöffler, Löffelstrandläufer und die Bernsteinseeschwalbe. Für Artengruppen wie bestimmte Flussdelfine und Dugong (Seekuh) hat sich die Konferenz für den Abschluss spezieller Schutzvereinbarungen ausgesprochen. Der Schutz der Meeressäuger, -schildkröten und Seevögel vor Beifang soll verbessert werden. Bundesumweltminister Jürgen Trittin zeigte sich erfreut, dass auf der Bonner Konferenz auch das Thema der Unfälle von Walen mit großen, schnellen Schiffen erörtert werden konnte und nun in den Gremien der Konvention weiter behandelt werden soll.
Die Konferenz hat alle drei von der Bundesregierung eingebrachten Resolutionen akzeptiert. So werden die Vertragsparteien aufgerufen, Überwachungsmaßnahmen gegen Ölverschmutzungen zu ergreifen, die wandernden Tierarten wie Vögeln, Fischen und Meeressäugern besonders schaden können. Eine weitere Resolution zum Einsatz von Windkraftanlagen wurde ebenfalls beschlossen. Darin wird der Ausbau der Windkraft als notwendig für den Schutz des Klimas begrüßt, zugleich aber gefordert, die Auswirkungen auf Zugvögel und andere wandernde Tiere zu prüfen und zu beachten. Durchgesetzt hat sich auch der deutsche Vorschlag, entsprechend der im Bundesnaturschutzgesetz bestehenden Regelung an die Vertragsparteien zu appellieren, Schutzmassnahmen an Mittelspannungsleitungen zu treffen, damit Großvögel wie Störche, Adler und Kraniche nicht durch Kurzschlüsse umkommen, wenn sie sich auf Strommasten niederlassen.
Im Anschluss an die 7. Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention findet von Mittwoch bis Freitag dieser Woche die 2. Vertragsstaatenkonferenz des Abkommens zum Schutz der afrikanisch-eurasischen Wasservögel in Bonn statt.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Dienstag, 24. September 2002
Einweglobby zieht Klage gegen Dosenpfand in Wiesbaden zurück
Dänemark hat gestern flächendeckend ein Dosenpfand nach deutschem Vorbild eingeführt
Das Verwaltungsgericht Wiesbaden hat heute über die Klagen von mehreren Dutzend Einwegunternehmen gegen die Einführung des Dosenpfandes zum 1.1.2003 verhandelt.
Nach zweistündiger Erörterung haben die Kläger ihre Klage zurückgezogen. Zuvor waren sie mit allen verfahrensverzögernden Anträgen gescheitert. Damit steht der Einführung des Pflichtpfandes auch in Hessen nichts mehr im Wege.
Nach Ansicht von Günther Guder, geschäftsführender Vorstand des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels hat der Wahlsieg der Bundesregierung sämtliche politische Unsicherheiten beseitigt.
"Die Prozessstrategie der Einweglobby war offensichtlich nur darauf ausgerichtet, durch eine neue, christlich-liberale Bundesregierung eine Rücknahme der Pfandpflicht zu erreichen. Mit dem Ausgang der Wahl ist diese Strategie gescheitert", so Roland Demleitner, Geschäftsführer des Bundesverbandes Mittelständischer Privatbrauereien.
"Die Prozessstrategie der Einwegunternehmen, "Schrotflintenklagen" gegen sämtliche Bundesländer zu erheben, ist kläglich gescheitert. Dies haben die Kläger durch ihre Klagerücknahme vom heutigen Tage eingestanden", so Dr. Remo Klinger aus der Kanzlei Geulen & Klinger als Prozessvertreter der Mehrwegallianz.
"Die Einweglobby sollte nun ihren Widerstand gegen die Verpackungsverordnung aufgeben und die verbleibenden drei Monate zur Vorbereitung der Einführung des Pflichtpfandes nutzen. Sie kann sich dabei an Dänemark ein Beispiel nehmen, wo am gestrigen Tag (23.09.) flächendeckend ein Pfand auf Einweg nach dem deutschen Modell eingeführt wurde", so Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e.V.
Quelle/Text: Deutsche Umwelthilfe
Druckversion
Dienstag, 24. September 2002
NABU wertet Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention als Erfolg
Nipkow: Wirkungsvolle Maßnahmen gegen den Vogeltod verabschiedet
Der Naturschutzbund NABU und sein internationaler Dachverband BirdLife International haben die Ergebnisse der heute endenden 7. Vertragsstaatenkonferenz der Konvention zum Schutz wandernder Tierarten (CMS) als Erfolg für den grenzüberschreitenden Naturschutz begrüßt. "Die 1979 in Bonn verabschiedete Konvention und ihre Regionalabkommen gehören immer noch zu den wichtigsten Instrumenten für den Schutz wandernder Tierarten", sagte NABU-Vogelschutzexperte Markus Nipkow.
Der NABU und BirdLife hatten mit Unterstützung der Bundesregierung und anderer Vertragsstaaten zwei Resolutionen auf der Konferenz eingebracht, die den verbesserten Schutz von Zugvögeln an Mittelspannungs-Stromleitungen und eine Umweltverträglichkeitsprüfung für alle Projekte fordern, die wandernde Tierarten gefährden könnten. Beide Resolutionen wurden verabschiedet. Auf Anregung der Bundesregierung wurde zudem eine Resolution verabschiedet, der zufolge Windparks im Regelfall nicht in für Zugvögel und Meeressäugetiere sensiblen Gebieten errichtet werden sollen.
Besonders erfreut zeigte sich Nipkow über die Verabschiedung konkreter Richtlinien zum Bau vogelfreundlicher Strommasten und zur Entschärfung gefährlicher Mastentypen: "Damit kann endlich weltweit der sinnlose Tod vieler bedrohter Großvögel verhindert werden." Der NABU und seine Partner hatten zuvor umfangreiches Datenmaterial gesammelt und einen entsprechenden Maßnahmenkatalog erarbeitet.
Quelle/Text: NABU
Druckversion
Dienstag, 24. September 2002
BMU: 2:0 für's Dosenpfand in Wiesbaden
Verwaltungsgericht Wiesbaden weist Klage ausländischer Mineralbrunnen zurück
Das Verwaltungsgericht Wiesbaden hat heute die Klage einiger Mineralwasserabfüller aus Belgien, Frankreich, Italien und Luxemburg gegen die Einführung des Dosenpfandes als unzulässig abgewiesen. Es gebe kein feststellungsfähiges Rechtsverhältnis zwischen den Klägern und dem Bundesland Hessen, die Klage sei somit unzulässig. Auch im Verhältnis zu ausländischen Abfüllern sei eine Anfechtungsklage gegen die Bundesregierung der einzig richtige Weg.
Damit hat sich das Verwaltungsgericht Wiesbaden der Rechtsauffassung der Bundesregierung angeschlossen. Bereits am Vormittag hatte eine Klägergemeinschaft bundesdeutscher Einwegfirmen ihre Klage in Wiesbaden wegen absehbarer Erfolglosigkeit zurückgezogen. "Mit ihrer Klagewelle vor den gar nicht zuständigen Verwaltungsgerichten in den Bundesländern will die Einweglobby letztlich nur Unsicherheit erzeugen und Verwirrung stiften", sagte Bundesumweltminister Jürgen Trittin.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Dienstag, 24. September 2002
Das Dosenpfand kommt - auch in Hessen
Kläger ziehen ihre Klage zurück
Nach dreistündiger Erörterung vor dem Verwaltungsgericht Wiesbaden haben die Gegner des Dosenpfandes ihre Klage zurückgezogen. "Zwei Tage nach der Bundestagswahl hat die Einweglobby die Notbremse gezogen, um einer absehbaren Niederlage zu entgehen", sagte Bundesumweltminister Jürgen Trittin. Wer nach dreistündiger Erörterung vor Gericht unmittelbar vor dem offiziellen Beginn der mündlichen Verhandlung eine Klage zurückzieht, der hat offenbar die geringen Erfolgsaussichten seiner Klage erkannt, so der Bundesumweltminister weiter. Trittin forderte die Wirtschaft erneut auf, nicht weiter auf Zeit zu spielen und endlich die Vorbereitungen für die Einführung der Pfandpflicht zum 1. Januar 2003 zu treffen.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Dienstag, 24. September 2002
Erfolgreicher WAL-Kampf
Vertragsstaaten der Bonner Konvention beschließen Listung von acht Wal- und Delfinarten
Am letzten Tag der 7. Vertragsstaatenkonferenz zur Bonner Konvention für die Erhaltung wandernder Tierarten wurde eine Reihe von wichtigen Entscheidungen für den Walschutz getroffen. In Anbetracht der zahlreichen Bedrohungen vor allem durch Umwelteinflüsse sprachen sich die Mitgliedsstaaten für eine Listung von acht Wal- und Delfinarten " Finnwal, Seiwal, Pottwal, Südlicher Zwergwal, Zwergglattwal, Brydewal sowie Schwertwal und Ganges-Flussdelfin " in die Anhänge der Konvention aus. Vier Arten " Finnwal, Seiwal, Pottwal und der Ganges-Flussdelfin " wurden in Anhang I gelistet und gelten somit als vom Aussterben bedroht.
Mark Simmonds, wissenschaftlicher Direktor der WDCS, Whale and Dolphin Conservation Society, meint vor dem Hintergrund der gefallenen Entscheidungen: zEs ist sehr ermutigend, dass die Bonner Konvention als Organisation der Vereinten Nationen eine so klare Position für den Schutz von Walen und Delfinen bezogen hat. Dies ist ein klares Signal an die Weltgemeinschaft und zeigt, dass die Bonner Konvention neben der Internationalen Walfangkommission (IWC) und dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) eine bedeutende Rolle im Walschutz spielt.
Die WDCS ist außerdem erfreut über die Listung des Schwertwals in Anhang II und des Ganges-Flussdelfins in Anhang I. Nicolas Entrup, Sprecher der WDCS in Deutschland, erläutert: zWir sind sehr zufrieden mit diesem Ergebnis, da zahlreiche Orca-Populationen nachweislich ernsthaft bedroht sind. So weisen Schwertwale im Nordostpazifik die höchsten Schadstoffbelastungen unter allen Wal- und Delfinarten auf.o
Die WDCS sieht sich auch bei ihren zahlreichen Schutzinitiativen für die Erhaltung des Ganges-Flussdelfins bestärkt. Der Ganges-Flussdelfin ist eine außerordentlich gefährdete Delfinart, bedroht durch Jagd, Lebensraumverlust und Beifang. Die Aufnahme dieser Art in Anhang I gleicht einer letzten Chance, diese Flussdelfinart vor dem Aussterben zu bewahreno, erklärt Margi Prideaux, Vertreterin der WDCS in Australien.
Die Mitgliedsstaaten begrüßten außerdem die Initiative der WDCS, Bedrohungen in Küsten- und Hochseegewässern in Südasien zu thematisieren. Wale und Delfine im Indischen Ozean sind zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt. Die ständige Verschlechterung des Lebensraumes ist v.a. für jene Arten katastrophal, die ein sehr begrenztes Verbreitungsgebiet haben und in den Fluss- und Küstenökosystemen in Südasien leben. Die Belastung in diesen Lebensräumen ist in der gesamten Region des Indischen Ozeans durchwegs sehr hoch, erläutert Prideaux, und wir werden deshalb die Möglichkeit nutzen, dieses Projekt in unser bereits existierendes Flussdelfinprogramm einzubinden. In einiger Zeit hoffen wir, ein regionales Abkommen für den Walschutz in dieser Region umsetzen und bis dahin den gesamten Prozess vor Ort begleiten zu können.
Am letzten Konferenztag wurden unter anderem auch zwei Resolutionen verabschiedet, die den Ausbau der Windenergiegewinnung und das Problem der Ölverschmutzung behandelten und für den Schutz von Walen und Delfinen von größter Bedeutung sind. Beide Resolutionen wurden von Deutschland eingebracht mit dem Ziel, Ökosysteme vor Ölkatastrophen zu bewahren und in für wandernde Tierarten sensiblen Regionen keine Windkraftanlagen zu errichten. Die WDCS sieht in beiden Initiativen eine positive Herausforderung, die es nun zu meistern gilt.
Informationen zur Bonner Konvention "Convention on Migratory Species (CMS)"
· Die 7. Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention begann am 18. September in Bonn und endet heute am 24. September 2002.
· Eine Listung in Anhang I und II bedeutet, dass für diese Arten Schutzmaßnahmen entwickelt werden.
· Anhang I der Bonner Konvention schützt Arten, die gefährdet sind.
· Anhang II der Bonner Konvention schützt Arten, die durch internationale Zusammenarbeit und Abkommen profitieren werden.
· Ganges-Flussdelfin, Finnwal, Seiwal und Pottwal wurden in Anhang I und II aufgenommen, Schwertwal (Orca), Südlicher Zwergwal, Brydewal,
Zwergglattwal in Anhang II.
Quelle/Text: WDCS
Druckversion
Dienstag, 24. September 2002
Greenpeace: USA entwickeln verbotene Chemiewaffen
Pentagon testet militärischen Einsatz von verbotenen Medikamenten
Das US-Verteidigungsministerium lässt derzeit Chemiewaffen entwickeln, die in klarem Widerspruch zum Chemiewaffen-Vertrag stehen, den die USA 1997 ratifizierten. Aus Dokumenten, die dem Hamburger Greenpeace Magazin vorliegen, geht hervor, dass US-Militärs am Einsatz von Medikamenten als Waffen arbeiten. Die Forschung steht unter der Leitung des Direktorats für nicht-tödliche Waffen (JNLWD) in Quantico/Virginia, einer Abteilung der US-Marine.
Bereits im Jahr 2000 recherchierten Wissenschaftler der Pennsylvania State University, welche Medikamente sich für den militärischen Einsatz als Chemiewaffen eignen. Nach Informationen der deutsch-amerikanischen Abrüstungsinitiative Sunshine-Projekt zählen dazu Beruhigungsmittel wie Valium und Antidepressiva (Stimmungsaufheller) wie Prozac (deutsch: Fluctin). Empfohlen werde darüber hinaus die Erprobung von weitaus gefährlicheren Substanzen wie Party-Drogen ("club drugs"), von krampfauslösenden Medikamenten ("convulsants") und sogar von Arzneien, die wegen gravierender Nebenwirkungen nicht zugelassen wurden. Weil diese "nicht-tödlichen Waffen" die Hemmschwelle zum Einsatz von Chemiewaffen senken und eine unkontrollierbare Eskalation auslösen können, ächtet sie die C-Waffen-Konvention. "Das US-Programm reicht weit über Tränengas und Pfefferspray hinaus, und selbst diese Mittel sind Soldaten in Kriegseinsätzen verboten", sagte Daniel Feakes, Experte für C-Waffen an der britischen University of Sussex, dem Greenpeace Magazin.
Die inhalierbaren Varianten der Arzneien sollen in neuartigen Granaten verschossen werden. Um solche Trägersysteme zu entwickeln und zu testen, finanzierte das US-Militär 2001 und 2002 mindestens fünf Projekte in militärischen und akademischen Einrichtungen. Nach Informationen des Greenpeace Magazins fertigte der Rüstungskonzern General Dynamics bereits spezielle 81-mm-Granaten, die beim Aufschlag die Arzneien als Gaswolke freisetzen. Ihre Reichweite von 2,5 Kilometern belegt nach Ansicht von Daniel Feakes, dass die Geschosse militärischen Zwecken dienen. Bei innerstädtischen Polizeieinsätzen, etwa Demonstrationen, Tumulten und Krawallen, genügten Reichweiten von zehn bis 50 Metern.
Auch Klaus-Dieter Thiel vom Fraunhofer Institut für Chemische Technologie und Gründer der europäischen Arbeitsgruppe für nicht-tödliche Waffen bestätigt, dass die USA sich mit ihrem Programm "außerhalb der legalen Anwendung von nicht-tödlichen Waffen" bewegten. Die zehn europäischen Mitglieder seiner Arbeitsgruppe, darunter Deutschland, erprobten keine Pharmazeutika für den Kriegseinsatz.
Das nächste Treffen der Vertragsstaaten zur C-Waffen-Konvention beginnt am 7. Oktober in Den Haag. Das Sunshine-Projekt will dann das Gremium auffordern, UN-Inspektoren in die USA zu schicken. "Derzeit gibt es mehr Belege für illegale Chemiewaffen in den USA als im Irak", sagte Jan van Aken vom Sunshine-Projekt dem Greenpeace Magazin.
Quelle/Text: Greenpeace
Druckversion
Dienstag, 24. September 2002
Hormonchemikalie belastet Lebensmittel
Greenpeace droht mit Klage gegen Biologische Bundesanstalt
Eine Blockade bei der Aufdeckung gefährlicher Stoffe wirft Greenpeace der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) vor. Die Behörde in Braunschweig verweigert die Auskunft, welche Pestizide durch Beimischung der Dauergifte Nonylphenol und Alkylphenolethoxylate (APEO) besonders gefährlich sind. Greenpeace hat die BBA daher heute durch einen Rechtsanwalt aufgefordert, die Namen der Pestizide zu nennen, und den Gang zum Gericht angedroht. Das Dauergift Nonylphenol wurde im April erstmals in Lebensmitteln entdeckt. Das Forschungszentrum Jülich (NRW) fand den hormonell wirksamen Stoff unter anderem in Schokolade, Wurst und Babynahrung. Tomaten und Äpfel enthielten die stärksten Belastungen. Sie wurden vermutlich mit APEO-haltigen Pestiziden gespritzt.
"Verbraucher und Anwender müssen dringend vor diesen Dauergiften geschützt werden", fordert Manfred Krautter, Chemie-Experte von Greenpeace. "Die BBA muss mit den Namen rausrücken. Dann brauchen wir sofort ein Verbot dieser Dauergifte in allen Produkten mit Lebensmittelkontakt. Sie dürfen auch nicht so verwendet werden, dass sie in die Umwelt gelangen können."
Die BBA verweigert bisher die Bekanntgabe der Pestizide "aus Gründen der Vertraulichkeit" gegenüber den Herstellern. Sie hält die Daten nach Ansicht des Hamburger Rechtsanwalts Michael Günther zu Unrecht geheim. "Die BBA ist gesetzlich verpflichtet, diese Informationen bereit zu stellen. Sie darf sie nicht willkürlich oder mit sachfremden Erwägungen verweigern."
Die BBA aber will es offenbar der Pestizidindustrie überlassen, ob sie Agrargifte mit Nonylphenol weiter vermarktet oder nicht. Die Bundesanstalt teilte Greenpeace in einem Schreiben vom 16. August mit, sie würde alle Hersteller, deren Spritzmittel APEOs enthalten, auffordern, "ihre Mittel umzuformulieren". Der Industrieverband Agrar, in dem die deutschen Hersteller von Pestiziden organisiert sind, ließ Greenpeace jedoch wissen: "Einen unmittelbaren Handlungsbedarf für unsere Mitgliedsfirmen sehen wir derzeit nicht."
"Wer der Pestizid-Industrie den Schutz der Verbraucher überlässt, macht den Bock zum Gärtner. Die BBA darf nicht die Machenschaften der Industrie decken, sie muss dafür sorgen, dass die Dauergifte aus unserer Nahrung verschwinden", sagt Krautter. Sogar in Muttermilch wurden deutliche Nonylphenol-Belastungen gefunden. Der Stoff kann das Hormonsystem, die Nieren und die Leber schädigen. Neue Studien zeigen, dass Nonylphenol auch die Fruchtbarkeit von Spermien mindern sowie die Entwicklung des Gehirns stören kann.
Nach Angaben der BBA sind in Deutschland derzeit 134 Pestizide mit APEOs auf dem Markt. Das BBA ließ noch in den letzten Monaten neue APEO-haltige Spritzmittel zu, die bis zum Jahr 2012 verwendet werden dürfen.
Quelle/Text: Greenpeace
Druckversion
Dienstag, 24. September 2002
Ökosteuer – sparen oder zahlen?
Broschüre des Umweltbundesamtes greift Vorurteile auf
Die Ökologische Steuerreform ist besser als ihr Ruf. Das Image und die Akzeptanz der Ökologischen Steuerreform sind in Teilen der Öffentlichkeit aber noch immer gering - trotz nachweislich positiver Effekte für Umwelt und Beschäftigung. Die neue Broschüre „Ökosteuer - sparen oder zahlen?“ erklärt, warum wir die Ökologische Steuerreform brauchen, wie sie gestaltet ist und wie sie wirkt. Zahlreiche Tipps zeigen, wie jeder Einzelne zum Gewinner der Ökologische Steuerreform werden kann. Prof. Dr. Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes: „Viele Bürgerinnen und Bürger haben erkannt, dass sich ein sparsamer Umgang mit Energie lohnt - für die Umwelt und für ihre Geldbörse. Aber wir brauchen eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung, um noch mehr Menschen zu einem energiesparenden Verhalten zu motivieren. Die neue Broschüre soll hierzu einen Beitrag leisten.“ Die Broschüre „Ökosteuer - sparen oder zahlen?“ steht als Download im Internet unter der Adresse http://www.umweltbundesamt.de zur Verfügung.
Im ersten Teil wird das Konzept der Ökologischen Steuerreform erläutert. Unter Überschriften wie „Was ist „Öko“ an der Ökosteuer“ „Tanken für die Rente: Ist das öko-logisch?“ oder „Ökologische Steuerreform: Jobkiller oder Jobknüller“ greift sie bekannte Vorurteile gegen die Ökosteuer auf. Im zweiten Teil zeigt die Broschüre, dass Verbraucherinnen und Verbraucher der Ökosteuer nicht hilflos ausgeliefert sind. Gegliedert in die drei Bereiche „Mobilität“, „Strom sparen im Haushalt“ und „Heizen und Wärmedämmen“ werden zahlreiche, anschauliche Tipps aufgeführt, wie schon mit kleinen Verhaltensänderungen zusätzliche Belastungen durch die Ökosteuer ausgeglichen werden können. Ebenso werden Kriterien genannt, die bei der Anschaffung beispielsweise eines neuen Kühlschrankes oder Autos beachtet werden sollten. Hilfreiche Adressen für weitere spezielle Informationen - auch zu einer möglichen finanziellen Unterstützung von energiesparenden Investitionen - runden die Broschüre ab.
Die Broschüre „Ökosteuer - sparen oder zahlen?“ steht zunächst als Download im Internet unter der Adresse http://www.umweltbundesamt.de zur Verfügung. Sie wird in Kürze auch als Druckfassung beim Umweltbundesamt, Zentraler Antwortdienst, Bismarckplatz 1, 14193 Berlin, Fax: 030 / 8903-2912, kostenlos erhältlich sein.
Quelle/Text: Umweltbundesamt
Druckversion
Montag, 23. September 2002
NABU bewertet Wahlergebnis als Aufwertung der Umweltpolitik
Flasbarth: Klare Zielvereinbarungen in Koalitionsvereinbarung
Der Naturschutzbund NABU sieht in dem Ergebnis der Bundestagswahl eine deutliche Aufwertung der Umweltpolitik. "Der Umweltschutz hat dieser Koalition und diesem Kanzler zu einer weiteren Amtszeit verholfen", sagte NABU-Präsident Jochen Flasbarth. Es gebe ein eindeutiges Signal der Wählerinnen und Wähler an die Bundesregierung, mehr statt weniger Engagement für den Natur- und Umweltschutz zu zeigen. "Dies ist ein klarer Auftrag an SPD und Grüne für ihre bevorstehenden Koalitionsverhandlungen", so Flasbarth.
Nach Ansicht des NABU müssten die richtigen umweltpolitischen Ansätze der letzten Legislaturperiode fortgesetzt werden. "In einigen Bereichen gibt es aber noch großen Nachholbedarf", sagte der NABU-Präsident. Dies gelte vor allem für die Verkehrs- und Siedlungspolitik. Von zentraler Bedeutung sei darüber hinaus eine ökologischere Wirtschaftspolitik. "Eine weitere Legislaturperiode, in der sich das Wirtschaftsministerium vor allem als Bremser ökologischer Politik versteht, darf es nicht geben", so Flasbarth. Der NABU-Präsident warnte davor, der Verteilung von Ministerien und Posten mehr Bedeutung beizumessen als der Festlegung klarer und weitreichender umweltpolitischer Ziele in der Koalitionsvereinbarung.
Quelle/Text: NABU
Druckversion
Montag, 23. September 2002
Amazonas: Illegales Holz nach Attacke auf Aktivisten beschlagnahmt
Brutale Übergriffe von Holzfällern gegen Ureinwohner und Aktivisten
Nach gefährlichen Attacken auf Ureinwohner und Greenpeace-Aktivisten, die seit Freitag den Jaraucu-Fluss aus Protest gegen die Zerstörung des Regenwaldes blockieren, wurden nun die Behörden aktiv: Die brasilianische Umweltbehörde IBAMA beschlagnahmte zwei Schiffe mit mehr als 200 illegal geschlagenen Mahagoni-Stämmen und verdonnerte die Besitzer zu einer Strafe von knapp 60.000 Euro. Zuvor hatten Holzfäller versucht mit einem brutalen Ramm-Manöver die Blockade des Jaraucu-Flusses zu durchbrechen und hatten damit Menschenleben von Ureinwohnern in den Booten gefährdet. Die Bewohner und Greenpeace protestieren mit dieser bislang größten gemeinsamen Aktion gegen die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes und fordern eine Schutzgebiet.
Über 40 kleine Boote blockieren seit Freitag letzter Woche den 100 Meter breiten Jaraucu Fluss, über den die meisten Transporte von illegal geschlägertem Holz laufen. Am Wochenende wurde ein Metallschiff mit 113 illegal eingeschlagenen Stämmen gestoppt. Beim Skipper des Raubbau-Schiffes handelt es sich um den Bruder des Bürgermeisters der nahen Stadt Porto de Moz, André Campos. Das Schiff hatte versucht, die Flussblockade mit hoher Geschwindigkeit zu rammen. Ein Greenpeace-Schlauboot hat es aber geschafft, das Schiff an das Ufer abzudrängen und konnte so die Kollision mit fünf kleinen Booten verhindern, auf denen sich 86 Menschen aufhielten – darunter viele Frauen und Kinder. Die Besatzung des Holzfällerbootes attackierte daraufhin die Blockade-Teilnehmer und verletzte drei Menschen, die von einer Greenpeace-Ärztin erstversorgt wurden. Greenpeace-Aktivisten und ein brasilianischer TV-Journalist mussten am Flughafen von Porto de Moz von der Polizei gerettet werden, na!
chdem sie von Holzfällern angegriffen worden waren.
Die brasilianische Umweltbehörde IBAMA beschlagnahmte die illegalen Stämme auf dem Schiff und stoppte später, gemeinsam mit Greenpeace-Aktivisten und der Bevölkerung, ein zweites Schiff, das sich ebenfalls im Besitz der Campos-Familie befindet. "Es ist kriminell, dass jene, die für öffentliche Sicherheit zuständig sind, wie der Bürgermeister von Porto de Moz, ihre eigenen Profitinteressen verfolgen und die Bevölkerung gleichzeitig in Angst leben muss," betonte Greenpeace-Koordinator Paulo Adario bei der Aktion.
Die Blockade findet auch im Gedenken an Chico Mendez statt, der vor 14 Jahres wegen seines Einsatzes zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes ermordet worden war. Auch Mendez hatte versucht mit Menschenketten und Blockade-Aktionen gegen die Waldzerstörung anzukämpfen. Die aktuelle Blockade des Jaraucu-Flusses ist die erste große Blockade-Aktion seit seinem Tod.
Die Porto de Moz Region ist berüchtigt für kriminelle Machenschaften, in die viele Holzunternehmen verwickelt sind. Bauern und Holzfäller dringen in Waldgebiete vor, öffnen illegale Forststraßen und bedrohen die traditionelle Bevölkerung, deren Überleben vom Wald abhängig ist. Das brasilianische Amazonasgebiet hat in den letzten 30 Jahren 15 Prozent seiner Waldfläche verloren. Die Gemeinden fordern nun Sammelreservate, die die Rechte der lokalen Bevölkerung garantieren und ihnen die traditionelle Bewirtschaftung erlauben. Das vorgeschlagene Gebiet soll eine Größe von 1,3 Mio. Hektar haben, fast halb so groß wie Belgien.
Quelle/Text: Greenpeace Österreich
Druckversion
Montag, 23. September 2002
Rumänien: Somes-Fluss nach Industrieunfall praktisch tot
Gelbe und grüne Substanzen verursachen größtes Fischsterben in dieser Region seit 30 Jahren
Behörden und Umweltinstitutionen der rumänischen Provinzen Cluj, Maramures und Satu Mare berichten von der schwersten Verschmutzung des Somes-Flusses in Nord-West-Rumänien, die es jemals gab. Es wird berichtet, dass fast die gesamte Fischpopulation verendet sei. Zeugen berichten Greenpeace, dass der Fluss gelb und grün verfärbt sei. Das Umweltinspektorat (IPM) spricht davon, dass die Ursache der (noch immer unbekannten) Substanzen wahrscheinlich die Papierfabrik "Somes Dej" ist, die zu 75 % der österreichischen Hovis-Gruppe gehört. Es gibt jedoch Zweifel daran. Auch flussaufwärts liegende Firmen wie etwa die Medikamentenfabrik "Terapia" in Cluj oder Cyanid-Bergbauindustrien könnten die Katastrophe verursacht haben. Laut IPM wird es Jahre dauern bis das Ökosystem des Somes-Flusses sich wieder erholt hat, der in Ungarn in die Theiß mündet. Das IPM führt weitere Untersuchungen durch um der Ursache weiter auf den Grund zu gehen. "Angesichts des schlechten Zustandes vieler Industrieanlagen sind Unfälle wie dieser in Rumänien keine Überraschung. Es ist unumgänglich, dass die Unternehmen die von ihnen ausgelösten Umweltbelastungen schnell und effizient reduzieren", sagt Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster, "Greenpeace fordert von den rumänischen Behörden rasche Aufklärung der Katastrophe. Das verursachende Unternehmen müsse jedenfalls vollen Schadenersatz zahlen."
Greenpeace hatte im vergangenen Juli mit einer internationalen Aktion unter österreichischer Beteiligung gegen die Chlorbleiche der "Somes Dej"-Papierfabrik protestiert. Greenpeace forderte vom Unternehmen die rasche Umsetzung eines Massnahmenkataloges, insbesondere die Einführung der total chlorfreien Bleiche. Anfang Oktober wird es erste Gespräche mit dem Unternehmen geben.
Insbesondere im Nordwesten Rumäniens befinden sich viele industrielle "Hotspots" der Gewässerverschmutzung. Insbesondere von der Bergbau und die Chemie- und Papierindustrie geht eine große Umweltverschmutzung aus. Greenpeace hat derzeit eine Kampagne gegen die Wasserverschmutzung in dieser Region am laufen.
Quelle/Text: Greenpeace Österreich
Druckversion
Montag, 23. September 2002
Nach Wahlsieg: BUND für forcierten Umweltschutz durch Ökosteuer, Energiesparen und Modernisierung der Bahn
Von einer rot-grünen Regierung erwartet der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Beschleunigung der ökologischen Erneuerung Deutschlands. Jetzt müsse der Schwung des Wahlsieges von SPD und Bündnisgrünen genutzt werden, um weitere Erfolge beim Schutz von Umwelt und Natur durchzusetzen.
Dr. Angelika Zahrnt, BUND-Vorsitzende: "Die neue Regierung kann jetzt mit neuem Rückenwind Entschlossenheit in der Umweltpolitik zeigen. Mit der Ökosteuer hat Rot-Grün die notwendige Reform des Steuer- und Finanzsystems eingeleitet. Dies muss konsequent weiter verfolgt werden. Dazu gehört der Abbau umweltschädlicher Subventionen und eine stärkere Einbeziehung von Umweltkosten in die Preise für Rohstoffe, Waren und Dienstleistungen. Aufschwung erwarten wir auch beim Ausbau umweltfreundlicher Verkehrsmittel und erneuerbarer Energien."
Rot-Grün stehe nach Meinung des BUND bei den Wählerinnen und Wählern in der Pflicht, ihren ökologischen Wahlaussagen entsprechende Taten folgen zu lassen. Das müsse sich auch in der Koalitionsvereinbarung konkret niederschlagen. Dabei gehe es um über als eine Million Arbeitsplätze, die in Umweltbranchen bereits entstanden seien. Mehrere Hunderttausend Stellen könnten durch Energiesparmaßnahmen und die stärkere Förderung regenerativer Energien neu geschaffen werden. Von zentraler Bedeutung für die kommende Legislaturperiode sei nach Auffassung des BUND auch die Reform der Flusspolitik bei Bundeswasserstraßen.
Zahrnt: "Naturbelassene Flüsse leisten einen enormen Beitrag zum Naturschutz und zur Hochwasservorsorge. In der künftigen Flusspolitik muss der Grundsatz gelten: Schiffe müssen den Flüssen angepasst werden und nicht die Flüsse den Schiffen. Eine nachhaltige Verkehrspolitik vernetzt moderne umweltfreundliche Verkehrsträger und setzt nicht auf immer mehr Beton. Deshalb muss der Bundesverkehrswegeplan nach ökologischen Kriterien gestaltet werden."
In der Agrarpolitik sei nach Ansicht des BUND die intensive Förderung des biologischen Landbaus fortzusetzen. In der Frage des Gentechnik-Einsatzes in der Landwirtschaft müsse die neue Regierung dem Wunsch der Verbraucher nach gentechnikfreien Lebensmitteln Rechnung tragen. Der BUND kündigte an, die neue Regierung nach Kräften zu unterstützen wenn es darum gehe, Umwelt- und Naturschutz mehr Geltung zu verschaffen. Zugleich werde der Umweltverband aber auch kritischer Begleiter der Politik bleiben.
Quelle/Text: BUND e.V.
Druckversion
Montag, 23. September 2002
Japanische Fischer wollen 600 Delfine schlachten
Nach Informationen der Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) machen sich japanische Fischer in der Hafenstadt Futo bereit, um 600 Delfine zu fangen und zu schlachten. Das Fischereiministerium erteilte eine entsprechende Genehmigung für 75 Große Tümmler, 70 Streifendelfine und 455 Fleckendelfine für die im September eröffnete und bis Ende März 2003 dauernde Jagdsaison. Beim letzten derartigen Massaker im Jahr 1999, das von einem Fernsehjournalisten heimlich gefilmt wurde und zu einem internationalen Aufschrei führte, wurden 69 Delfine brutal getötet und sechs weitere für den Verkauf an Delfinarien gefangen.
Die Fischer treiben dabei ganze Delfinschulen in kleine mit einem Netz abgesperrte Buchten. Noch lebend und durch Schläge mit Eisenstangen verletzt zieht man die Meeressäuger mit einem Kran an ihren Fluken aus dem Wasser und karrt sie mit Kleinlastwagen in eine Fisch-Fabrik. Dort schneiden die Fischer ihnen die Halsschlagadern auf, die Tiere verbluten langsam und qualvoll. "Das Gehirn von Delfinen funktioniert vergleichsweise lange ohne Sauerstoff, unbetäubt erleben die intelligenten Tiere ihr Sterben bei vollem Bewusstsein, eine unvorstellbar grausame Barbarei", so ein GRD-Sprecher.
In Japan wird weltweit das meiste Wal- und Delfinfleisch gegessen. Das Delfinfleisch wird roh oder als sukiyaki eine Art kurz angebratenes Fleischgericht - verzehrt. Die von der japanischen Regierung immer wieder zitierte Tradition des Verzehrs von Wal- und Delfinfleisch kam tatsächlich erst nach dem 2. Weltkrieg auf, als dieses Fleisch eine wichtige Proteinquelle darstellte. Heute ist insbesondere Walfleisch allerdings eine teure Delikatesse.
Dank der jahrelangen weltweiten auch von der GRD mitgetragenen Proteste sind erste Anzeichen für ein Umdenken in Japan sichtbar. Der Fischer Izumi Ishii, früher selbst ein Delfinjäger, will nun Delfinbeobachtungstouren anbieten. Unterstützt wird er dabei von der japanischen Naturschutzorganisation Elsa Nature Conservancy, die sich bereits seit einigen Jahren darum bemüht, dem Schutz von Delfinen und Walen in Japan Gehör zu verschaffen. Ishii hofft, den restlichen Futo-Delfinjägern mit seiner Initiative eine alternative und ökologisch verträgliche Einkommensquelle aufzuzeigen, um so dem grausamen Abschlachten ein Ende zu bereiten.
Die GRD protestierte bereits mehrfach bei der japanischen Regierung gegen das Futo-Delfin-Massaker und führt eine bundesweite Unterschriftenaktion durch.
Quelle/Text: GRD
Druckversion
Montag, 23. September 2002
Naturschutzring: Wahlgewinnerin ist die Natur
DNR-Präsident Weinzierl sieht in der Klima-, Verkehrs- und Agrarpolitik die größten Herausforderungen für neue Regierung
Mit Genugtuung kommentierte heute Hubert Weinzierl, Präsident des Deutschen Naturschutzrings (DNR), die Fortsetzung des rot-grünen Regierungsbündnisses. "Gewinnerin der Wahl ist auch die Natur, denn jetzt kann das öko-soziale Pflänzchen der Hoffnung weitergedeihen," sagte Weinzierl.
Klimapolitik, Verkehrs- und Agrarwende sind nach Meinung des DNR, der als Dachverband der Umweltverbände insgesamt über fünf Millionen Mitglieder vertritt, die größten Herausforderungen der nächsten vier Jahre.
DNR-Präsident Weinzierl forderte Bundeskanzler Gerhard Schröder auf, "die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung als geeignete Basis für eine zukunftsfähige Politik zu nutzen und diese auch konsequent umzusetzen."
Quelle/Text: DNR
Druckversion
Samstag, 21. September 2002
Trittin appelliert an Bonner Artenschutz-Konferenz: Schützt die Wale!
Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat heute an die gegenwärtig in Bonn versammelten Vertragsparteien der Bonner Konvention zum Schutz wandernder wild lebender Tierarten appelliert, den Vorschlag Australiens zum Schutz weiterer Walarten zu unterstützen. "Die im Antrag Australiens aufgeführten Wale sind weltweit vom Aussterben bedroht. Die Bonner Konferenz hat die Chance, einen großen Beitrag zu leisten, um diesen Meeressäugern das Überleben zu sichern. Diese Chance darf nicht ungenutzt verstreichen", sagte der Minister.
Australien hat der Bonner Vertragsstaatenkonferenz vorgeschlagen, 6 weitere Walarten in die Bonner Konvention aufzunehmen -- Finnwal, Seiwal, Pottwal, Antarktischer Zwergwal, Brydewal und Zwergglattwal. Damit könnten die Schutzbemühungen der Internationalen Walfangkommission (IWC) und des Washingtoner Artenschutz-Abkommens (WA) unterstützt werden. Die im australischen Antrag genannten Walarten unterliegen bereits dem Walfangmoratorium der IWC und einem internationalen Handelsverbot nach den Regeln des Washingtoner Übereinkommens. Nach der Bonner Konvention sind bislang Blauwal, Buckelwal, Grönlandwal, Nordkaper und Südkaper streng geschützt.
Die 7. Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention tagt noch bis zum Dienstag kommender Woche (24. September) in Bonn. Ziel der Konferenz ist es, den Schutz der schätzungsweise 5000 bis 6000 wandernden wild lebenden Tierarten zu verbessern. Dies gilt vor allem für Zugvögel, Meeressäuger und Fledermäuse.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Freitag, 20. September 2002
Bundesumweltministerium fördert zwei neue Naturschutzprojekte in Baden-Württemberg
Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat die Förderung von zwei neuen Naturschutzprojekten bewilligt, die bundesweite Bedeutung für den Naturschutz haben. Beide Projekte, ein Hochwald- und ein Hochmoorgebiet, liegen in Baden-Württemberg. Trittin hob die enge Verknüpfung der Interessen von Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft sowie Tourismus hervor. Der Bund stellt fast 8, 3 Millionen Euro für beide Projekte zur Verfügung, das sind jeweils 65 Prozent der Kosten. Die Bescheide übergab heute der Präsident des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Prof. Dr. Hartmut Vogtmann, an das Land Baden-Württemberg. Das BfN betreut die beiden Naturschutzprojekte.
Das Hochwaldgebiet "Feldberg - Belchen - Oberes Wiesental" umfasst mehr als 9.000 Hektar im Schwarzwald. In den Hochlagen von Feldberg und Belchen findet sich eine bundesweit einmalige Flora und Fauna mit zahlreichen eiszeitlichen Glazialrelikten und boreo-alpinen Arten, die in Baden-Württemberg teilweise ihr einziges Vorkommen haben. Als Kontrast dazu finden sich "Wärmeinseln" mit zahlreichen wärmeliebenden Arten. Zu den weitgehend natürlichen Lebensräumen zählen Hochmoore, Felsen, Blockhalden, naturnahe Wälder, zahlreiche Bergbäche sowie extensiv genutzte Weidfelder mit eingestreuten Feuchtbiotopen, Felsen und Gehölzen. Die Hochweiden beherbergen die bundesweit ausgedehntesten und repräsentativsten Bestände des hochmontanen Schweizer Löwenzahn-Borstgrasrasens. Auch die mageren, extensiv genutzten Flügelginsterweiden sind in Deutschland einmalig. Eine Gefährdung besteht durch den Rückgang der extensiven landwirtschaftlichen Nutzung, so dass die Erhaltung weitläufiger, freier Grünlandflächen zunehmend in Frage gestellt ist. Gefährdungen durch den Tourismus sollen durch ein übergreifendes Konzept zur Lenkung der Besucher entschärft werden.
Das Fördergebiet "Pfrunger - Burgweiler Ried" umfasst eines der bedeutendsten Moorgebiete Süddeutschlands. Die Vielfalt unterschiedlichster Moortypen sowie die großflächige Ausbildung von Durchströmungsmooren sind für diesen Raum einzigartig. Das natürlicherweise vorkommende Bergkiefern-Hochmoor ist in dieser Ausprägung einmalig. Das Gebiet ist der bedeutendste Brutplatz der Krickente in Baden-Württemberg. Die stärkste Beeinträchtigung des Gebiets erfolgte durch Grundwasserabsenkungen und Entwässerungsmaßnahmen im Zuge der Moorkultivierung. Der industrielle Torfabbau wurde zwar 1996 eingestellt, jedoch ist es dringend erforderlich, die noch stattfindende Entwässerung des Gebietes zu beenden und naturnahe Wasserverhältnisse wieder herzustellen.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Freitag, 20. September 2002
Italien eröffnet die Jagdsaison auf Zugvögel
Italienische und deutsche Naturschützer starten großes Vogelschutzcamp
Millionen Zugvögeln droht in Italien beim Flug in den Süden erneut ein vorzeitiges Ende durch Fang oder Abschuß. Wie am Freitag das Komitee gegen den Vogelmord in Bonn mitteilte, darf von kommenden Sonntag an jeder der 800.000 italienischen Jäger 30 Singvögel pro Tag erlegen. "Bei 55 Jagdtagen macht dies theoretisch weit über eine Milliarde Vögel", erklärt hierzu der Vogelschützer Alexander Heyd. "Das ist mehr, als es in Europa überhaupt noch gibt."
Den Naturfreunden sei es aber kurz vor Jagderöffnung gelungen, in einigen Regionen Italiens entscheidende Verbesserungen der Jagdverordnungen vor Gericht durchzusetzen. So hatte nach Angaben des Komitees gegen den Vogelmord die oberitalienische Lombardei Drosseln und Tauben während der Brutzeit zum Abschuß freigegeben, obwohl die europäischen Naturschutzrichtlinien dies strikt untersagen. Das Verwaltungsgericht in Mailand habe nun die Jagdzeitenverordnung der Lombardei verworfen und die Regierung gezwungen, das Regelwerk an die EU-Richtlinien anzupassen. "Die neuen Jagdzeiten sind zwar auch nicht in unserem Sinne, aber wenigstens können die Vögel jetzt ihre Jungen ungestört aufziehen", so Heyd.
Der illegale Fang von Singvögeln bereite den Vogelschützern dagegen weiterhin Sorgen. In den Bergen Norditaliens - zwischen Garda- und Iseosee - beginnen in diesen Tagen Tausende Vogelfänger mit dem Aufbau verbotener Vogelfallen und Netze. Auf die traditionelle Polenta mit Singvögeln am Spieß wolle man in den abgelegenen Bergregionen auch heute noch nicht verzichten. "In den Südalpen werden bis Ende November rund eine halbe Million Vogelfallen und Tausende Fangnetze aufgestellt", mutmaßt Heyd. Das Komitee gegen den Vogelmord werde daher gemeinsam mit seinen italienischen Partnerverbänden ab Ende September mit rund 100 ehrenamtliche Helfern ein groß angelegtes Vogelschutzcamp in den Bergen westlich des Gardasees veranstalten. Nach Angaben der Naturfreunde hätten sie bei dem letzten derartigen Camp im Herbst 2001 mehr als 20.000 Vogelfallen und Fangnetze abgebaut. Die Arbeit sei nicht ganz ungefährlich, denn die Vogelfänger würden nicht gerne zusehen, wie ihre Fallen und Netze eingesammelt werden. Doch seit Carabinieri und Forstpolizei die Aktionen begleiten, sei auch die Zahl gewalttätiger Übergriffe etwas zurückgegangen. Dennoch seien die Naturschützer auch letztes Jahr noch mehrfach mit Knüppeln angegriffen und in einem Bergdorf sogar beschossen worden.
Die Aktionen sollen bis zum 10. November andauern.
Quelle/Text: Komitee gegen den Vogelmord e.V.
Druckversion
Freitag, 20. September 2002
Die Vielfalt des Rhododendrons entdecken
Bundesumweltministerium fördert Besucherzentrum "Botanika" - Richtfest in Bremen
Das Rhododendron ist ein hervorragendes Beispiel für die biologische Vielfalt, d.h. die Vielfalt von Arten, Lebensräumen und genetischer Ressourcen. Um die Vielfalt des Rhododendrons für die Menschen erlebbar zu machen, unterstützt das Bundesumweltministerium die Errichtung eines Informationszentrums im Bremer Rhododendronpark mit fast 2,8 Millionen Euro. Anlässlich des Richtfestes betonte Bundesumweltminister Jürgen Trittin, dass dieses Besucherzentrum auch einen Beitrag dazu leisten könne, Inhalte und Ziele des UN-Übereinkommens zum Schutz der biologischen Vielfalt in der Bevölkerung stärker als bisher zu vermitteln.
Im Besucherinformationszentrum "Botanika - Pflanzenwelten entdecken" soll mit Hilfe moderner Medien die allgemeinen naturkundlichen Grundlagen der Pflanzenwelten sowie die vielfältigen Lebensräume der Gattung Rhododendron und das kulturelle Umfeld im Verbreitungsgebiet auf der Nordhalbkugel der Erde dargestellt werden. Dabei sollen auch Informationen über mögliche und notwendige Schutzmassnahmen, eine zukunftsfähige Naturnutzung sowie über einen gerechten Vorteilsausgleich aus der Nutzung genetischer Ressourcen vermittelt werden. Das Vorhaben wird vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) fachlich betreut. Die Eröffnung des Besucherzentrums ist für Juni 2003 geplant.
Bundesumweltminister Trittin: "Auch 10 Jahre nach Verabschiedung des Übereinkommens über die biologische Vielfalt in Rio de Janeiro ist die Bedeutung dieses wichtigen Abkommens immer noch zu wenig Menschen bewusst. Biologische Vielfalt geht jeden etwas an, ist für jeden erlebbar und Grundlage des täglichen Lebens. Die Einsicht in die Notwendigkeit, dass die biologische Vielfalt erhalten und geschützt werden muss, ist die Grundlage für verantwortungsbewusstes Verhalten. Ich freue mich, dass das Informationszentrum Botanika hier mit Hilfe moderner Kommunikationsmittel neue Wege gehen will. Es kann damit auch für andere botanische Gärten eine Perspektive aufzeigen."
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Donnerstag, 19. September 2002
Künast: Artenvielfalt in Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei erhalten
"Angesichts des alarmierenden Artenschwundes müssen wir mehr tun, um die Artenvielfalt zu erhalten." Das erklärte Bundesverbraucherministerin Renate Künast heute bei der Eröffnung des Symposiums „Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft“ des Bundesverbraucherministeriums in Berlin. "Was wäre unser Leben ohne die natürliche, aber auch von uns Menschen mitgeschaffene Vielfalt an Pflanzen und Tieren? Sie sind Teil unserer Lebensgrundlagen. Ohne sie könnten wir nicht existieren. Es muss deshalb unser elementares Interesse sein, diese biologische Vielfalt weltweit zu erhalten", so Künast.
Täglich würden weltweit bis zu 150 Tier- und Pflanzenarten aussterben. Viele Kulturpflanzensorten und Nutztierrassen, die bis ins letzte Jahrhundert noch genutzt wurden, seien inzwischen aus der Landwirtschaft verschwunden. Ertrag und Leistung dürften nicht die einzigen Kriterien für die Nutzung von Tieren und Pflanzen sein. Künast: "Wir müssen mehr an unsere Umwelt, an unsere Lebensgrundlagen und an nachfolgende Generationen denken! Ein Teil unserer nationalen Nachhaltigkeitsstrategie ist die Agrarwende. Eines ihrer Ziele ist Erhalt und Verbesserung der biologischen Vielfalt." Biologische Vielfalt entspreche auch dem Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher, die sich eine Landwirtschaft der Spezialitäten und Regionalitäten wünschten.
Der Erhalt der biologischen Vielfalt sei eine globale Aufgabe. Mittlerweile gebe es in vielen Ländern erfolgversprechende Initiativen. Die Ministerin erinnerte an das Übereinkommen über die biologische Vielfalt, das Deutschland als einer der ersten Staaten ratifiziert habe. Auf dem diesjährigen UN-Gipfel zur nachhaltigen Entwicklung in Johannesburg sei vereinbart worden, den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2010 spürbar zu verringern. In Deutschland habe die Bundesregierung viele konkrete Schritte für den Erhalt der biologischen Vielfalt, insbesondere auch im Bereich von Land- und Forstwirtschaft sowie der Ernährung eingeleitet. So seien bereits Fachprogramme mit konkreten Schritten für die Erhaltung der genetische Ressourcen bei landwirtschaftlich und gärtnerisch genutzten Pflanzen, Forstpflanzen, Nutztieren, Fischen und Mikroorganismen erarbeitet worden. Die Ressortforschung des Bundesverbraucherministeriums leiste wichtige Beiträge zu diesem Thema und bei der Zentralstelle für Agrardokumentation und Information (ZADI) sei das Informationszentrum Biologische Vielfalt (IBV) als Koordinations- und Informationsbeschaffungsstelle für Behörden, Verbände und Organisationen, aber auch als Schnittstelle für den internationalen Informationsaustausch eingerichtet worden.
Das Symposium über die „Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft“ wird vom Bundesverbraucherministerium gemeinsam mit dem Informationszentrum Biologische Vielfalt (IBV) der Zentralstelle für Agrardokumentation und -information (ZADI) veranstaltet. Die Veranstaltung soll deutlich machen, was es bedeutet, diese genetischen Ressourcen zu erhalten und zu nutzen, welche Maßnahmen dazu notwendig sind und was hierzu bereits getan wird. Insbesondere sollen Ziele und Inhalte der Fachprogramme zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung genetischer Ressourcen vorgestellt und mit einem breiten Publikum diskutiert werden. Gleichzeitig soll die Veranstaltung dazu beitragen, Aktivitäten in den unterschiedlichen Bereichen der genetischen Ressourcen besser zu vernetzen. An der Veranstaltung nehmen ca. 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik teil.
Quelle/Text: BMVEL
Druckversion
Donnerstag, 19. September 2002
Daten und Fakten rund um die Luftqualität in Deutschland im Internet
Das Umweltbundesamt (UBA) hat Daten und Fakten rund um die Themen Luftqualität und Freisetzung von Luftschadstoffen (Emissionen) unter der Adresse http://www.umweltbundesamt.de/luft im Internet veröffentlicht. Das Informationsangebot wird zukünftig ständig erweitert und regelmäßig aktualisiert, zum Beispiel mit Hinweisen über Forschungsaktivitäten und zum Stand der Technik.
Messstationen von Bund und Ländern im gesamten Bundesgebiet messen kontinuierlich die in die Luft ausgestoßenen Schadstoffe. Diese Messergebnisse bietet das UBA stundenaktuell und deutschlandweit unter der Rubrik „Aktuelle Immissionsdaten“ an. Hier werden auch Karten der Einstundenmittelwerte der Ozon-, Schwefeldioxid- und Stoffdioxidbelastung und der Achtstundenmittelwerte der Kohlenmonoxidbelastung sowie die Auswertungen für den jeweiligen Vortag, hier dann auch für die Partikelbelastung der Luft, auf dem neuesten Stand veröffentlicht. Zusätzlich sind Informationen zu Grenz- und Schwellenwerten bereitgestellt.
Unter „Vorschriften“ sind Fundstellennachweise zu ausgewählten luftqualitätsbezogenen und emissionsrelevanten Vorschriften sowie zahlreiche Volltexte zu nationalen und europäischen Vorschriften und zu internationalen Abkommen zusammengetragen.
Im Bereich „Emissionen“ sind Daten und wichtige Hintergrundinformationen zur aktuellen Schadstoffbelastungssituation in Deutschland erfasst. Es erfolgt eine umfassende Information über Berichtspflichten, denen Deutschland aufgrund internationaler Vereinbarungen nachkommt, wie zum Beispiel der Klimarahmenkonvention oder der Genfer Luftreinhaltekonvention. Diese Daten und Berichte können heruntergeladen werden. Ergänzt wird das Angebot durch eine Übersicht über Aktivitäten im Bereich der „Forschungsvorhaben“. Dazu zählen Veröffentlichungen abgeschlossener Studien sowie Zusammenfassungen und Kurzbeschreibungen aktueller Projekte.
Eine Übersicht der zugelassenen Messstellen für Emissions- und Immissionsmessungen von Luftverunreinigungen ist unter „Verfahrensvorschriften“ zu finden. Die Hauptrubriken „Veranstaltungen“ und „Service“ informieren umfassend über Veranstaltungen, Praktika und vieles mehr.
Konzept, Design, Navigationsstruktur und Redaktion des Internetangebotes sind darauf ausgerichtet, direkte Kontakte zu vermitteln und einen schnellen Zugriff auf Fachinformationen zu ermöglichen.
Quelle/Text: Umweltbundesamt
Druckversion
Donnerstag, 19. September 2002
Niveau der Luftqualität wird weiter verbessert
Neue Vorschriften ab heute in Kraft
Die Luftqualität in Deutschland wird noch weiter verbessert: Heute treten neue Luftreinhaltevorschriften in Kraft, mit denen schärfere bzw. neue Immissionsgrenzwerte eingeführt werden. Diese betreffen die Luftschadstoffe Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid und Blei sowie Feinstaub, Benzol und Kohlenmonoxid. Die Grenzwerte dürfen spätestens ab 2005 bzw. 2010 nicht mehr überschritten werden. Dazu sind - insbesondere bei Feinstaub und Stickstoffdioxid - Anstrengungen zur Reduzierung des Schadstoffausstoßes sowohl in Anlagen als auch im Verkehr notwendig. Ferner wird die Information der Öffentlichkeit über die aktuelle Situation der Luftqualität weiter verbessert.
Mit den neuen Luftreinhaltevorschriften (7. Gesetz zur Änderung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes, Novelle der 22. Bundes-Immissionsschutz-Verordnung) werden die neuen Luftqualitätsrichtlinien der EU in deutsches Recht umgesetzt.
Die neuen europaweiten Luftqualitätsstandards beruhen vor allem auf deutschen Initiativen und gewährleisten den Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt auf hohem Niveau. Weitere Regelungen für Ozon sind mit der neuen EU-Richtlinie vom Februar dieses Jahres in Kraft getreten. Eine weitere Richtlinie für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Kadmium, Arsen, Nickel und Quecksilber wird zur Zeit von der EU-Kommission vorbereitet.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Donnerstag, 19. September 2002
Jürgen Trittin: Wandernde Tierarten müssen weltweit besser geschützt werden
Zwei Vertragsstaatenkonferenzen in Bonn eröffnet
Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat sich für einen weltweit verbesserten Schutz von wandernden wild lebenden Tierarten ausgesprochen. "Die schätzungsweise 5000 bis 6000 wandernden Tierarten wie Zugvögel, aber auch Wale, Robben und Fledermäuse, die teilweise um den halben Globus ziehen, sind besonderen Gefährdungen ausgesetzt. Ihr Schutz setzt eine enge internationale Zusammenarbeit voraus, um ihnen angemessene Lebensbedingungen in allen Teilen der Welt zu gewährleisten und diese Arten als Teil der biologischen Vielfalt zu erhalten. Der Erhalt bzw. die Schaffung adäquater Lebensräume entlang der Zugrouten bringt nicht nur den grenzüberschreitenden Natur- und Artenschutz voran, sondern dient zugleich der Verbesserung der Umweltsituation für viele Menschen - gerade auch in weniger entwickelten Ländern", sagte der Minister heute in Bonn zur Eröffnung der 7. Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention (CMS) und der 2. Vertragsstaatenkonferenz des Regionalabkommens zum Schutz afrikanisch-eurasischer Wasservögel (AEWA).
Die 2. VSK zur Bonner Konvention, die bis zum 24. September in Bonn tagt, hat sich vor allem das Ziel gestellt, weitere Tierarten in das Übereinkommen einzubeziehen, die Strategie der Konvention bis 2005 fortzuentwickeln, Impulse für weitere Regionalabkommen und Schutzmassnahmen für besonders bedrohte Tierarten zu geben sowie einen neuen Informations- und Managementplan zu erarbeiten. Auf Antrag Australiens sollen 6 Großwalarten (Antarktischer Zwergwal, Breitwal, Finnwal, Seiwal, Zwerglattwal sowie der Pottwal) in die Konvention aufgenommen werden. Ein Regionalabkommen für Meeressäuger im Südpazifik soll folgen. Mit der dabei angestrebten Ausweisung eines Schutzgebiets könnte im Rahmen der Bonner Konvention ein Ziel des Artenschutzes erreicht werden, das bei der Internationalen Walfang-Kommission bislang nicht die notwendige Unterstützung gefunden hat.
Deutschland wird auf dieser Konferenz drei Resolutionsentwürfe einbringen: Der erste Antrag hat das Ziel, den Schutz von Großvögeln vor Stromtod an Mittelspannungsleitungen zu verbessern, in dem die Masten künftig vogelsicher konstruiert werden sollen. Dies ist in Deutschland seit April dieses Jahres durch das neue Bundesnaturschutzgesetz vorgeschrieben. Der zweite Resolutionsantrag beschäftigt sich mit der Windkraftnutzung auf See und fordert die nähere Untersuchung von Auswirkungen großer Windparks auf ziehende Vogelarten, Seevögel und Meeressäuger. Der dritte Antrag behandelt die Gefahren für Tiere, die von Öl bzw. Ölprodukten, die ins Meer gelangt sind, ausgehen können. Hier soll u.a. ein Überwachungssystem geschaffen werden, das die Verursacher illegaler Einleitungen besser identifizieren hilft. Darüber hinaus sollen Kapazitäten zur Bekämpfung von Ölverschmutzungen vorgehalten werden.
Neben diesen Resolutionen wird im Rahmen der VSK dem Sekretariat der Bonner Konvention eine von Bundesumweltministerium und Bundesamt für Naturschutz entwickelte Datenbank, das globale Weltregister für wandernde Arten, übergeben. Darüber hinaus wird die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium Gila Altmann heute (18 Uhr) ein Memorandum of Understanding zum Schutz der Großtrappe unterzeichnen. Von diesem Vogel gibt es in Deutschland nur noch Reliktvorkommen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Das Memorandum soll den Erfahrungsaustausch zum Erhalt dieser vom Aussterben bedrohten Art fördern und die erheblichen Anstrengungen zum Schutz dieser Tiere in Deutschland unterstützen.
Im Mittelpunkt der 2. Vertragsstaatenkonferenz zum Schutz der afrikanisch-eurasischen Wasservögel (AEWA) vom 25. bis 27. September 2002 wird die Aufnahme weiterer Wasservogelarten - vorwiegend aus Südafrika - stehen. Ferner soll erörtert werden, alle Wasservogelarten unabhängig von ihrer Gefährdung in das Abkommen einzubeziehen. Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat darüber hinaus angekündigt, ein großangelegtes Schutzprojekt für diese Wasservogelarten, das von mehreren internationalen Organisationen und dem AEWA-Sekretariat getragen wird, von 2004 bis 2008 mit insgesamt 1 Million Euro zu fördern.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Donnerstag, 19. September 2002
Ölpest vor der afrikanischen Küste
WWF fordert verstärkten Schutz ökologisch sensibler Meeresgebiete
Der italienische Frachter Jolly Rubino steht noch immer in Flammen. Am 11. September war das Schiff vor der südafrikanischen Westküste zwischen Klippen auf eine Sandbank aufgelaufen. Auslaufendes Öl und Giftfässer drohen den Uferbereich eines einzigartigen Welterbes der UNESCO zu verseuchen: das St. Lucia-Reservat. Das südafrikanische Schutzgebiet wurde 1999 zum Weltnaturerbe erklärt und beheimatet 486 Vogelarten wie Weißstörche, Bienenfresser und Fischadler. Außerdem leben hier Lederrückenschildkröten, rund 60.000 Flamingos, 1.000 Nilkrokodile und 800 Flusspferde. Um die Naturparadiese im südlichen Afrika künftig vor ähnlichen Katastrophen zu schützen, fordert der WWF, die Küsten von Mosambik über Südafrika und das Kap der guten Hoffnung hinaus bis nach Namibia als besonders schützenswertes Meeresgebiet (PSSA: Particulary Sensitive Sea Area) gemäß IMO (Internationale Schifffahrtsorganisation) auszuweisen. In solchen Meeresgebieten können den Schiffen bestimmte Fahrtrouten vorgeschrieben werden. Damit kann z.B. das Befahren ökologisch sensibler Gebiete durch Schiffe mit gefährlicher Ladung verboten werden.
"Dieser Unfall macht gesetzliche Regelungen für die Schifffahrt zwingend. Wir können es uns nicht mehr leisten, aus Fehlern zu lernen. Solche Fehler dürfen einfach nicht mehr passieren!", fordert Tony Frost, Geschäftsführer vom WWF Südafrika. Die Ausweisung besonders schützenswerter Gebiete sei ein hilfreicher Ansatz. Weltweit wurden erst vier PSSA-Gewässer ausgezeichnet: Das australische Great Barrier Reef, das kubanische Sabana-Camarguey Archipelago, die Inselkette Florida Keys in den USA und die Isla Malpelo vor Kolumbien. Das Wattenmeer in der südlichen Nordsee ist zur Ernennung als PSSA-Gebiet angemeldet, hier steht die Anerkennung durch die IMO jedoch noch aus.
"Die Auszeichnung als PSSA-Gewässer muss dem rechtsfreien Raum auf internationalen Gewässern ein Ende setzen. Dadurch könnten zum Beispiel in Küstennähe Lotsen eingesetzt werden, um die Unfallrate zu senken. Die Reedereien scheuen aber deren Bezahlung und laufen lieber ungeschützte Häfen an. Deshalb erschwert die wirtschaftliche Konkurrenz unter den Häfen immer noch die Auszeichnung von Schutzgebieten", erklärt Holger Wesemüller, Leiter des Fachbereichs Meere und Küsten beim WWF Deutschland.
Bergungsmannschaften kämpfen jetzt vor dem St. Lucia-Reservat darum, das Schlimmste zu verhindern: Sie pumpen soviel Öl wie möglich aus den Tanks der Jolly Rubino auf ein zweites Schiff. Aus zwei Rissen im Rumpf läuft Öl ins Meer. Da die Gefahr besteht, dass das Schiff auseinander bricht, kann es nicht auf die offene See hinausgezogen werden, um die Küste von der Ölverschmutzung zu verschonen.
Fest steht, dass sich an Bord Giftfässer mit Phenol befanden. Einige schwer beschädigte Container lagern noch an Deck. des brennenden Schiffes. 40-50 Giftfässer werden noch vermisst.
Quelle/Text: WWF
Druckversion
Mittwoch, 18. September 2002
Kreuzfahrtschiffe ohne Seepocken und Kutter ohne Algen: Neuartige
DBU präsentiert auf weltweit größter Schiffsmesse SMM in Hamburg
umweltfreundliche Alternativen zu TBT-haltigen Anstrichen
Wissenschaftliche Untersuchungen haben es bewiesen: Schon ein Milliardstel Gramm des hochgiftigen Tributylzinn (TBT) löst bei Meeresschnecken hormonelle Störungen aus. Sie vermännlichen und werden unfruchtbar. Schäden für den Menschen sind nicht auszuschließen, da dieses Gift sich in der Nahrungskette anreichert. Aus diesem Grund werden TBT-haltige Schiffsanstriche ab Januar nächsten Jahres weltweit verboten. "Wir können aber bereits jetzt umweltfreundliche Produkte und Verfahren präsentieren, die den Schiffsbewuchs verhindern, ohne ständig Gifte in das Wasser abzugeben", erläuterte Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Alternativen seien von großer Wichtigkeit, da der Bewuchs an Schiffsrümpfen auch künftig wirksam bekämpft werden müsse, um erhöhten Kraftstoffverbrauch und kostenintensive Reinigung zu vermeiden und damit die Umwelt zu schonen.
Auf der Shipbuilding, Machinery & Marine Technology International Trade Fair (SMM), der mit 1.400 Ausstellern weltgrößten Schiffsmesse, die vom 24. bis 28. September auf dem Messegelände in Hamburg stattfindet, präsentiert die DBU die innovativen Alternativen. Die Firma bioplan aus Rostock setze zum Beispiel die von ihr entwickelten Schutzschichten unter Strom, wodurch sich der Säuregrad des den Schiffsrumpf umgebenden Wassers ändere. Im Praxistest sei es bereits gelungen, Algen, Seepocken und Muscheln daran zu hindern, sich am Schiff festzusetzen. "Erneut beweist hier ein mittelständisches Unternehmen, dass vorbeugender Umweltschutz zu einer wirksamen Umweltentlastung führt", freute sich Brickwedde. Die DBU fördert das Projekt mit 295.000 Euro.
Eine ähnliche Idee, die jedoch auf Nanotechnologie basiere, verfolge zurzeit die Nanogate Technologies GmbH aus Saarbrücken. Sogenannte Fluoradditive, die handelsüblichen Lacken zugesetzt werden, veränderten die Eigenschaften der Oberfläche und erzeugten eine sehr niedrige Oberflächenspannung. Wasser und Öl perlten von den auf diese Weise behandelten Schiffsrümpfen ohne Rückstände ab. Die dauerhaft harte und glatte Oberfläche, die durch die eingebauten Nanopartikel entstünde, biete auch Organismen keinen Halt mehr. "Die Schiffe bleiben somit dauerhaft frei von jeglichem Bewuchs", sagte Brickwedde. Das hätten umfangreiche Praxistests bewiesen. Die DBU unterstützt dieses Vorhaben mit 282.000 Euro.
Zusammen mit farberzeugenden Firmen, Reedereien und Schiffseignern lässt die Umweltstiftung WWF (World Wildlife Fund) giftfreie Antibewuchsfarben in der Großschifffahrt testen. Die DBU fördert hier mit 630.000 Euro. "Auf nahezu allen Weltmeeren sind zurzeit Schiffe vom Fischkutter bis zum Kreuzfahrtschiff unterwegs, um die neuen Farben unter verschiedenen Belastungen und Umgebungen einem Praxistest zu unterziehen", sagte Brickwedde. Das Labor für limnische und marine Forschung LimnoMar (Hamburg) und die Forschungsstelle Küste des Niedersächsischen Landesamtes für Ökologie Hildesheim (Niedersachsen) überprüfen die Anstriche regelmäßig. Die realitätstreuen Tests gewährleisteten die breite Akzeptanz der neuen Farben.
Quelle/Text: DBU
Druckversion
Mittwoch, 18. September 2002
NABU fordert grenzüberschreitenden Schutz für Schneeleoparden
Dexel: Schneeleoparden sind ökologische und politische Grenzgänger
Der Naturschutzbund NABU hat grenzüberschreitende Schutzmaßnahmen für den akut vom Aussterben bedrohten Schneeleoparden gefordert. "Die maximal noch 7000 freilebenden Schneeleoparden sind ökologische und politische Grenzgänger", sagte Birga Dexel, Leiterin des NABU-Schneeleopardenprojektes, auf der Bonner Vertragsstaatenkonferenz zum Schutz wandernder Tierarten (CMS). Der Schneeleopard wurde bereits 1985 auf Vorschlag Deutschlands auf den Anhang I der UN Konvention zum Schutz der wandernden Tierarten gesetzt.
NABU-Expertin Dexel bezeichnete die Schneeleoparden als Biodindikatoren für den ökologischen Zustand der von ihnen bewohnten Hochgebirgsregionen Asiens. Mit der Ausnahme des tibetischen Plateaus befänden sich alle Schneeleopardenpopulationen genau in den Hochgebirgszügen, die sowohl die natürlichen als auch die nationalstaatlichen Grenzen zwischen den 12 Herkunftsländern bilden: Himalaja, Hindukusch/Karakorum, Tien-Shan und Altai. "Im gesamten Schneeleopardeneinzugsgebiet fehlt es eklatant an transnationaler Kooperation", sagte Dexel. In den Grenzregionen seien Schneeleoparden durch Wilderei und den Mangel an Beutetieren bedroht. Darüber hinaus häuften sich die Hinweise, dass in den Grenzregionen Angehörige des Militärs und Grenzposten sowohl Beutetieren als auch Schneeleoparden nachstellten.
Der NABU begrüße die Initiative Tadschikistans, im Rahmen der Vertragsstaatenkonferenz konkrete grenzüberschreitende Schutzmaßnahmen in einem Abkommen festzuschreiben. Regionale und multilaterale Abkommen sind die Arbeitsinstrumente der CMS zur Umsetzung von artspezifischen Schutzmaßnahmen. "Im UN-Jahr der Berge könne der Schneeleopard zum Symboltier für den Schutz der Hochgebirgsregionen werden", so Dexel. Die Bundesregierung solle die tadschikische Initiative sowohl politisch als auch materiell unterstützen.
Quelle/Text: NABU
Druckversion
Mittwoch, 18. September 2002
Trittin unterzeichnet neues Sitzabkommen der Bonner Konvention
BMU beteiligt sich an UNEP-Projekt zur Förderung des Umweltrechts in Afrika
Bundesumweltminister Jürgen Trittin und der stellvertretende Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) Shafqat Kakakhel haben heute in Bonn zum Auftakt zweier Vertragsstaatenkonferenzen zum Schutz wandernder Tierarten ein neues Sitzabkommen der Bonner Konvention unterzeichnet. Damit wird der Status von Mitarbeitern des Sekretariats und Teilnehmern von Veranstaltungen des Übereinkommens in einigen Punkten verbessert und dem Status angepasst, der Klima- und Wüstensekretariat bereits eingeräumt wurde.
Bundesumweltminister Trittin sieht in der Erneuerung des Sitzabkommens ein klares Signal der Bundesregierung, dass sie ihr Versprechen einlöst, die Bundesstadt Bonn zu einem internationalen Standort der Umwelt-, Gesundheits- und Entwicklungspolitik auszubauen. "Damit sind zugleich gute Voraussetzungen geschaffen, dass weitere UN-Organisationen, zum Beispiel im Bereich der Chemikaliensicherheit, ihren Sitz in Bonn nehmen", sagte Trittin. Das Sekretariat der Bonner Konvention zum Schutz wandernder wild lebender Tierarten hat seinen Sitz seit 1984 in Bonn. Es ist eine von 12 Einrichtungen der Vereinten Nationen, die derzeit in Bonn angesiedelt sind. Das neue Sitzabkommen steht auch den Regionalabkommen unter dem Dach der Bonner Konvention (afrikanisch-eurasisches Wasservogelübereinkommen, Fledermaus- und Kleinwalabkommen) zur Zeichnung offen.
Trittin und Kakakhel unterzeichneten darüber hinaus einen Vertrag zur Förderung des Umweltrechts in Afrika. Das Projekt unter der Schirmherrschaft von UNEP hilft afrikanischen Staaten beim Aufbau einer Umweltgesetzgebung sowie bei der Ausbildung von Umweltjuristen. Deutschland beteiligt sich an diesem Projekt bis 2004 mit insgesamt 450 000 Euro. "Ich freue mich, nur wenige Wochen nach dem Gipfel in Johannesburg einen ganz konkreten Beitrag zur Verbesserung der Umwelt in Afrika leisten zu können", sagte Minister Trittin.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Dienstag, 17. September 2002
Umweltverbände für Fortsetzung ökologischer Reformen
Künftige Regierung muss Umweltthemen ins Zentrum der Politik stellen
Die großen deutschen Umweltverbände BUND, NABU und DNR haben wenige Tage vor der Wahl eine Fortsetzung der Politik der ökologischen Erneuerung gefordert. Trotz wichtiger Reformen durch Rot-Grün stehe Deutschland und die Welt weiter vor großen Herausforderungen bei der Lösung der Umweltprobleme. Eine neue Regierung müsse deshalb noch mehr
Entschlossenheit in der Umweltpolitik zeigen. Eine der zentralen Aufgaben in der nächsten Legislaturperiode sei die ökologische Finanzreform. Mit der Ökosteuer habe die rot-grüne Bundesregierung einen wichtigen Schritt bei der Reform des Steuer- und Finanzsystems getan. Dies müsse konsequent weiter verfolgt und weiterentwickelt werden. Dazu gehöre auch ein Abbau umweltschädlicher Subventionen und die stärkere Einbeziehung von Umweltkosten in die Preise für Rohstoffe, Waren und Dienstleistungen.
NABU-Präsident Jochen Flasbarth: "Ohne Verteuerung der knappen Energieressourcen kann es keine erfolgreiche Umweltpolitik geben. Zu den gravierendsten Fehlleistungen der Opposition gehören die Polemiken gegen die Ökosteuer. Wenn der Kanzlerkandidat der Union ankündigt, im Falle seines Wahlsieges die nächste Stufe der Ökosteuer auszusetzen, beweist das nur sein rückwärtsgewandtes Denken. Eine maßvolle kontinuierliche Verteuerung der Energiekosten muss jedoch konsequenterweise bei den Primärenergieträgern ansetzen, um die unterschiedliche Klimaschädlichkeit zu bewerten. Zur Berücksichtigung der Gesundheitsgefahren und der Risiken der Atomenergie muss auch eine Besteuerung von Kernbrennstäben erfolgen."
Als weitere wichtige Aufgaben der nächsten Bundesregierung nannte der NABU-Präsident die Novellierung des Bundeswald- und des Bundesjagdgesetzes: "Sowohl Forstwirtschaft als auch Jagd müssen gesetzlich auf ökologische Ziele verpflichtet werden."
Von zentraler Bedeutung für die neue Legislaturperiode sei nach Auffassung der Verbände auch eine ökologische Flusspolitik bei Bundeswasserstraßen. Dr. Angelika Zahrnt, BUND-Vorsitzende: "Naturbelassene Flüsse leisten einen enormen Beitrag zum Naturschutz und zur effektiven Hochwasservorsorge. Wenn
CDU/CSU und FDP am Ausbau der Elbe und am Bau von Staustufen an der Donau festhalten wollen, haben sie nichts aus der Jahrhundertflut gelernt. In der Flusspolitik muss künftig der Grundsatz gelten: Schiffe müssen den Flüssen angepasst werden und nicht die Flüsse den Schiffen. Eine nachhaltige Verkehrspolitik vernetzt moderne umweltfreundliche Verkehrsträger statt auf immer mehr Beton zu setzen. Deshalb muss der neue Bundesverkehrswegeplan nach ökologischen Kriterien gestaltet werden."
In der Agrarpolitik müsse nach BUND-Auffassung der eingeschlagene Weg einer stärkeren Förderung des biologischen Landbaus fortgesetzt werden. In der Frage des Gentechnik-Einsatzes in der Landwirtschaft habe die künftige Regierung die Pflicht, dem Wunsch der Verbraucher nach gentechnikfreien Lebensmitteln Rechnung zu tragen.
Die Verbände hoben hervor, dass Bundesumweltminister Trittin mit dem neuen Bundesnaturschutzgesetz einen fast zwanzigjährigen Reformstau durchbrochen habe. Mit der erstmaligen Aufnahme von Naturschutzpflichten für die Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft in das Gesetz sei der größte Mangel im bisherigen Naturschutzrecht beseitigt worden. Neue Regelungen für die Einrichtung zusätzlicher Nationalparke und für die Errichtung eines bundesweiten Biotopverbundes seien ebenso zu begrüßen wie die bundesweite Einführung der Verbandsklage.
Hubert Weinzierl, Präsident des Deutschen Naturschutzrings (DNR): "Das
Hochwasser und der Johannesburger Weltumweltgipfel haben auch den deutschen Wählerinnen und Wählern die Bedeutung von Umweltthemen erneut dramatisch vor Augen geführt. Ökologische Katastrophenvorsorge, Klimaschutz und der Ausbau erneuerbarer Energien gehören untrennbar zusammen. Welche Parteien auch immer die Bundesregierung stellen, nichts darf sie davon abbringen, gemeinsam mit den anderen Vorreiter-Staaten die erneuerbaren Energien energisch auszubauen."
Die Analysen der umweltpolitischen Vorstellungen in den Wahlprogrammen der Parteien durch die Umweltverbände hätten gravierende Unterschiede gezeigt. Zwar würden die Verbände keine Wahlempfehlungen aussprechen, jedoch seien die Wählerinnen und Wähler aufgerufen, bei ihrer Wahlentscheidung zu prüfen, ob die Parteien zukunftsfähige Konzepte für den Natur- und Umweltschutz in ihren Programmen anbieten und ob sich die jeweiligen Kandidatinnen und Kandidaten für den Schutz von Natur und Umwelt engagieren.
Quelle/Text: BUND e.V.
Druckversion
Dienstag, 17. September 2002
NABU: Zugvögel durch Stromschlag an Energiefreileitungen gefährdet
Der Naturschutzbund NABU hat einen Tag vor Beginn der 7. Vertragsstaatenkonferenz der "Konvention zum Schutz wandernder Tierarten" (CMS) in Bonn an alle Teilnehmer appelliert, mit konsequenten Vereinbarungen den Schutz gefährdeter Arten länderübergreifend zu verbessern. "Gerade Tiere, die nicht an einem Ort verweilen, sondern in regelmäßigen Abständen Wanderungen über weite Strecken zurücklegen, sind zahlreichen Gefahren ausgesetzt", sagte NABU-Präsident Jochen Flasbarth. Deshalb seien die internationale Zusammenarbeit, die präzise Abstimmung von Maßnahmen und verbindlich gefasste Beschlüsse von größter Bedeutung. Die so genannte "Bonner Konvention" hatte sich erstmals 1979 als eines der wichtigen globalen Abkommen besonders mit dem Phänomen der Tierwanderung befasst.
Besondere Hoffnungen knüpfe der NABU an eine Resolution zum Vogelschutz an Energiefreileitungen. "Für viele seltene Vogelarten zählen tödliche Stromschläge an Freileitungen zu den Hauptursachen ihres Bestandsrückgangs", so Flasbarth. Dieses Problem finde international noch immer zu wenig Beachtung, obwohl gerade auch bekannte Arten wie Weiß- und Schwarzstorch, Uhu, Schreiadler oder Gänsegeier durch Stromtod gefährdet seien. Der NABU habe gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium eine Resolution vorbereitet, um das Problem künftig auch weltweit wirksam einzudämmen. "Die Maßnahmen, die wir in Deutschland mit der Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes verbindlich und vorbildlich festgeschrieben haben, müssen jetzt auch international aufgegriffen werden und zum Durchbruch bei diesem traurigen Thema führen", betonte Flasbarth.
Nach Erhebungen des NABU in mehreren Ländern Mittel- und Osteuropas gefährden hohe "Stromtod-Verluste" die Bestände von 26 Vogelarten. "Besonders auf Strommasten mit Stützisolatoren droht den Vögeln ein tödlicher Stromschlag", erklärte NABU-Vogelschutzexperte Markus Nipkow. Der NABU fordere, bei neuen Masten sichere Hängeisolatoren zu verwenden und alte Strommasten durch spezielle Abdeckhauben abzusichern. In einer Broschüre, die der NABU zusammen mit dem Umweltministerium herausgibt, sind die Ergebnisse der Studie und ein Maßnahmen-Katalog zusammengefasst.
Quelle/Text: NABU
Druckversion
Dienstag, 17. September 2002
Greenpeace-Kletterer steigen WestLB aufs Dach
"Clement und Sengera: Partner in Sachen Urwaldzerstörung"
Acht Greenpeace Aktivisten sind heute früh aus Protest gegen den umstrittenen Pipeline-Kredit der Westdeutschen Landesbank (WestLB) auf das 16-stöckige WestLB-Gebäude in Düsseldorf geklettert und haben an der Fassade ein 15 mal 10 Meter großes Banner entrollt. Es zeigt unter der Aufschrift "Clement und Sengera: Partner in Sachen Urwaldzerstörung" eine Fotomontage mit den Chefs der NRW-Landesregierung und der WestLB. Die beiden umarmen sich vor dem durch den Pipeline-Bau in Ecuador zerstörten Urwald. Zudem plakatieren Greenpeace-Aktivisten dieses Motiv heute in acht Städten Nordrhein-Westfalens. Greenpeace fordert die WestLB erneut auf, ihren Milliardenkredit für das Bauprojekt zurückzuziehen.
Ein neues Gutachten, das letzten Freitag in Düsseldorf veröffentlicht wurde, belegt, dass der Pipelinebau gegen die wichtigsten Umwelt- und Sozialstandards der Weltbank verstößt. Es widerlegt die Behauptung der WestLB, die Standards würden eingehalten. Da es sich bei dem Verstoß um eine Vertragsverletzung der Partnerfirmen handelt, kann die WestLB weitere Kreditraten stoppen und bereits gezahlte zurück fordern. Die Landesregierung (mit 43 Prozent Bankanteilen) sowie andere Anteilseigner der Landesbank, wie der Landschaftsverband Rheinland unter Leitung des CDU-Politikers Udo Molsberger, hatten die vertragliche Auszahlung des Milliardenkredits zuvor an die Einhaltung der Weltbank-Standards geknüpft.
"Das neue Gutachten macht den WestLB-Deal hinfällig", sagt Greenpeace-Waldexperte Martin Kaiser vor Ort in Düsseldorf. "Jetzt muss endlich Schluss sein mit dem unerträglichen und durchsichtigen Zeitspiel von Sengera und Clement auf Kosten der letzten Urwälder. Die Glaubwürdigkeit von Banken und Politik steht jetzt auf dem Spiel."
Die geplante Pipeline-Trasse soll mitten durch eines der fünf weltweit artenreichsten Waldgebiete mit 450 verschiedenen Vogelarten, darunter Kolibris und Tukane, führen. Auch der sich entwickelnde Ökotourismus in Ecuador hängt vom Erhalt des Urwalds ab. "Sengera, Clement und Molsberger erinnern an die sprichwörtlichen drei Affen", sagt Martin Kaiser. "Die drei wollen bis jetzt nicht sehen, hören und sagen, dass ihr Pipeline-Projekt nicht nur den Urwald zerstört, sondern auch die Verelendung der Bevölkerung zur Folge haben wird."
Quelle/Text: Greenpeace
Druckversion
Dienstag, 17. September 2002
"Daten zur Natur" 2002 belegen: Wanderfalke und Fischotter geht es wieder besser
Bundesumweltminister Jürgen Trittin und der Präsident des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) Prof. Dr. Hartmut Vogtmann haben heute in Bonn die neueste Ausgabe der "Daten zur Natur" vorgestellt. Auf über 200 Seiten werden der aktuelle Stand des Schutzes und der Nutzung der Natur in Deutschland analysiert, die vielfältigen Instrumente des Naturschutzes aufgezeigt und Handlungsfelder für die Zukunft erörtert.
Nach Ansicht von Bundesumweltminister Jürgen Trittin machen die "Daten zur Natur" deutlich, dass die Anstrengungen von Bund und Ländern in den letzten Jahren zu sichtbaren Erfolgen geführt haben, aber weiterhin eine Reihe von Gefährdungen für Natur und Landschaft bestehen. "Wanderfalke und Fischotter geht es wieder besser. Das zeigt, dass sich der Zustand ihrer Lebensräume, die auch unsere Umwelt sind, verbessert hat. Mit der im April dieses Jahres in Kraft getretenen Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes, mit der wir einen über 20 Jahre währenden Reformstau aufgelöst haben, werden wir die vorhandenen Gefährdungen für Fauna und Flora weiter zurückdrängen und eine Trendwende beim Schutz von Tieren, Pflanzen und ihren Lebensräumen herbeiführen. Über 80 Millionen Euro Bundesmittel flossen in mehr als 30 Naturschutzgroßprojekte. Rund 100 000 Hektar für den Naturschutz wertvolle Flächen des Bundes in den neuen Ländern wurden von der Privatisierung ausgenommen und können von Ländern und Naturschutzverbänden übernommen werden. Damit wird klar: Die Bewahrung des nationalen Naturerbes und die ökologische Modernisierung unseres Landes gehören für diese Bundesregierung zusammen", sagte Trittin.
"Die vom Bundesamt für Naturschutz vorgelegten ‚Daten zur Natur` unterstreichen den nach wie vor großen Handlungsbedarf zum Erhalt der biologischen Vielfalt", führte BfN-Präsident Hartmut Vogtmann aus. "Sie zeigen aber auch, dass fachlich ausgereifte und politisch flankierte Konzepte greifen. Negative Entwicklungstrends können gestoppt und sogar umgekehrt werden", so Vogtmann weiter.
Einige Beispiele, die stellvertretend für den Erfolg der Naturschutzmassnahmen von Bund und Ländern stehen:
Der Wanderfalke zählte 1984 in Deutschland zu den vom Aussterben bedrohten Arten. Nach dem Verwendungsverbot für chlorierte Kohlenwasserstoffe, darunter DDT, sowie aufgrund intensiver Schutzbemühungen und Auswilderungsmaßnahmen hat dieser Greifvogel in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Saarland wieder Bestandsdichten des Jahres 1950 erreicht.
Vor zehn Jahren war der Fischotter in Niedersachsen noch vom Aussterben bedroht. Dank wirksamer Schutzmassnahmen kommt er dort wieder in allen geeigneten Lebensräumen vor. Das Fischotterprogramm wurde nicht zuletzt durch eine Reihe von Naturschutzgroßprojekten sowie Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben des Bundesumweltministeriums und des Bundesamtes für Naturschutz maßgeblich unterstützt.
Durch die Verbesserung der Gewässerqualität und die Einrichtung neuer Fischaufstiegsanlagen hat sich die Fischfauna der oberen Elbe deutlich verbessert. So stieg die Zahl der Arten von 1993 bis 1999 von 19 auf 36 an. Die Auswirkungen des jüngsten Hochwassers sind allerdings noch nicht bekannt. Im Rhein können heute bis auf zwei alle früher verzeichneten Arten wieder nachgewiesen werden. Das jüngste Elbehochwasser hat gezeigt, dass vor allem bei der Verbesserung der Gewässerstruktur dringend Verbesserungen erforderlich sind. Den Flüssen ist künftig mehr Raum zu geben, um die Hochwasserfolgen besser zu bewältigen. Mit den beiden vom Bundesumweltministerium zu jeweils 75 Prozent geförderten Deichrückverlegungen von jeweils mehreren 100 Hektar an der Mittleren Elbe und am "Bösen Ort" bei Lenzen in Brandenburg werden Beispiele geschaffen, den Flüssen wieder eine ungestörte Überflutungsdynamik zurückzugeben und die Menschen besser vor Hochwasser zu schützen.
Trotz dieser Erfolge kann für die Gefährdungssituation von Arten und Lebensräumen insgesamt noch keine Entwarnung gegeben werden. Etwa ein Drittel (36 Prozent) der Tierarten ist bestandsgefährdet, 3 Prozent gelten als ausgestorben oder verschollen. Ähnlich ist die Situation bei den Pflanzen: 29 Prozent sind bestandsgefährdet, 4 Prozent ausgestorben oder verschollen. Deutlich wird der Handlungsbedarf bei den Lebensräumen: Von den in Deutschland existierenden rund 500 Biotoptypen werden über zwei Drittel als gefährdet eingestuft. Deshalb wurden mit der Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes wichtige Weichenstellungen vorgenommen und der Naturschutz aus dem Reservat geholt, um eine Trendwende herbeizuführen: Erstmals wurde u.a. die gute fachliche Praxis in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft definiert. Mindestens 10 Prozent der Landesfläche sollen künftig durch einen Biotopverbund geschützt werden. Der Meeresnaturschutz in der Ausschließlichen Wirtschaftszone wurde gestärkt.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Dienstag, 17. September 2002
Energiesparen: Wo Bargeld lacht
Ein BMU-Wegweiser führt durchs Förder-Dickicht
Eine Informationsbroschüre über Förderprogramme für Energiesparmassnahmen und erneuerbare Energien hat das Bundesumweltministerium in Zusammenarbeit mit dem BINE Informationsdienst herausgegeben. Rund 400 Förderprogramme der Europäischen Union, von Bund, Ländern, Kommunen und Energieversorgern werden vorgestellt. "Unser Ziel ist, den Bürgerinnen und Bürgern einen schnellen Überblick zu bieten, welche Fördermittel es gibt und wo diese beantragt werden können", so Bundesumweltminister Jürgen Trittin.
Klimaschutz ist nicht nur Sache der Regierung. Auch Wirtschaft, Verkehr und private Haushalte können einen entscheidenden Beitrag leisten. Und davon noch profitieren: Durch verbesserte Wärmedämmung und energiesparende Geräte lässt sich bares Geld sparen. Oft werden die Energieeinsparpotenziale mit der Begründung, sie seien zu teuer, nicht ausgenutzt - obwohl von verschiedensten Institutionen Milliarden Euro dafür bereitgestellt werden.
Die neue Broschüre "Geld vom Staat fürs Energiesparen" bringt Licht in den Förderdschungel. Sie basiert auf der Datenbank FISKUS des Informationsdienstes BINE (Bürgerinformation Neue Energien). Fördermaßnahmen der Europäischen Union und des Bundes werden ausführlich erläutert. Bei den Programmen von Ländern, Kommunen und Energieversorgern werden die jeweils angebotenen Programme und die Förderinstitutionen aufgeführt. Eine Förder-Hotline des BINE Informationsdienst bietet Privatpersonen unter der Telefonnummer 0228-9237914 kostenfrei umfassende Informationen bei Fragen zu Fördermöglichkeiten.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Montag, 16. September 2002
Nationalparke fördern die regionale Entwicklung
Jürgen Trittin und Simone Probst besuchen Senne-Gebiet
Naturschutz und Nationalparke können die ökonomische Entwicklung einer Region in erheblichem Umfang fördern. Darauf haben Bundesumweltminister Jürgen Trittin und die Parlamentarische Staatssekretärin im BMU, Simone Probst, beim Besuch des Senne-Gebietes in der Nähe von Paderborn hingewiesen. Mit der Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes ist endlich der rechtliche Rahmen für die Ausweisung des Senne-Gebietes als Nationalpark geschaffen worden. "Voraussetzung ist, dass die Schutzinteressen eines Nationalparks von der Bevölkerung akzeptiert und unterstützt werden," betonten Trittin und Probst.
Das Senne-Gebiet umfasst eine etwa 25.000 ha große Landschaft im Osten der Westfälischen Bucht mit Mooren, Heiden, naturnahen Fliessgewässern und Wäldern. In der Senne liegt auch ein rd. 11.000 ha großer Truppenübungsplatz der britischen Rheinarmee, der die gesamte Naturausstattung der alten Heidelandschaft Westfalens beherbergt.
Eine Untersuchung der Universität Passau belegt am Beispiel des Nationalparks Bayerischer Wald die wirtschaftliche Bedeutung eines solchen Schutzgebietes. Während in den Jahren 1985 bis 1992 das Tourismusaufkommen in Bayern um 20 Prozent gestiegen ist, verzeichneten die Nationalparkgemeinden einen Zuwachs von 67 Prozent. Seit der Nationalpark Bayerischer Wald 1982 eröffnet wurde, hat er jährlich über 200.000 Besucher verzeichnet. Der Landkreis Freyung verfügt über 8.000 Vollarbeitsplätze im Tourismus (bei 33.000 Beschäftigten insgesamt). Urlauber geben jährlich zweistellige Millionenbeträge für Glaseinkäufe aus.
Für die Ausweisung von Schutzgebieten wie Nationalparke sind ausschließlich die Länder zuständig. Der Bund hat die Rahmengesetzgebungskompetenz. Bundesumweltminister Trittin betonte, dass mit der Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes die Möglichkeiten erweitert wurden, Nationalparke auszuweisen. So können nun auch solche Gebiete, die sich erst noch in einen vom Menschen nicht oder wenig beeinflussten Zustand entwickeln müssen, als Nationalpark ausgewiesen werden. Der bereits bestehende oder zu erreichende Zustand eines Nationalparkgebietes soll den möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer ursprünglichen Dynamik gewährleisten.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Montag, 16. September 2002
Klimaschutz ist ohne Atomkraft möglich
Kohlendioxid-Emission in Deutschland kann bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent vermindert werden
Die Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid können in Deutschland bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 vermindert werden. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt heute vorgestellt haben. "Um dieses Ziel zu erreichen müssen die erneuerbaren Energien konsequent weiter ausgebaut und insgesamt die Energie zukünftig effizienter genutzt werden. Vor allem aber: Dieses Ziel ist ohne Atomkraft erreichbar", sagte Bundesumweltminister Jürgen Trittin.
Im Auftrag von Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt hat das Wuppertal Institut gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Stuttgart, Langfristszenarien für eine nachhaltige Energienutzung in Deutschland untersucht. Das entwickelte Nachhaltigkeits-Szenario bis 2050 stellt eine umfassende Grundlage für die Energiezukunft Deutschlands dar, die sowohl ökologischen als auch ökonomischen Kriterien gleichermaßen gerecht wird. Die Studie untermauert die anspruchsvollen Ziele der Energiewende für Deutschland, wie sie bereits in der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung formuliert sind. Danach soll zunächst der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch bis zum Jahr 2010 auf 12,5 Prozent verdoppelt und ihr Anteil am gesamten Energieverbrauch bis zum Jahr 2050 mindestens die Hälfte betragen.
"Die Quintessenz der Studie ist: Wir können in Deutschland Energie dauerhaft umweltgerecht nutzen und damit auch das Klima schützen. Es ist richtig und wichtig, den Anteil erneuerbarer Energien weiter zu steigern. Wir müssen aber auch beim Energiesparen und der effizienten Energienutzung mehr tun", betonte der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge. Die Studie fordert, dass der bevorstehende Ersatz veralteter Kraftwerke gezielt sowohl für die Erneuerbaren Energien als auch für eine deutliche Steigerung der Effizienz in der Energieumwandlung genutzt werden müsse. "Die gekoppelte Strom- und Wärmeerzeugung muss verstärkt zum Einsatz kommen, künftig auch in hocheffizienten Brennstoffzellen. Genau so wichtig ist es, mit der Energieeinsparung, insbesondere mit der Stromeinsparung, einen zusätzlichen und gleichrangigen Schwerpunkt in der Energiepolitik dauerhaft zu etablieren", sagte Trittin.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Montag, 16. September 2002
Altmann startet in Frankfurt (Oder) die sauberste Busflotte Deutschlands
Der Stadtverkehrsgesellschaft Frankfurt (Oder) (SVF) wurden heute die ersten 11 von insgesamt 22 erdgasbetriebenen Bussen des Herstellers MAN übergeben. Die Erneuerung der Busflotte in der Oderstadt ist Teil eines Pilotprojekts des Bundesumweltministeriums zur modellhaften Umsetzung von anspruchsvollen Umweltstandards im öffentlichen Nahverkehr, der mit rund 1 Million Euro gefördert wird. Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium Gila Altmann begrüßte das Umweltengagement der Frankfurter Verkehrsbetriebe. "Frankfurt (Oder) verfügt damit über die sauberste Busflotte Deutschlands. Das vergleichsweise kleine Verkehrsunternehmen zeigt hier den Grossen der Branche, wie eine ambitionierte Unternehmensstrategie zum Vorteil für die Umwelt und zugleich attraktiv für die Verbraucher umgesetzt werden kann", sagte die Parlamentarische Staatssekretärin.
Die Stadtverkehrsgesellschaft Frankfurt (Oder) stellt als erstes deutsches Verkehrsunternehmen die gesamte Busflotte auf schadstoff- und lärmarmen Erdgasantrieb um. Damit werden dann die anspruchvollsten europäischen Abgasstandards, die noch über die ab 2008 europaweit für neue Busse und LKW einzuhaltenden Normen hinausgehen, erfüllt. Auch die europäischen Grenzwerte für Lärm werden deutlich unterschritten. "Erdgasantrieb ist sauber, sicher und leise. Zugleich bereitet sich die Oderstadt mit der kompletten Fuhrparkumstellung optimal auf die Einhaltung der ab 2005 geltenden EU-Luftqualitätsstandards - insbesondere für Rußpartikel - vor", sagte Gila Altmann.
Die Unternehmensstrategie der SVF beschränkt sich aber nicht nur auf den Kauf neuer Busse. Von der Fernwärmeversorgung über die Mehrfachverwendung von Wasser in der Waschanlage bis zur Regenwassernutzung auf dem Betriebshof arbeitet die SVF nach einem einheitlichen Umweltkonzept. Das Unternehmen wurde daher vor wenigen Wochen im Rahmen eines bundesweiten Umweltrankings der ÖPNV-Unternehmen mit dem Innovationspreis des Bundesumweltministeriums ausgezeichnet und darf nun das Gütesiegel "Zitronenfalter", praktisch ein "Umweltengel" für Verkehrsunternehmen, nutzen.
Neben Frankfurt (Oder) sind auch der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg sowie die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) am Pilotprojekt des Bundesumweltministeriums beteiligt. Bis 2004 werden dafür insgesamt rund 2,8 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Sonntag, 15. September 2002
NABU begrüßt Ergebnisse der Flusskonferenz
Billen: "Notwendigkeit ökologischen Hochwasserschutzes wird allgemein anerkannt"
Der Naturschutzbund NABU hat die Ergebnisse der heutigen Flusskonferenz grundsätzlich begrüßt. "Die Notwendigkeit eines ökologischen Hochwasserschutzes zur Verhinderung künftiger Flutkatastrophen wird nach dem heutigen Tag wohl auch im Bundesverkehrsministerium niemand mehr bestreiten", sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Gerd Billen. Es sei ein Verdienst der Bundesregierung, an diesem Punkt die Initiative ergriffen und eine konzertierte Aktion von Bund, Ländern und Kommunen sowie den deutschen Nachbarn gestartet zu haben. "Das bisherig vorherrschende Kirchturmsdenken hat beim Hochwasserschutz in Europa viel Schaden angerichtet", so Billen.
Das Fünf-Punkte-Programm zum Hochwasserschutz, auf das sich die an der Flusskonferenz beteiligten Bundesministerien verständigt haben, enthalte nach Auffassung des NABU viele richtige Ansätze. Dazu gehörten vor allem die Rück- und Neugewinnung natürlicher Überschwemmungsflächen und der Verzicht auf neue Siedlungs- und Gewerbeflächen in Überschwemmungsgebieten. "Auch die Umwandlung von Acker- in Grünland ist spätestens nach dem jüngsten Massenfischsterben an der Havel eine überfällige Konsequenz", sagte der NABU-Bundesgeschäftsführer.
Als besonders erfreulich bewertete Billen den Verzicht auf den von der bayerischen Landesregierung geforderten Staustufenausbau an der Donau zwischen Straubing und Vilshofen. Auch die Ankündigung, den geplanten Ausbau der Elbe noch einmal komplett auf den Prüfstand zu stellen, finde die Zustimmung des NABU. "Die verordnete Denkpause wird auch bei den bisherigen Befürwortern zu der Erkenntnis führen, dass ein Ausbau der Unteren Mittelelbe ökologischer und ökonomischer Blödsinn ist", so Billen. Der NABU-Bundesgeschäftsführer forderte Bund, Länder und Kommunen auf, die heute formulierten Vorhaben zügig und konsequent in politisches Handeln umzusetzen.
Quelle/Text: NABU
Druckversion
Samstag, 14. September 2002
Trittin: Schnappauf redet Blech
Bundesumweltminister Trittin weist Kritik mit Nachdruck zurück
Zu Äußerungen des bayerischen Umweltministers Schnappauf in einem dpa-Gespräch "Union will auch mit FDP Vereinbarung über Mehrweg durchsetzen" erklärt Bundesumweltminister Jürgen Trittin:
Die bayerische Landesregierung hat sich einer zeitgemäßen Novellierung der Verpackungsverordnung verweigert. Bayern hat sich im Bundesrat gegen die von der Bundesregierung beschlossenen und vom Bundestag gebilligten neuen Verpackungsverordnung gestellt. Die Union hat das geltende Recht selber geschaffen. Dieses Recht setzt die Bundesregierung um. Es ist absurd, wenn Schnappauf behauptet, dieser Weg führt ins Verpackungschaos. Die Ablehnung der Verpackungsnovelle durch Bayern im Sommer 2001 zeigt: Der bayerischen Landesregierung sind die Interessen des Mittelstandes, der mittelständischen Brauereien egal, wenn der Druck der Einweglobby groß genug ist.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Samstag, 14. September 2002
Trittin: Wertvolle Alleen schützen und erhalten
"Markenzeichen für den Nordosten Deutschlands"
Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat heute gemeinsam mit dem Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Wolfgang Methling, Alleebäume bei Schwerin gepflanzt. Die Aktion ist Teil der Kampagne "Deutsche Alleen -- durch nichts zu ersetzen". Das Bundesumweltministerium wirbt unter diesem Motto gemeinsam mit der Alleenschutzgemeinschaft e. V. bundesweit Unterstützer für den Erhalt von Alleen. "Unsere Alleen sind etwas Besonderes. Im Nordosten Deutschlands sind sie ein Markenzeichen geworden, das in den 60er und 70er Jahren in Westdeutschland leichtfertig aufgegeben wurde", sagte Trittin.
Die Bäume am Straßenrand sind jedoch besonderen Gefahren und Belastungen ausgesetzt - vom Streusalz im Winter bis zu Bauarbeiten im Sommer. Die Bundesregierung hat mit der Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes im April diesen Jahres die Alleen ausdrücklich unter besonderen Schutz gestellt. "Nach diesem wichtigen Schritt wollen wir mit der Kampagne noch mehr bewegen und aktive Fans und Unterstützer gewinnen. Das ist uns überraschend schnell gelungen", sagte Bundesumweltminister Jürgen Trittin.
Deshalb können nun, nur vier Wochen seit Start der Aktion, mit den ersten Spendengeldern bereits entlang der Bundesstraße B 104 nördlich von Schwerin zwei Lücken in einer Obstbaumalle geschlossen werden. "Diese Nachpflanzaktion demonstriert, dass geschlossene Baumreihen auf lange Sicht nur durch aktive Pflege und durch das Auffüllen von Lücken erhalten werden können", betonte der Bundesumweltminister. Die Baumreihen sind nicht nur schön und touristische Anziehungspunkte. Sie erfüllen auch wichtige ökologische Funktionen, etwa in dem sie Pflanzen und Tieren einen geeigneten Lebensraum bieten. Darüber hinaus helfen sie, Naturräume miteinander zu vernetzen. "Geschlossene Baumreihen entlang von Straßen erlauben kleinen Säugetieren, Vögeln und Insekten, sonst voneinander isolierte Lebensräume zu erreichen. Und ermöglichen so den lebenswichtigen genetischen Austausch", erläuterte Trittin.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Freitag, 13. September 2002
Alleenschutz: Ministerien im Widerspruch
Bundesumweltminister Jürgen Trittin führt in diesen Wochen eine Symphatiekampagne für den besseren Schutz von Alleen in Deutschland durch, die morgen in einer symbolhaften Baumpflanzung in Mecklenburg gipfelt. Auf der anderen Seite gibt Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig die Baumriesen zum Abschuss frei.
Der Hintergrund: Im Bundesverkehrsministerium befinden sich die von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) erarbeiteten "Empfehlungen zum Schutz vor Unfällen mit Aufprall auf Bäume" (ESAB) kurz vor der Verabschiedung. Das Ministerium hält trotz massiver Proteste an diesem Regelwerk fest, das ein Nach- und Neupflanzen von Alleebäumen entlang von Landstraßen praktisch unmöglich macht.
Auch die neueste überarbeitete Fassung der ESAB, die ROBIN WOOD in Auszügen vorliegt, beinhaltet immer noch, dass Bäume zu entfernen sind, wenn sie in sogenannten auffälligen - meist unfallträchtigen - Bereichen stehen. An Ort und Stelle wird es in lückigen Alleen nicht zu Ergänzungspflanzungen kommen. Neue Bäume dürfen nur in großer Entfernung vom Straßenrand, hinter Schutzplanken oder an nebenrangigen Wirtschaftswegen gepflanzt werden. "Dass nicht die Bäume mit einer rasenden Geschwindigkeit über die Landstraßen fahren, sondern die Autos scheint sich im Ministerium noch nicht rumgesprochen zu haben", kritisiert ROBIN WOOD Verkehrsexpertin Steffi Barisch. "Im Gegenteil, das Regelwerk vermerkt explizit, dass es nicht vertretbar ist, die zulässige Höchstgeschwindigkeit abzusenken, um dadurch Bäume in geringerem Abstand neu zu pflanzen."
Während sich Bundesumweltminister Trittin wahlkampferfahren mit grünen Alleen umgibt, werden vom Bundesverkehrsminister Bodewig Fakten geschaffen. Doch auch Trittin muss seine Hausaufgaben machen, seinen Handlungsspielraum ausschöpfen und bei seinem Amtskollegen eine Alleenschutzpolitik durchsetzen. Schon jetzt ist in den Kommunen eine sehr verhaltene Pflanzpraxis zu beobachten. In mehreren Landkreisen in Brandenburg gingen die Nachpflanzungen in den letzten Monaten dramatisch zurück, zum Teil gegen Null. Denn auch dort weiß man, was bei Bodewig auf dem Schreibtisch zur Entscheidung liegt. In vorauseilendem Gehorsam wartet man ab, was es demnächst vom Verkehrsminister für Neuregelungen gibt.
"ROBIN WOOD fordert das Bundesverkehrsministerium auf, das "Alleenauslaufprogramm" ESAB endlich zu stoppen. Es muss ein engagiertes Alleenschutzprogramm entworfen werden, dass für alle Ausführenden in Ländern und Gemeinden den Erhalt und die Neupflanzung von Straßenbäumen möglich macht", so Barisch.
Quelle/Text: Robin Wood e.V.
Druckversion
Freitag, 13. September 2002
Grüne: EnBW Atomkraftwerk Obrigheim wird rechtzeitig vom Netz gehen
MdL Winfried Kretschmann: Wahlkampfgetöse und Wunschdenken der EnBW
Als Wahlkampfgetöse und Wunschdenken des EnBW-Pressesprechers hat der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag Winfried Kretschmann die Auffassung von Klaus Wertel kommentiert, wonach es eine Verlängerung der Laufzeit für das Atomkraftwerk Obrigheim geben wird. "Die Tage von Obrigheim sind aus meiner Sicht gezählt. Gesetze" - so Kretschmann - "gelten auch für die EnBW."
Ein Blick in das von der Rot-Grünen Bundesregierung durchgesetzte Atomausstiegsgesetz hätte genügt, um Herrn Wertel deutlich zu machen, dass ein solches Vorhaben keine Chance hat. Zwar ist eine Übertragung von Strommengen von älteren auf jüngere Anlagen durchaus möglich. Der umgekehrte Fall - die Übertragung von Strommengen von jüngeren Anlagen wie beispielsweise GKN II auf Altanlagen wie Obrigheim ist aber nur dann möglich, wenn das Bundesumweltministerium im Einvernehmen mit dem Bundeskanzleramt und dem Bundeswirtschaftsministerium der Übertragung zustimmt. Kretschmann: "Es gibt keinerlei Gründe, warum ein grüner Bundesumweltminister diesem besonders problematischen Reaktor die Laufzeit verlängern soll, und es ist von der EnBW entgegen anders lautenden Behauptungen bislang kein Antrag vorgelegt worden. Es handelt sich lediglich um den Versuch, eine Debatte hochziehen, die keinerlei Substanz hat und als pures Wahlmanöver zu betrachten ist. Mit einer rot-grünen Bundesregierung wird so oder so aus der Atomenergie ausgestiegen. Dies ist beschlossene Sache und mit der Energiewirtschaft vereinbarter Konsens."
Statt krampfhaft an dem Uraltreaktor festzuhalten wäre der Region mehr geholfen, wenn die EnBW endlich gemeinsam mit der CDU/FDP-Landesregierung ein Konzept für die Zukunft des Energieerzeugungsstandorts Obrigheim entwickeln würde. Angesichts der rasant wachsenden Bedeutung der regenerativen Energiequellen und dem Interesse der Mannheimer MVV, in Obrigheim ein Unternehmen zur Fertigung von Solarmodulen zu errichten, bestünde aus Sicht der Grünen im Landtag eine große Chance darin, Obrigheim zu einem Zentrum für die Entwicklung und Fertigung regenerativen Energietechniken auszubauen.
Quelle/Text: Bündnis 90/Grüne im Landtag BW
Druckversion
Freitag, 13. September 2002
Seehund-Seuche breitet sich weiter aus
Die seit Anfang Mai dieses Jahres zunächst in Dänemark, später auch in Schweden, Norwegen und in den Niederlanden grassierende Seehund-Seuche, die Ende Juli auch Deutschland erreichte (vgl. BMU-Pressemitteilung 175/02 vom 30.07.2002), breitet sich weiter aus und hat jetzt nahezu alle Anrainerstaaten der Nordsee und das Kattegatt erfasst. Schätzungsweise mehr als 10 000 Seehunde, davon über 2000 an der deutschen Nordseeküste, fielen ihr bislang zum Opfer. Vor Beginn der Epidemie wurde der Bestand in der Nordsee auf rund 30 000 Tiere, im Wattenmeer auf rund 20 000 Tiere geschätzt.
Nach Einschätzung von Bundesumweltminister Jürgen Trittin ist nicht mehr auszuschließen, dass die Seehund-Seuche ein vergleichbares Ausmaß erreicht wie 1988, als mehr als die Hälfte aller Tiere in der Nordsee verendeten. "Die Hoffnung, dass der vor Ausbruch der Seuche von Fachleuten als gut bezeichnete Allgemeinzustand der Seehunde dazu führen würde, dass dem Staupe-Virus pdv jetzt weniger Tiere zum Opfer fallen, scheint sich nicht zu erfüllen. Trotz der seit den 80er Jahren deutlich verbesserten Lebensbedingungen für die Seehunde, die für eine große und gesunde Population gesorgt haben, ist bereits ein Drittel der Gesamtpopulation der Nordsee verendet", sagte Jürgen Trittin.
Die zuständigen Behörden der Bundesländer hatten unmittelbar nach dem Übergreifen der Seuche auf deutsche Gewässer Sofortmassnahmen, u.a. zur Überwachung der Küste sowie zur unverzüglichen Bergung möglicher weiterer toter Tiere, ergriffen. Bereits nach den ersten Meldungen aus Dänemark wurden Notfallpläne erarbeitet. Akute Gefahren für Mensch und Umwelt bestehen nach wie vor nicht. Auf den Menschen ist das Staupevirus nicht übertragbar. Hunde und möglicherweise auch Katzen können zwar infiziert werden, erkranken aber nicht. Jedoch sollte zu toten oder erkrankten Seehunden Abstand gehalten und die Fundstelle umgehend den zuständigen Behörden gemeldet werden.
Nach Auffassung der Mehrzahl der Wissenschaftler hat das Auftreten der Seehund-Epidemie natürliche Ursachen und ist Bestandteil des Naturgeschehens. Vorbeugende Impfungen oder eine medikamentöse Behandlung erkrankter Tiere sind nicht möglich. Die Erfahrungen von 1988 zeigen aber, dass sich die Population nach Abklingen der Epidemie rasch wieder erholt. Leider sei es so, dass offenbar nur noch sehr wenige Seehunde über entsprechende Abwehrkörper gegen das Staupevirus verfügen. "Für eine endgültige Einschätzung zu den Ursachen und möglichen begünstigenden Faktoren ist es meiner Ansicht nach noch zu früh. Dazu sollte der Verlauf der Seuche zunächst von Fachleuten weiter beobachtet und diskutiert werden. Sind für nähere Untersuchungen Forschungsprojekte notwendig, sollten sie - auch international - koordiniert werden", sagte Trittin.
Auch auf internationaler Ebene wurden das Auftreten der Seehund-Seuche und ihre Folgen bereits thematisiert. Im Rahmen der trilateralen Wattenmeerkooperation und des seit 1991 zwischen den Wattenmeerstaaten Deutschland, Dänemark und den Niederlanden bestehenden Seehund-Abkommens hat bereits am 6. Juni dieses Jahres ein Expertentreffen stattgefunden, um den Umgang mit erkrankten Seehunden, erforderliche wissenschaftliche Untersuchungen sowie mögliche Auswirkungen auf den "Seehund-Management-Plan" zu erörtern. Entsprechende Vorschläge wurden der trilateralen Wattenmeerkooperation vorgelegt.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Freitag, 13. September 2002
LKW und Busse können leiser und kraftstoffsparender fahren
Umweltbundesamt ließ gängige lärmarme und kraftstoffsparende Reifen testen und veröffentlicht Ergebnisse im Internet
Die Reifen sind bei Lastkraftwagen und Bussen mitentscheidend für die Lärmentwicklung dieser Fahrzeuge. Zudem unterscheiden sich Reifen auch deutlich im Rollwiderstand. Im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) hat das Reifen/Räder-Test-Center der TÜV Automotive GmbH 32 marktrelevante Reifentypen verschiedener Hersteller getestet. Die Ergebnisse sind im Internet unter der Adresse http://www.umweltbundesamt.de veröffentlicht. Es zeigte sich: Die ab August 2003 verbindlichen Geräuschvorschriften für die Genehmigung von neuen Reifentypen werden bereits heute deutlich unterboten. Fachleute sind sich außerdem einig: Reifen mit optimiertem Rollwiderstand können im Lkw-Güterverkehr pro Fahrzeug den Kraftstoffverbrauch je nach Streckenprofil, Geschwindigkeitsniveau sowie Windverhältnissen zwischen vier und zwölf Prozent vermindern.
An 32 aktuellen und marktrelevanten Reifentypen verschiedener Hersteller wurden nach den gültigen Vorschriften und Normen in vier gängigen Reifendimensionen für LKW und Busse Abrollgeräusch, Rollwiderstand und Nassbremsverhalten sowohl an Lenkachs- als auch an Antriebsachsreifen ermittelt. Lediglich beim Nassbremsverhalten war es notwendig, verschiedene Messmethoden anzuwenden, somit sind diese Messwerte jeweils nur innerhalb einer Reifendimension vergleichbar. Es ergaben sich keine signifikanten Zielkonflikte mit dem für den Kraftstoffverbrauch wichtigen Rollwiderstand sowie dem Nassbremsverhalten.
Die Messungen erfolgten an jeweils einem Prüfmuster ohne Berücksichtigung von qualitativen Schwankungen in der Serienproduktion. Eine statistische Auswertung
der exemplarisch ermittelten Resultate oder eine generelle Qualitätsaussage ist daher mit diesen Ergebnissen nicht möglich. Innerhalb einer Reifenklasse haben sich Unterschiede beim Abrollgeräusch bis zu 3 dB(A) und beim Rollwiderstand bis zu 25 Prozent ergeben.
Der Präsident des UBA, Prof. Dr. Andreas Troge, sagte zu den Ergebnissen der Tests: „Die Geräuschgrenzwerte für die LKW- und Busreifen sollten möglichst rasch gesenkt werden. Das sorgt für eine geringere Lärmbelastung der Bevölkerung und ist technisch ohne weiteres machbar. Außerdem ist eine Kennzeichnung aller neuen Reifen mit den Werten für Abrollgeräusch und Rollwiderstand als wichtige Käuferinformation notwendig. Nicht zuletzt sollten auch Betreiber von Nutzfahrzeugen und Fahrzeughersteller bei der Beschaffung von Reifen auf möglichst umweltschonende Reifeneigenschaften achten – zumal es bei den getesteten Reifen keine signifikanten Einschränkungen beim Nassbremsverhalten gibt.“
Die Übersicht der Testergebnisse sowie die Liste der Messwerte ist im Internet unter: http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-daten/daten/nutzfahrzeugreifen.htm. veröffentlicht.
Quelle/Text: Umweltbundesamt
Druckversion
Freitag, 13. September 2002
Umweltverbände: Nationale Flusskonferenz muss Aktionsprogramm für Wiederherstellung lebendiger Flüsse anstoßen
Umbau der Bundeswasserstraßenverwaltung gefordert
Die Umweltverbände BUND, Greenpeace, NABU und WWF erwarten von der nationalen Flusskonferenz am kommenden Sonntag das eindeutige Signal für die umgehende Erarbeitung eines verbindlichen Aktionsprogramms für die Wiederherstellung lebendiger Flüsse. Ziel von Bund und Ländern müsse es sein, eine gemeinsame Strategie für einen ökologischen Hochwasserschutz und die Wiederherstellung natürlicher Überschwemmungsgebiete und Feuchtbiotope zu entwickeln und konsequent umzusetzen. Um die Gefahr von zerstörerischen Hochwassern zu verringern, müsse zudem der Klimaschutz forciert werden.
Angelika Zahrnt, Bundesvorsitzende des BUND: „Die katastrophalen Hochwasserereignisse an Elbe und Donau haben drastisch gezeigt, dass ein grundsätzliches Umdenken in der Flusspolitik und im Hochwasserschutz notwendig ist. Ohne konsequentes Umsteuern in der Fluss- und Siedlungspolitik sowie der Land- und Forstwirtschaft drohen bei der klimatisch bedingten Zunahme von Wetterextremen weitere Überschwemmungskatastrophen.“
Nach Auffassung der Umweltverbände muss der Hochwasserschutz an einem Leitbild für lebendige, naturnahe Flüsse ausgerichtet werden.
Prof. Dr. Emil Dister, Leiter des WWF-Auen-Instituts: „Nur eine naturnahe, dynamische Flusslandschaft mit großflächigen Auen kann Wasser speichern und das Risiko von Flutkatastrophen deutlich vermindern. Vorbeugender Hochwasserschutz heißt daher vor allem, den Flüssen endlich wieder mehr Raum zu geben und die natürliche Flussdynamik wiederherzustellen.”
Um die nationale Aufgabe des Umbaus der Flüsse zu bewältigen, müsse die Wasserwirtschaft in Deutschland neu geordnet werden, die durch eine Zersplitterung der Zuständigkeiten zwischen Bund, Ländern und Kommunen gekennzeichnet sei.
Gerd Billen, NABU-Bundesgeschäftsführer: „Bundesverkehrsminister Bodewig muss den Ausbau und die Instandsetzungsarbeiten im Bereich der Unteren Mittelelbe endgültig stoppen. Dies ist auch ein Glaubwürdigkeitstest für die Bundesregierung.”
Nach Auffassung der Umweltverbände muss das Bundeswasserstraßengesetz umgehend novelliert und dabei ökologischen Erfordernissen Vorrang gegeben werden. Von zentraler Bedeutung sei dabei die Umwandlung der Bundeswasserstraßenverwaltung in eine Bundesflussagentur, die auf den Schutz von Mensch und Natur verpflichtet werden müsse, anstatt Flüsse in Wasserstraßen zu deformieren.
Stefan Schurig, Leiter des Energie- und Klimabereichs bei Greenpeace: „Wer die Ursachen von zerstörerischen Hochwassern spürbar bekämpfen will, muss neben Konzepten zur Flussregenerierung auch dem Klimaschutz höchste Priorität einräumen. Die gegenwärtigen CO2 Einsparziele der Bundesregierung sind da nur der Anfang. Gerade im Verkehrsbereich und bei der Stromerzeugung können riesige Mengen schädlicher Treibhausgase eingespart werden.“
BUND, Greenpeace NABU und WWF fordern zudem, das Bauen in hochwassergefährdeten Bereichen generell zu verbieten und Ausgleichsflächen für bereits bebaute Flächen zu schaffen. Dringenden Handlungsbedarf sehen die Umweltverbände auch in der Siedlungspolitik sowie in der Land- und Forstwirtschaft. Eine immer stärkere Flächenversiegelung durch Gebäude und Verkehrswege sowie eine zunehmende Verdichtung der Böden durch intensive Landwirtschaft bewirke eine deutliche Verschlechterung der Aufnahmefähigkeit für Niederschläge.
Quelle/Text: BUND e.V.
Druckversion
Donnerstag, 12. September 2002
Greenpeace-Widerspruch gegen Castor-Transport nach Gorleben
Gegen den bisher größten Castor-Transport nach Gorleben Anfang November legt Greenpeace heute Widerspruch ein beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Der Grund: Offensichtlich hat die Behörde in Salzgitter selbst neue Zweifel an der Sicherheit des Castor-Lagers. Sie kündigte am Montag an, neben den geplanten zwölf dezentralen Zwischenlagern für hochradioaktiven Müll bei den Atomkraftwerken nun auch erstmals die zentralen Zwischenlager im niedersächsischen Gorleben (Niedersachsen) und in Ahaus (Nordrhein-Westfalen) auf die Risiken durch einen Flugzeugabsturz zu überprüfen.
"Wer A sagt, muss auch B sagen. Wenn jetzt selbst die Genehmigungsbehörde Zweifel an der Sicherheit der Castor-Scheune in Gorleben hegt, darf dort kein weiterer Castor-Behälter mehr eingelagert werden", fordert Greenpeace-Atomexperte Mathias Edler.
Noch in diesem Herbst sollen zwölf Castorbehälter mit hochradioaktivem Abfall aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague nach Gorleben rollen. Bisher stehen 19 Castoren in einer üblichen Industriehalle, die keine zusätzliche Schutzfunktion gegen Einwirkung von Außen bietet.
Quelle/Text: Greenpeace
Druckversion
Donnerstag, 12. September 2002
BMU: Ausbau der erneuerbaren Energien konsequent fortsetzen
Der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Rainer Baake, sieht durch die Beschlüsse auf dem Weltgipfel in Johannesburg den Kurs der Bundesregierung bestätigt, den Ausbau der erneuerbaren Energien massiv voranzubringen. Bei der Eröffnung des 13. Internationalen Sonnenforums in Berlin betonte Baake, dass Deutschland zu seinem in Johannesburg vertretenen Ziel stehe, den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2010 um mindestens 2 Prozentpunkte zu erhöhen. Rainer Baake: "Der Ausbau der erneuerbaren Energien kommt nicht nur dem Klima zugute, sondern dient auch der Wirtschaft und schafft Arbeitsplätze. Das haben wir mit der von Rot-Grün eingeleiteten Energiewende eindrucksvoll bewiesen. Wie wichtig vorsorgender Klimaschutz ist, ökologisch und ökonomisch, hat uns die Hochwasserkatastrophe drastisch vor Augen geführt."
Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil der erneuerbaren Energien bei der Primärenergie von 2,1 Prozent im Jahr 2000 auf 4,2 Prozent 2010 zu verdoppeln. Bei der Stromproduktion soll der Anteil von 6,25 Prozent (2000) auf 12,5 Prozent (2010) erhöht werden.
Nach aktuellen Berechnungen des Bundesumweltministeriums haben die erneuerbaren Energien in Deutschland im vergangenen Jahr bereits rund 44 Millionen Tonnen CO2 eingespart. Die Bedeutung für den Klimaschutz lässt sich an folgender Rechnung demonstrieren: Im Durchschnitt werden in Deutschland derzeit jährlich pro Person rund 10 Tonnen des Klimagases CO2 freigesetzt. Erneuerbare Energien haben damit im Jahr 2001 mehr CO2 eingespart, als die Bewohner Berlins in einem Jahr verursachen.
Gleichzeitig kurbelt der Einsatz der erneuerbaren Energien die Wirtschaft an: Um 20 Prozent ist der Gesamtumsatz dieser Branche allein von 2000 auf 2001 gewachsen, und zwar auf rund 8,2 Mrd. Euro. Die einzelnen Sparten haben dabei folgende Anteile (gerundet): Windenergie: 3,3 Mrd. Euro (40%), Biomasse 2,4 Mrd. Euro (29 %), Wasserkraft und Solarenergie je 1,2 Mrd. Euro (jeweils 14,5 %) und Geothermie 0,15 Mrd. Euro (2 %).
Auch die Zahl der Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien ist deutlich gestiegen. Derzeit sind etwa 130.000 Menschen in diesem zukunftsträchtigen Wirtschaftszweig beschäftigt. Diese Zahl umfasst direkte und indirekte Arbeitsplätze, d.h. einschließlich vorgelagerter Produktionsketten, Planung, Wartung etc. Allein im Bereich der Windkraft gibt es rund 40.000 Arbeitsplätze, im Bereich der Biomasse ca. 50.000 und bei der Solarenergie (Strom und Wärme) rund 18.000.
Staatssekretär Rainer Baake: "Neben der energetischen Nutzung von Windkraft, Wasserkraft und Biomasse muss es gelingen, auch die direkte Nutzung der Sonnenenergie kräftig voranzubringen - weiterhin mit zweistelligen jährlichen Zuwachsraten".
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Mittwoch, 11. September 2002
Bundesregierung für weltweiten Schutz der Urwälder
Trittin: "Erhalt der Urwälder ist lebenswichtig"
Zum Schutz der Urwälder der Erde unterstützt die Bundesregierung gegenwärtig über 300 bilaterale Projekte in mehr als 60 Ländern der Welt. Dies geht aus einer Antwort auf eine Grosse Anfrage der CDU/CSU-Fraktion zur Zerstörung der Urwälder und dem Verlust der Artenvielfalt hervor, die das Bundeskabinett heute beschlossen hat. "Wir stellen dafür jährlich rund 125 Millionen Euro zur Verfügung. Denn für uns und nachfolgende Generationen ist der Erhalt der Urwälder und ihrer vielfältigen Ökosysteme lebenswichtig", sagte Bundesumweltminister Jürgen Trittin.
Die Zerstörung der Urwälder schreitet in vielen Ländern immer noch fort. Der Bundesumweltminister hat sich deshalb im April auf der diesjährigen Vertragsstaatenkonferenz des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt dafür eingesetzt, dass die Staatengemeinschaft den Erhalt dieser Ökosysteme als vordringliche Aufgabe begreift. In der Folge haben die Staats- und Regierungschefs der Welt auf dem Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung in Johannesburg vor wenigen Tagen unzweideutig dazu aufgerufen, zum Schutz der Artenvielfalt in Wäldern das entsprechende Arbeitsprogramm der Biodiversitäts-Konvention umzusetzen und bei der Bewirtschaftung von Wäldern die Nachhaltigkeit zum Prinzip zu erheben.
Mit aktiver deutscher Beteiligung wurde in Johannesburg eine internationale Initiative zum Schutz der Regenwälder im Kongobecken gestartet. "Der Einsatz für effektive Schutzgebiete und der Kampf gegen den illegalen Holzeinschlag werden auch in diesem Teil der Welt weiterhin eine wichtige Rolle spielen", betonte Trittin.
"Es kommt jetzt insbesondere darauf an, weltweit zu einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung zu gelangen", so der Bundesumweltminister weiter. Deshalb setzt die Bundesregierung besonders ihre Initiativen fort, um die freiwillige Zertifizierung für Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung voranzutreiben. "Auch die öffentliche Hand trägt dabei ihren Teil der Verantwortung, wenn sie als Kunde auftritt. Deshalb sollten öffentliche Beschaffungsstellen Produkte aus Urwäldern nur noch dann verwenden, wenn sie den Anforderungen des weltweit anerkannten Forest Stewardship Council entsprechen und mit dem FSC-Siegel ausgezeichnet sind", sagte Bundesumweltminister Jürgen Trittin.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Mittwoch, 11. September 2002
GERMANWATCH: BASF Klimasünder des Monats
Chemieriese blockiert Klimaschutzregulierung in Europa
Die BASF ist heute zum Klimasünder des Monats September ernannt worden. Seit August 2002 zeichnet GERMANWATCH mit diesem Titel Unternehmen, Länder oder Einzelpersonen aus, die den Klimaschutz in Europa massgeblich blockieren.
"Die BASF hat den Widerstand der deutschen Industrie gegen den europaweiten Emissionshandel fast im Alleingang organisiert," begründet Christoph Bals, Leiter der Klimaschutz-Abteilung bei GERMANWATCH, die Wahl des Chemieriesen. "Der Emissionshandel ist ein grundlegendes Instrument, um die europäischen Klimaschutzziele zu erreichen wie sie im Kyotoprotokoll festgehalten sind." so Bals weiter. "Ohne ein europaweites Emissionshandelsregime wird es Europa schwer haben, seine Ziele umzusetzen. Wenn statt des Emissionshandels jetzt eine Selbstverpflichtung der Branche zum Klimaschutz in Kraft tritt, werden dadurch Trittbrettfahrer belohnt und nicht die Vorreiter im Klimaschutz."
Nach Angaben von GERMANWATCH hat die BASF bis zu ihrem Austritt Anfang des Jahres monatelang die Arbeit der deutschen Arbeitsgemeinschaft Emissionshandel blockiert. Der Konzern habe den Verband der Chemischen Industrie (VCI) gegen den Protest anderer Chemieunternehmen als Instrument gegen den Emissionshandel eingesetzt. Ebenso habe der Multi den Widerstand gegen den Emissionshandel im BDI organisiert. Durch persönliche Vorsprache im Wirtschaftsministerium, im Kanzleramt wie auch in Brüssel habe die BASF systematisch versucht, die Klimaschutzpolitik hinsichtlich des Emissionshandels negativ zu beeinflussen. So stünde dieses Auftreten im Widerspruch zu den positiven Ansätzen, die die BASF in Teilen der Produktentwicklung sowie in der Nachhaltigkeitsberichterstattung zeige.
Im Dow Jones Sustainability Index rangiert die BASF derzeit als Nachhaltigkeits-Leader. Beim Klimaschutz jedoch versuche der Konzern, so GERMANWATCH, rechtlich verbindliche Reduktionsziele für die großen CO2-Erzeuger abzublocken. ""Zeit zu handeln". Damit hat sich die BASF im Vorfeld des Gipfels für nachhaltige Entwicklung in Großanzeigen beworben. Gleichzeitig hat sie gehandelt - gegen eine notwendige Rahmensetzung für den Klimaschutz in Europa", resümiert Bals das Ergebnis seiner Beobachtungen.
Quelle/Text: Germanwatch
Druckversion
Mittwoch, 11. September 2002
NABU: Pflichtpfand kommt zum Jahresbeginn
Das Urteil des Düsseldorfer Verwaltungsgerichtes zur Aufhebung des Dosenpfandes in NRW wird nach Einschätzung des NABU keine Auswirkungen auf die Einführung der Pfandpflicht haben. Zum einen beziehe sich die Gerichtsentscheidung lediglich auf NRW, zum anderen sei mit einer Aufhebung des Urteils durch höherrangige Gerichte zu rechnen. "Schließlich wurde die vom Düsseldorfer Gericht angezweifelte Rechtsgrundlage der Pfandregelung bereits im Februar vom Oberverwaltungsgericht in Berlin ausdrücklich bestätigt", sagte NABU-Präsident Jochen Flasbarth.
Ab Januar 2003 werden die Einwegverpackungen für Bier, Mineralwasser und Erfrischungsgetränke bundesweit mit einem Pflichtpfand von 25 Cent belegt. "Die Abfüller werden nicht für Nordrhein-Westfalen codierte Pfand-Dosen herstellen und für den Rest der Republik die alten Dosen", so Flasbarth. Eine Trennung in Pfand- und Einweg-Dosen quer durch die Republik würde nicht nur zur Verunsicherung der Verbraucher führen, sondern wäre auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten paradox.
Nach Einschätzung des NABU werde die Industrie am Ende gezwungen sein, ein Pflichtpfand in allen Bundesländern einzuführen, um in eigenem Interesse einen Flickenteppich an Regelungen zu verhindern. "Statt die Gerichte mit einer Prozessflut zu lähmen, sollten sich die beschwerdeführenden Getränkeunternehmen und
Einzelhandelsgesellschaften an die geltende Verordnung halten und die notwendigen Schritte zur Umsetzung des Pflichtpfandes einleiten", sagte Flasbarth.
Quelle/Text: NABU
Druckversion
Dienstag, 10. September 2002
Bundestagskandidaten im Nachhaltigkeitstest
Nichtregierungsorganisationen stellen Umfrageergebnis zur
Außenwirtschaftsförderung vor
Mit der Flut an der Elbe und dem Nachhaltigkeitsgipfel in Johannesburg hat das Thema Umwelt in der Öffentlichkeit wieder Oberwasser gewonnen. Nichtregierungsorganisationen wollten wissen, inwieweit Politiker bereit sind, auch in der Wirtschaftsförderung konkret ökologische Belange zu berücksichtigen. Sie führten bundesweit eine Umfrage unter den Bundestagskandidaten durch, um zu erfahren, ob sie sich künftig für mehr Transparenz, Umwelt- und Sozialstandards sowie Ausschlusskriterien bei Hermesbürgschaften, Investitionsgarantien und staatlichen Exportkrediten einsetzen werden. Die Ergebnisse liegen nun vor. „Zwar entdecken gerade alle Politiker ihr Herz für den Umweltschutz“, erklärt Swaantje Fock von der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald, „unsere Umfrage zeigt jedoch, dass diese Begeisterung schnell vorbei ist, wenn es an Wirtschaftsthemen geht.“
165 Kandidaten der fünf im Bundestag vertretenen Parteien antworteten und belegen deutliche Unterschiede in Programmatik und eigenständiger Meinung. Vor allem in der SPD gehen die Ansichten zwischen Basis und Parteiführung auseinander: Die SPD-Spitze bekräftigt, mit den Hermes-Leitlinien von 2001 sei bereits alles Erforderliche erreicht, während die sozialdemokratische Basis weiteren Handlungsbedarf sieht, um etwa durch mehr Transparenz künftig Fehlentscheidungen und Konflikte zu verhindern. Die Grünen, obwohl sie die Hermes-Leitlinien mitgetragen haben, sehen deutlich die Schwächen der bestehenden Regelung. Sie versprechen weitere Reformaktivitäten, sollten sie an der kommenden Regierung wieder beteiligt sein. „Die Antworten der Koalitionspartner zeigen, dass die Hermesleitlinien auch intern als unzureichend bewertet werden. Nachbesserungen sind dringend nötig“, erklärt Heike Drillisch von der Entwicklungsorganisation WEED. Diese Kritik vertrat in der letzten Legislaturperiode besonders die PDS, die dementsprechend die Forderungen der NRO umfassend unterstützt. Kandidaten der CDU und FDP antworteten mehrheitlich mit je einem gleichlautenden Standardbrief. Sie zeigen nur eingeschränkten Reformwillen und betonen, dass Außenwirtschaftsförderung primär ein Instrument zur Förderung der deutschen Exportindustrie sei und bleiben müsse, weshalb sie eine starke Integration von Umwelt- und Sozialaspekten ablehnen. „Dass Transparenz, Umwelt- und Sozialstandards ein wirksamer Garant und Schutz vor Fehlentscheidungen sein können, scheint in den Köpfen von CDU- und FDP-Kandidaten noch nicht angekommen zu sein“, bewertet Regine Richter von urgewald diese Aussagen.
Schon in der Vergangenheit sorgten Hermesbürgschaften, zuständig für die Absicherung deutscher Exporte gegen wirtschaftliche und politische Risiken in Entwicklungs- und Schwellenländern, innerhalb und zwischen den Parteien für Auseinandersetzungen. So übte die SPD zu Kohls Ära noch harsche Kritik an der Vergabepraxis und verurteilte staatliche Rückendeckung für den umstrittenen Drei-Schluchten-Staudamm in China. Kaum an die Regierungsmacht gekommen, wandelten die Sozialdemokraten ihren Sinn und vergaben selbst Bürgschaften für das Projekt, obwohl sich inzwischen viele der Befürchtungen bewahrheitet hatten. Hermes-Unterstützung für einen Atomkraftwerksneubau in China, vom grünen Außenminister abgesegnet, bescherte diesem heftige Schelte aus den eigenen Reihen. Und zwischen den rot-grünen Koalitionspartnern sorgte die Reform der Hermesbürgschaften für diverse Auseinandersetzungen, bei denen der kleinere Partner schließlich unterlag, so dass im April 2001 die wenig verbindlichen neuen Hermes-Leitlinien verabschiedet wurden. Hier schließt sich der Kreis, denn die Leitlinien veranlassten wiederum die CDU zu der Kritik, diese würden die Bürgschaftsvergabe unnötig verkomplizieren, da schon vorher verantwortliche Prüfungen der abzusichernden Projekte stattgefunden hätten. „Diese Prüfungen haben jedoch unter der Kohlregierung weder die ersten Bürgschaften für den Drei-Schluchten-Damm, noch für andere umstrittene Großstaudämme, Atomkraftwerke und Rüstungsexporte verhindert“, wertet Heike Drillisch diese Aussage. „Nachdem es auch in der SPD eine Strömung gibt, die sich für eine weitere Hermesreform einsetzen will, verspricht das Thema Hermesbürgschaften auch in der kommenden Legislaturperiode für einige Auseinandersetzungen gut zu sein, sei es in einer weiteren rot-grünen Koalition, oder durch eine kritische Opposition“, wagt Regine Richter einen Ausblick.
Quelle/Text: Urgewald
Druckversion
Dienstag, 10. September 2002
Schnelle höchstrichterliche Entscheidung über Dosenpfand notwendig
Der Fraktionsvorsitzende Rezzo Schlauch erklärt:
Die Entscheidung des Düsseldorfer Verwaltungsgericht wirft Fragen auf. Das Berliner Oberverwaltungsgericht - weit entfernt von den Standorten der Weißblechindustrie und den Großbrauereien in NRW - hat in Sachen Dosenpfand bereits anders entschieden. Wichtig ist, dass es jetzt schnell zu einer höchstrichterlichen Entscheidung kommt und beide Streitparteien einer Sprungrevision zustimmen.
Ich bin fest davon überzeugt, dass dabei die Rechtmäßigkeit des umwelt- und wirtschaftspolitisch wichtigen Gesetzes bestätigt werden wird. Es zeigt sich wieder, dass die Beschäftigten der mittelständischen Bierbrauer und der mittelständischen Mineralwasserbrunnen die Politik der rot-grünen Bundesregierung dringend brauchen. Ihre Arbeitsplätze dürfen nicht den Interessen der Großindustrie und der Dosenhersteller geopfert werden.
Quelle/Text: Bündnis 90/Grüne
Druckversion
Dienstag, 10. September 2002
Einzelhandel: Zwangspfand endgültig vom Tisch
Das Düsseldorfer Verwaltungsgericht hat heute entschieden, die von der Bundesregierung für den 1. Januar 2003 beschlossene Einführung des Zwangspfands zu stoppen. Dazu erklärte jetzt in Berlin der Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hermann Franzen:
Mit großer Genugtuung nimmt der Einzelhandel zur Kenntnis, dass das Verwaltungsgericht Düsseldorf zum Ende der Legislaturperiode dem Pfandspuk ein Ende gesetzt hat. Mit der Entscheidung der Düsseldorfer Richter ist das von der Bundesregierung geplante Zwangspfand auf Einweggetränkeverpackungen endgültig vom Tisch. Es ist nicht vorstellbar, dass das Pflichtpfand in allen übrigen Bundesländern eingeführt wird, aber nicht in Nordrhein-Westfalen. Der HDE sieht sich durch das Urteil in seiner Kritik am Zwangspfand bestätigt, für das es keine Rechtsgrundlage gibt, das umweltpolitisch kontraproduktiv wäre und für den Handel unverantwortliche Kosten hervorrufen würde. Der Handel ist zuversichtlich, dass es nach der Bundestagswahl jetzt rasch zu einer ökologisch und ökonomisch zukunftsweisenden Reform der Verpackungsverordnung kommt.
Quelle/Text: HDE
Druckversion
Dienstag, 10. September 2002
Trittin: "Es bleibt bei der Pfandpflicht zum 1. Januar"
Die heute veröffentlichte Entscheidung des Verwaltungsgerichts Düsseldorf setzt die bundesweite Pfandpflicht auf Einweg-Getränkeverpackungen nicht außer Kraft. Es bleibt bei der beschlossenen Einführung des Dosenpfands zum 1. Januar 2003. Das Urteil hat nur Auswirkungen auf Nordrhein-Westfalen. Bundesumweltminister Jürgen Trittin unterstützt die Ankündigung des beklagten Landes NRW, gegen das Urteil Sprungrevision beim Bundesverwaltungsgericht zu beantragen. Die von den Düsseldorfer Richtern bezweifelte Rechtsgrundlage war vom Oberwaltungsgericht Berlin geprüft und bestätigt worden.
Das Verwaltungsgericht Düsseldorf bezweifelt die Rechtmäßigkeit der von der Regierung Kohl 1991 erlassenen und 1998 veränderten Verpackungsverordnung. Die Verordnungsermächtigung im Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz reiche nicht, um ein Pflichtpfand zur Stabilisierung von Mehrweganteilen einzuführen.
Die Bundesregierung teilt diese Auffassung nicht. Die Rechtmäßigkeit des Auslösens der Pfandpflicht und gerade auch die Frage der Ermächtigungsgrundlage wurden vorher bereits mehrfach gerichtlich geprüft, u.a. auch vom - höherrangigen - OVG Berlin. Die Gerichte hatten u.a. auch die Ermächtigungsgrundlage geprüft und bestätigt.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Montag, 9. September 2002
NABU: Fischsterben an Unterer Havel hält unvermindert an
Billen: Maßnahmen der Bundesländer Brandenburg und Sachsen-Anhalt unzureichend
Der Naturschutzbund NABU hat mitgeteilt, dass das Fischsterben an der Unteren Havel unvermindert anhält. Mittlerweile seien nach Schätzung des Verbandes rund zehn Millionen Fische verendet. Große Teile der Unteren Havel und des Gülper Sees seien "biologisch tot". "Obgleich das Land Brandenburg am vergangenen Freitag erste Maßnahmen zur Verbesserung der Flusswasserqualität ergriffen hat, suppt weiterhin schwarze, stinkende Brühe aus den Überflutungspoldern in die Havel", sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Gerd Billen. Der NABU fordert deshalb, dass die Polder unverzüglich geschlossen werden. "Es ist völlig unverständlich, warum Brandenburg und Sachsen-Anhalt nicht unverzüglich die Polder durch einfaches Schließen von Wehren dicht machen", so Billen weiter.
Auch müssten die beiden Landesregierungen das Abpumpen der landwirtschaftlichen Nutzflächen solange untersagen, bis eindeutig geklärt sei, dass von diesem Wasser keine zusätzlichen Gefahren für die Untere Havel ausgingen. Nach Informationen des NABU sollen die Pumpen noch in dieser Woche wieder in Betrieb genommen werden. "Wenn dieses Wasser jetzt einfach in den Gülper See gepumpt wird, droht diesem Gewässer das endgültige Aus", so Billen.
Nach Auffassung des NABU müssen jetzt unverzüglich auch Sanierungsmaßnahmen in die Wege geleitet werden, damit sich die Fischbestände und das Ökosystem in diesen international bedeutenden Schutzgebieten wieder möglichst schnell erholen. Dafür sollten die beiden Bundesländer auf Mittel zurückgreifen, die jetzt für die Bekämpfung der Hochwasserschäden zur Verfügung gestellt werden. Dringend erforderlich sei auch eine Änderung der Landnutzung in den Flutungspoldern. "In diesen Bereichen hat Ackerbau einfach nichts zu suchen", betonte der NABU-Geschäftsführer: "Wenn die Auen dauerhaft für den Hochwasserschutz gebraucht werden, dann darf hier nur extensiv genutztes Grünland bewirtschaftet werden."
Quelle/Text: NABU
Druckversion
Montag, 9. September 2002
NABU für Stufenplan beim Ausbau der Offshore-Windenergie
Flasbarth: Genehmigungen dürfen nicht übers Knie gebrochen werden
Der Naturschutzbund NABU hat die Bundesregierung aufgefordert, sich beim Ausbau der Offshore-Windenergienutzung an den von ihr versprochenen Stufenplan zu halten. Dieser sieht zunächst eine Ausweisung von Meeresschutzgebieten vor, die als Tabuzonen für die Windenergienutzung gelten sollen. "Wir beobachten mit Sorge, dass das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie die Genehmigung des Windparks Butendiek unabhängig von der geplanten Vorgehensweise vorantreibt ", sagte NABU-Präsident Jochen Flasbarth. Gerade Butendiek habe eine besondere Brisanz, weil der Windpark ausgerechnet in einem für den Vogelschutz wertvollen Bereich errichtet werden soll, der zur Ausweisung als Meeresschutzgebiet anstehe. Eine Genehmigung zu diesem Zeitpunkt sei daher für den NABU nicht akzeptabel. Es müsse vielmehr zunächst zügig die Ausweisung der Schutzgebiete vorgenommen werden.
Flasbarth stellte klar, dass sich der NABU aus Klimaschutzgründen eindeutig für die Offshore-Windenergienutzung in der Nordsee ausspreche. Wenn man jedoch nachhaltig Klimaschutz betreiben wolle, müssten gleichzeitig wertvolle Naturräume erhalten bleiben. Deshalb sei es falsch, Genehmigungen jetzt übers Knie zu brechen. "Die Nordsee ist groß und bietet genügend Platz sowohl für Windparks als auch für geschützte Räume", so Flasbarth. Nach Ausweisung der Schutzgebiete könnten auf den verbleibenden Flächen mehr als genügend naturschutzfachlich geeignete Windparkstandorte ermittelt werden. "Wer trotzdem darauf beharrt, im Schutzgebiet zu bauen, handelt umweltpolitisch falsch", so Flasbarth.
Quelle/Text: NABU
Druckversion
Montag, 9. September 2002
BUND: Atomkraftwerke sind potenzielle Terrorziele
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert, dass ein Jahr nach den Terroranschlägen in den USA die Bedrohungslage für deutsche Atomkraftwerke noch immer nicht umfassend analysiert sei. Zwar habe Bundesumweltminister Jürgen Trittin der zuständigen Reaktorsicherheitskommission damals einen entsprechenden Prüfauftrag erteilt, aber ein Ergebnis sei bis heute nicht veröffentlicht. Der BUND fordert, die Atomkraftwerke wegen ihrer unkalkulierbaren Risiken sofort abzuschalten und durch ungefährliche Energiequellen zu ersetzen.
Insbesondere die ältesten Atomkraftwerke Obrigheim, Stade, Biblis A, Brunsbüttel und Philippsburg Eins seien nicht gegen Flugzeugabstürze ausgelegt. Sie könnten bestenfalls dem Absturz eines leichten und langsam fliegenden Sportflugzeuges standhalten.
Renate Backhaus, Atomexpertin im BUND-Bundesvorstand: "Der Zwischenbericht der Reaktorsicherheitskommission vom Oktober 2001 hat bestätigt: Kein deutsches Atomkraftwerk ist gegen Flugzeugabstürze ausreichend gesichert. Beim Crash eines Passagierflugzeuges auf eine Atomanlage ist die massive Freisetzung radioaktiver Stoffe wahrscheinlich. Wir fordern deshalb von Bundesumweltminister Trittin, die Atomkraftwerke sofort vom Netz zu nehmen." BUND-Atomexperte Professor Klaus Traube: "Wenn ein großes Verkehrsflugzeug auf ein Atomkraftwerk abstürzt ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein katastrophales Versagen der Sicherheitssysteme und die Freisetzung riesiger Mengen an Radioaktivität die Folge. Bei einem deutschen Atomkraftwerk wäre die Katastrophe wegen der weit höheren Besiedlungsdichte noch verheerender als die Katastrophe von Tschernobyl - viele Millionen Menschen müssten aus weiten Gebieten Deutschlands auf Dauer evakuiert werden. Diese Gefahr sieht jeder Fachmann. Die Reaktorsicherheitskommission muss nun endlich der Öffentlichkeit ungeschminkt über die Wirkung solcher Flugzeugabstürze berichten. Die politische Konsequenz wäre klar: Atomkraftwerke gehören abgeschaltet."
Quelle/Text: BUND e.V.
Druckversion
Montag, 9. September 2002
Naturschutzexperten tagen in Tecklenburg
Zehn Jahre "Life"-Programm der Europäischen Kommission
Naturschutzexperten aus Lettland, Österreich, Deutschland, der Slowakei und von der Europäischen Kommission treffen sich vom 10. bis 12. September in Tecklenburg. Auf Einladung des Bundesumweltministeriums kommen rund 120 Experten aus Naturschutzverwaltungen, von Verbänden und Planungsbüros zu einem Gedankenaustausch über das europäische Naturschutz-Finanzierungsprogramm "Life" zusammen.
Das Finanzierungsinstrument "Life" wurde 1992 zur Unterstützung der Umweltpolitik der Europäischen Gemeinschaft beschlossen. Es zielt nicht nur auf die Förderung von Naturschutzprojekten ("Life-Natur") und die Unterstützung von Projekten in weiteren umweltrelevanten Bereichen ("Life-Umwelt") sondern auch auf Vorhaben außerhalb der EU und in Nicht-Beitrittsländern. Im Rahmen des Teilprogramms "Life-Natur" werden auch Finanzmittel für Naturschutzprojekte in Deutschland bereit gestellt. Ziel dieser Vorhaben ist die Erhaltung oder Wiederherstellung natürlicher Lebensräume und der Schutz wildlebender Tiere und Pflanzen. Damit soll ein Beitrag zur Umsetzung der Europäischen Vogelschutz- und Naturschutzrichtlinien geleistet werden.
Seit 1992 wurden in der Bundesrepublik Deutschland in fast allen Bundesländern insgesamt 51 Naturschutzprojekte mit einer finanziellen Unterstützung durch die Europäische Kommission durchgeführt. Bei Gesamtkosten von 95,49 Millionen Euro betrug der Anteil der Förderung durch die EU insgesamt 52,2 Millionen. Euro. Bereits abgeschlossen sind 29 Vorhaben, 22 Projekte befinden sich zur Zeit noch in der Realisierung. Darunter etwa in der Düsterdiecker Niederung in der Nähe von Tecklenburg, am Dümmer bei Vechta und entlang der nordrhein-westfälischen Ems im Einzugsbereich von Münster. Diese Projekte sind für den Naturschutz in der Bundesrepublik Deutschland und über die Grenzen hinaus von beispielhaftem Charakter. Sie sollen anlässlich der Tagung in Vorträgen und im Zuge von Exkursionen vorgestellt werden.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Montag, 9. September 2002
Bundesumweltministerium hilft Tschechien beim Wiederaufbau zerstörter Messstationen an der Elbe
Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat der tschechischen Regierung finanzielle Hilfe beim Wiederaufbau zweier Messstationen zugesagt, die durch das Hochwasser der Elbe im August zerstört worden waren. Die Bundesregierung sei bereit, sich anteilig mit einem nicht rückzahlbaren Investitionskostenszuschuss an der Finanzierung zu beteiligen, teilte Trittin seinem tschechischen Kollegen Libor Ambrozek mit.
Der tschechische Umweltminister hatte beim Besuch Trittins in dem Chemiewerk Spolana Neratovice am 20. August darauf hingewiesen, dass für den raschen Wiederaufbau zerstörter Gewässergüte-Messstationen und Laboreinrichtungen finanzielle Hilfe benötigt werde. Weitere Sondierungen ergaben, dass entsprechende Unterstützung insbesondere für die Wiederherstellung der Messstationen Obristvi (Elbe) und Zelcin (Moldau) sowie für das Zentrallabor in Prag erforderlich ist. Diese Anlagen sind in das international abgestimmte Mess- und Überwachungsprogramm der Internationalen Kommission zum Schutz der Elbe (IKSE) eingebunden und insofern auch aus deutscher Sicht von hoher Bedeutung.
Die Kosten für die Wiederherstellung der Messstationen und des Zentrallabors werden nach ersten Angaben des Prager Umweltministeriums auf rund 1,4 Millionen Euro veranschlagt. Bundesumweltminister Jürgen Trittin erklärte, er sei bereit, sich zu einem maßgeblichen Anteil an den Kosten aus dem BMU-Programm "Investitionen zur Verminderung von grenzüberschreitenden Umweltbelastungen" zu beteiligen. Die Höhe des Betrags und weitere Einzelheiten werden in Kürze in einem gesonderten Ressortabkommen zwischen dem deutschen und dem tschechischen Umweltministerium festgelegt.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Montag, 9. September 2002
Umweltministerium: Klimaschutzziel bleibt erreichbar
Emissionen im ersten Halbjahr 2002 weiter rückläufig
Zu einem Bericht in der heutigen Ausgabe der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) erklärt der Sprecher des Bundesumweltministeriums, Michael Schrören:
Das deutsche Klimaschutzziel, die Kohlendioxidemissionen bis 2005 um ein Viertel im Vergleich zu 1990 zu senken, ist weiterhin erreichbar. Dazu bedarf es der konsequenten Umsetzung der Maßnahmen, die im anspruchsvollen Klimaschutzprogramm der Bundesregierung vom 18.10.2000 beschlossen wurden. Dies geschieht derzeit. Wir kommen mit der Umsetzung des Klimaschutzprogramms gut voran. Dies zeigt sich auch daran, dass die Bundesregierung von ihrer (im Rahmen des Kyoto-Protokolls eingegangenen) völkerrechtlichen Verpflichtung, den Ausstoß der Treibhausgasemissionen bis 2012 um 21% gegenüber 1990 zu verringern, bereits mehr als 19 % erfüllt hat (1998 waren erst 15,5 Prozent erreicht!)
Die von der FAS als "neu" bezeichneten Zahlen über einen leichten Anstieg des CO2-Ausstoßes in den beiden zurückliegenden Jahren sind seit Februar 2001 und Februar 2002 bekannt und veröffentlicht -- für jedermann nachzulesen in den entsprechenden Wochenberichten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Auch den emsigen Rechercheuren der FAS hätte dies mit etwas mehr Sorgfalt und etwas weniger Wahlkampflaune nicht verborgen bleiben können, statt sich auf einen Jahresbericht des UBA zu berufen, dessen Veröffentlichung mit diesen alten Zahlen nichts zu tun hat.
Fakt ist: Die DIW-Zahlen für 2000 und 2001 markieren keineswegs eine Trendwende, sondern zeigen lediglich bekannte Schwankungen in der ansonsten stetig nach unten weisenden Kurve der CO2-Emissionen in Deutschland. Dies wird im übrigen durch jüngste Zahlen unterstrichen: Im ersten Halbjahr 2002 ging der Primärenergieverbrauch um 3 % zurück, die CO2-Emissionen sanken um 2,5%. Hält dieser Trend in der zweiten Jahreshälfte an, wird sich die CO2-Minderungsbilanz (2000: minus 15,4%) entsprechend weiter verbessern.
Quelle/Text: BMU
Druckversion
Montag, 9. September 2002
Dominikanischen Republik: Regierung gestattet illegalen Delfinfang im Nationalpark für Delfinarium
Wie erst jetzt bekannt wurde, haben die Betreiber des weltweit als Horror-Delfinarium berüchtigten "Manati-Parks" (Punta Cana, Dominikanische Republik) bereits im Juli acht Delfine im Nationalpark "Parque National del Este" gefangen. Der Fang von weiteren zehn Delfinen soll nach Informationen der Gesellschaft zur Rettung der Delfine (GRD) und der Deutschen Umwelthilfe (DUH) geplant sein. "Besonders skandalös ist, dass eine alte und ungültige Genehmigung aus 1995 benutzt wurde und das Umweltministerium dem tatenlos zusah. Dabei ist der Fang von Delfinen im Nationalpark gesetzlich verboten", erklärt Ulrike Kirsch, Kampagnenleiterin der GRD.
Das Delfinarium "Manati-Park" sieht sich seit Jahren wegen seiner völlig katastrophalen Haltungsbedingenen und seines hohen Tierverbrauchs heftigster internationaler Proteste ausgesetzt. Auf Initiative der GRD hin haben bereits alle großen deutschen Reiseveranstalter wie TUI, Thomas Cook und die REWE-Gruppe (LTU/LTI) den Kartenverkauf für den Park sowohl von Deutschland aus als auch in ihren Ressorts in Punta Cana eingestellt. "Das hatte empfindliche Umsatzeinbußen zur Folge", erläutert Jörg Dürr-Pucher, Bundesgeschäftsführer der DUH.
Die GRD appelliert angesichts des neuen Skandals erneut an alle DomRep-Urlauber, dem Park fernzubleiben. "Es ist jetzt aber auch an der Zeit, dass die Touristikunternehmen mit der Regierung Klartext reden, sie sollten ihre wirtschaftliche Macht noch stärker ausspielen, damit die schier endlose Delfinquälerei in der nur scheinbar paradiesischen Feriendestination Dominikanische Republik endlich beendet wird", fordert Ulrike Kirsch.
Im "Manati-Park" werden zeitweise bis zu sieben Delfine in winzigen Betonbecken gehalten, die noch nicht einmal die Größe eines Schwimmbeckens haben. Täglich gibt es zwei Shows und drei Schwimmprogramme für Besucher, die immerhin 70 US-Dollar hinblättern, um etwa sechs Minuten mit einem echten Delfin zu verbringen. An die 200 Besucher steigen in der Hauptsaison an jedem Tag der Woche in das stark chlorierte Wasser und bescheren den Betreibern allein damit 14.000 US-Dollar täglich.
Unklar ist noch, wo die gefangenen Delfine sich derzeit aufhalten. Im "Manati-Park" selbst ist für sie kein Platz. "Vielleicht wollen die Betreiber in den internationalen Delfinhandel einsteigen, nachdem die Einnahmen aus dem Touristengeschäft gesunken sind", vermutet Ulrike Kirsch. "Auf dem Weltmarkt kostet ein Delfin bis zu 20.000 $".
Quelle/Text: Deutsche Umwelthilfe
Druckversion
Freitag, 6. September 2002
NABU und WWF fordern mehr Reformbereitschaft der Länder in der Agrarpolitik
Große Koalition der Bedenkenträger schadet Umwelt und Landwirtschaft
Anlässlich der Agrarministerkonferenz von Bund und Ländern haben der Naturschutzbund NABU und die Umweltstiftung WWF Deutschland an die Länder appelliert, die Vorschläge der EU-Kommission zur Reform der Agrarpolitik als wichtige Chance zu nutzen. "Die derzeitige große Koalition bürokratischer Bedenkenträger schadet dem Umwelt- und Verbraucherschutz und gefährdet damit die gesellschaftliche Akzeptanz der Landwirtschaft" sagte NABU-Agrarreferent Florian Schöne. NABU und WWF erwarten, dass Bund und Länder mit konstruktiven Vorschlägen zur Umsetzung der Empfehlungen von EU-Agrarkommissar Fischler beitragen. Im Vordergrund stehe dabei, verbindliche Umweltstandards für alle EU-Staaten zu verankern. Ferner sei die Umschichtung der Agrarsubventionen zu Gunsten der Umwelt und des Tier- und Verbraucherschutzes sowie der ländlichen Räume zügig umzusetzen.
Vor diesem Hintergrund kritisierten NABU und WWF besonders die Forderung der ostdeutschen Bundesländer sowie Baden-Württembergs nach einer Aussetzung der so genannten Modulation, mit der Deutschland bereits ab 2003 Subventionen in die ländliche Entwicklung umschichten möchte. "Es ist ein Rückfall in die Kleinstaaterei, wenn sich einige Länder von dem Bundesrats-Beschluss verabschieden", sagte WWF-Agrarreferentin Imke Lübbeke. Die Umlenkung der Agrarsubventionen sei für eine umweltgerechte Landwirtschaft und für die Eröffnung neuer Perspektiven im ländlichen Raum gerade in Ostdeutschland dringend erforderlich. "Solange eine Entscheidung auf EU-Ebene noch nicht getroffen ist, muss in jedem Fall am bundesdeutschen Modell festgehalten werden", so NABU und WWF abschließend.
Quelle/Text: NABU
Druckversion
Freitag, 6. September 2002
NABU: Dramatisches Fischsterben an der Havel
Billen: Falsches Hochwassermanagement kostet 2 Millionen Fische das Leben
Zu einem dramatischen Fischsterben an der Unteren Havel haben ein fehlerhaftes Hochwassermanagement und die falsche Rücksichtnahme auf die Interessen weniger Agrarunternehmen geführt. Nach Schätzungen des NABU sind in den letzten Tagen in der Havel unterhalb von Rathenow mindestens 2 Million Fische und zahlreiche andere Wasserorganismen an Sauerstoffmangel verendet. "Die Katastrophe wurde durch Schlamm und große Mengen sauerstofffreien Wassers ausgelöst, die aus den überfluteten Poldern zu schnell wieder in die Havel zurückgeleitet wurden", sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Gerd Billen.
Nach Ansicht des NABU ist die Überflutung von Poldern an der Unteren Havel nicht sachgerecht erfolgt. Um einen schnellen Ablauf des Wassers von landwirtschaftlichen Flächen nach der Flutung zu ermöglichen, wurden im Interesse einiger Agrargroßbetriebe die vollgelaufenen Überflutungspolder zu schnell in die Havel zurückgeleitet. Mit dem Wasser schwemmten großen Mengen Nährstoffe und Schlamm in die Havel und ihre kleinen Nebenflüsse. "An der Havel und ihrem Nebenfluss Dosse stinkt es wie in einer Kanalisation. Schwefelwasserstoff und andere Giftstoffe verpesten das Wasser", so Billen.
Es könne zehn Jahre dauern, bis sich der ehemalige Fischreichtum dieser Gewässer wieder einstellt. "Viele ortsansässige Fischer sind in ihrer Existenz bedroht", sagte Billen. Es sei höchste Zeit, dass die natürlichen Überflutungsflächen an der Havel wieder ohne Flutungspolder funktionieren könnten. "In Überschwemmungsflächen sollte Ackerbau grundsätzlich nicht betrieben werden", so der NABU-Bundesgeschäftsführer.
Als Sofortmaßnahme zur Verbesserung der Wasserqualität müsse der Abfluss des belasteten Wassers aus den Poldern sofort gestoppt und der Zufluss sauerstoffreichen Wassers aus dem Havel-Oberlauf erhöht werden. Auch müsse mit der falschen Rücksichtnahme auf wenige Agrarbetriebe endlich Schluss sein, so Billen: "Der ökologische und volkswirtschaftliche Schaden beträgt ein Vielfaches von dem, was agrarindustriell hier erzeugt wird."
Quelle/Text: NABU
Druckversion
Mittwoch, 4. September 2002
6 Jahre Elbe Erklärung: Schiffe und Geld umlenken
Am 6. Jahrestag der so genannten Elbe Erklärung fordern die Umweltorganisationen BUND, NABU und WWF das Bundesverkehrsministerium auf, sich von allen Plänen zum Elbausbau endgültig zu verabschieden. Die vorläufige Entscheidung der Umweltminister für ein Moratorium sei ein richtiges Signal.
Die bisher vorgesehenen Maßnahmen wie die Erneuerung zahlreicher Buhnen seien an der Grenze zum Neubau und verletzten den Geist der vor sechs Jahren getroffenen Vereinbarung. Der weitere Ausbau der Elbe wäre nicht nur ökologisch schädlich, sondern zudem eine gigantische Geldverschwendung, betonten die Verbände. "Angesichts der aktuellen Hochwasserschäden ist das Geld sehr viel besser für die Repa-ratur der zerstörten Brücken, Straßen und Schienen angelegt", so Prof. Dr. Emil Dister, Leiter des WWF-Auen-Instituts.
"Alle Fakten liegen längst auf dem Tisch und nach den jüngsten Ereignissen darf keine Zeit mehr mit überflüssigen Prüfungen vertrödelt werden. Jetzt gilt es, die getroffenen Vereinbarungen unverzüglich umzusetzen", mahnte NABU-Präsident Jochen Flasbarth. Vor sechs Jahren hat sich das Bundesverkehrs-ministerium mit den Umweltorganisationen BUND, Euronatur, NABU und WWF auf die so genannte Elbe Erklärung geeinigt. Ziel der Vereinbarung ist es, den Schiffsverkehr schwerpunktmäßig auf vorhandene Kanäle umzuleiten. Damit die Elbe in Zukunft vor weiteren wasserbaulichen Eingriffen verschont bleibt, kamen die Naturschützer und der damalige Bundesverkehrsminister Matthias Wissmann überein, vorhandene künstliche Wasserstraßen, also den Elbe-Seiten Kanal und die Oststrecke des Mittellandkanals, auszubauen. Ziel ist es, möglichst den gesamten Verkehr zwischen Hamburg und Magdeburg bzw. Berlin über diese Kanäle abzuwickeln. Dazu wurde u.a. bei Magdeburg eine gigantischer Kanal über die Elbe gebaut. Das mehr als zwei Milliarden teure Bauwerk soll Mitte September geflutet werden. "Leider hatte bereits Minister Wissmann den Geist der Elbe-Erklärung missachtet und die anderen Ausbaumaßnahmen entlang des Flusses nicht gestoppt", betonte der BUND.
Wie vorausschauend und richtig die Elbe-Erklärung gewesen sei, werde durch die jüngsten Ereignisse eindrücklich bestätigt. Die Naturschützer appellierten an Verkehrsminister Kurt Bodewig die von seinem Vorgänger eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen. In der Elbe Erklärung sei z.B. ein Gesamtkonzept für Ausbau und Erhalt der Elbe vorgesehen, das ökologische Gesichtspunkte berücksichtigt. "Auf dieses Konzept warten wir schon lange", bemängelten die Umweltverbände. Auch von der zugesagten Unterstützung bei der großflächigen Renaturierung entlang der Elbe durch das Verkehrsministerium sei bislang wenig zu spüren. Die Untere Havel sei während des Elbe-Hochwassers zum Symbol des vorsorgenden Hochwasserschutzes geworden. Die in der Elbe-Erklärung vereinbarte Renaturierung der Unteren Havel sei eine wichtige Voraussetzung für die Erschließung weiterer Gebiete für den vorsorgenden Hochwasserschutz. "Es ist völlig unverständlich, dass das Verkehrsministerium bis 2008 mit der Renaturierung warten will", so NABU-Präsident Flasbarth.
Quelle/Text: NABU
Druckversion
Mittwoch, 4. September 2002
NABU bewertet Gipfelergebnisse als absolut unangemessen
Der Naturschutzbund NABU hat eine ernüchternde Bilanz zum Abschluss der Beratungen auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg gezogen. "Es ist viel Papier beschrieben worden, aber bei den meisten der drängenden globalen Probleme ist viel zu wenig Substanz herausgekommen", sagte NABU-Präsident Jochen Flasbarth. Statt einen energieschen Schritt zu einer zukunftsfähigen Gestaltung der Welt zu gehen, habe der Johannesburg-Gipfel sich ganz überwiegend damit befasst, Rückschritte zu verhindern.
Positiv ist nach Auffassung des NABU vor allem die Einigung auf das Ziel, die Zahl der Menschen, die heute keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu sanitären Anlagen haben bis 2015 zu halbieren. "Hier ist einem Schlüsselbereich sowohl der globalen Umweltpolitik als auch der Armutsbekämpfung ein wichtiges Ziel vereinbart worden", so Flasbarth. Als völlig unzureichend wertete der NABU-Präsident dagegen die Vereinbarungen zum Schutz der biologischen Vielfalt: "Was in Johannesburg beschlossen wurde, wird das dramatische Artensterben nicht um ein Jota verändern."
Desaströs sei das Scheitern einer klaren Strategie für den Ausbau der erneuerbaren Energien, wie es vor allem von der EU gefordert worden sei. "Es bleibt die bittere Erkenntnis, dass gegen die Fundamentalopposition der USA und der OPEC-Staaten der dringend notwendige Ausbau der erneuerbaren Energien nicht durchgesetzt werden kann", so Flasbarth. Gerade deshalb sei die Initiative von Bundeskanzler Gerhard Schröder besonders wichtig, zu einer internationalen Konferenz für erneuerbare Energien einzuladen. Die Zusage Deutschlands, in den nächsten Jahren eine halbe Milliarde Euro für den Ausbau der Erneuerbaren Energien in den Entwicklungsländern zu stellen, sei ein Zeichen hoher Glaubwürdigkeit in dieser Frage.
"Die Weltkonferenz in Johannesburg hat mehr Fragen als Antworten hinterlassen. In den meisten zentralen Punkten einer nachhaltigen Entwicklung unserer Erde hat sie sich nicht einigen können,", sagte der NABU-Präsident. Es wurde aber auch der enorme Reformbedarf innerhalb der globalen Strukturen der Staatengemeinschaft deutlich. Sehr bald müsse deshalb die Vorrangstellung der WTO abgeschafft werden. Die Fragen der globalen nachhaltigen Entwicklung müssten in neuen Verhandlungsstrukturen weiter geführt werden. Dazu gehörten Fachkonferenzen wie die angekündigte Weltkonferenz zu Erneuerbaren Energien oder auch die künftigen Vertragsstaatenkonferenzen zum Klimaschutz und zur Biologischen Vielfalt.
Ein wichtiger Fortschritt sei außerhalb der offizielen Dokumente erzielt worden: Die Zusage Kanadas und Russlands das Kiotoprotokoll zum Klimaschutz zu unterzeichnen. "Der globale Klimaschutz könnte damit trotz des enormen Widerstands der USA in Kraft gesetzt werden. Das ist ein doppelter Erfolg - einer für den Klimaschutz und einer für die globale Führungsrolle der UN", sagte Flasbarth.
Quelle/Text: NABU
Druckversion
Mittwoch, 4. September 2002
Grüne zu Johannesburg: Kleine Fortschritte und verpasste Chancen
Zum Abschluss des UN-Gipfels in Johannesburg erklären Reinhard Loske, umweltpolitischer Sprecher, und Winfried Hermann, MdB:
Die Bilanz des Weltgipfels für nachhaltige Entwicklung ist gemischt.
Johannesburg war ein "Rückschrittsverhinderungsgipfel": Der Versuch der Freihandelsideologen, die generelle Höherrangigkeit von WTO-Regeln gegenüber internationalen Umweltregeln und Sozialstandards
festzuschreiben, ist gescheitert. Auch die Angriffe auf das Vorsorgeprinzip in der Umweltpolitik konnten abgewehrt werden. Positiv ist das Bekenntnis der Versammlung zum Kioto-Protokoll, das nun hoffentlich bald in Kraft tritt. Die Verdrängung der
Nachhaltigkeitsdebatte durch die Globalisierungsdebatte, die es seit dem Gipfel von Rio 1992 gegeben hat, ist vorbei.
Johannesburg war ein "Gipfel der kleinen Fortschritte": Die neuen Ziele in der Chemikalienpolitik ("Minimierung der umwelt- und gesundheitsschädlichen Chemikalien bis 2020), in der Wasserpolitik (Halbierung des Anteils der Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen haben, bis 2015) und in der Fischereipolitik (Regeneration der Bestände bis 2015, allerdings mit der Einschränkung "falls möglich") gehen in die richtige Richtung und müssen jetzt konkret umgesetzt werden.
Johannesburg war ein "Gipfel der verpassten Chancen": Die Tatsache, dass weder bei den erneuerbaren Energien noch beim Schutz der biologischen Vielfalt konkrete Ziele vereinbart wurden, ist enttäuschend. Jetzt gilt es, unterhalb der globalen Ebene Bündnisse von gleichgesinnten Staaten zu schmieden. Es ist ein Hoffnungszeichen, dass sich neben den EU-Staaten bislang schon 18 Staaten dazu bekannt haben, bei den erneuerbaren Energien mehr zu tun als im Aktionsprogramm vorgesehen. Deutschlands Vorreiterrolle ist ein ganz großes Glaubwürdigkeitskapital für zukünftige Verhandlungen.
Johannesburg war ein "Gipfel der neuen Themen": Fragen wie die Einrichtung einer Weltumweltorganisation, Nutzungsentgelte auf globale Umweltgüter oder der Weltsolidaritätsfonds wurden erstmals
andiskutiert - hinter den Kulissen wesentlich stärker als im Plenum. Bedauerlich ist, dass der Zusammenhang von Armut und Umweltzerstörung auf dem UN-Gipfel nicht ausreichend angesprochen wurde. Dennoch sind die Themen durch zahlreiche Debattenbeiträge ins Bewusstsein der Delegationen gedrungen und werden in Zukunft konkret auf der Tagesordnung sein. Das ist positiv.
Quelle/Text: Bündnis 90/Grüne
Druckversion
Dienstag, 3. September 2002
BUND: "Gipfel der nachhaltigen Enttäuschung"
BUND: Historische Chance nicht genutzt
Der Erdgipfel in Johannesburg war eine Enttäuschung. Diese Bilanz zog heute der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). "Die Umweltinteressen sind in Johannesburg verraten worden", erklärte die BUND-Vorsitzende Angelika Zahrnt. "Der rückständigen US-Regierung, unterstützt von Australien, Kanada, Japan und den OPEC-Staaten ist es gelungen, dass die Nachhaltigkeit in vielen Punkten auf dem Altar kurzfristiger wirtschaftlicher Interessen geopfert wurde. Aus dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung ist deshalb ein Gipfel der nachhaltigen Enttäuschung geworden."
Nach neun Verhandlungstagen hätten Tausende Delegierte nur zwei neue konkrete Ziele bei den Themen Fischerei und Zugang zu sauberem Wasser verabschiedet. Zahrnt: "Dieses magere Ergebnis ist eines Weltgipfels unwürdig."
Im Bereich der erneuerbaren Energie seien keine quantifizierbaren Ziele und kein Zeitplan verabschiedet worden. Stattdessen solle in Zukunft der Ausbau fossiler Energieträger und großer Staudammprojekte in Entwicklungsländern auch mit deutschen Steuergeldern gefördert werden. Zahrnt: "Diese Beschlüsse dienen dem Klimawandel, nicht dem Klimaschutz."
Auch das Verhältnis von Handels- und Umweltabkommen habe der Gipfel nicht geklärt. Die Verhandlungen zu diesem Thema würden nun ausgerechnet in der WTO weitergeführt. Zahrnt: "Die einmalige Chance, Umweltabkommen endlich Vorfahrt vor Handelsabkommen einzuräumen, wurde vertan."
Einen Erfolg sieht der BUND bei den Gipfelergebnissen zur globalen Unternehmensverantwortung. Zahrnt: "Johannesburg hat gezeigt, dass über kurz oder lang kein Weg an verbindlichen sozialen und ökologischen Regeln für multinationale Konzerne vorbeiführt. Weitere Schritte müssen jetzt folgen. Wir fordern Bundeskanzler Schröder auf, eine internationale Konferenz für Unternehmensverantwortung einzuberufen. Auch auf diesem Gebiet muss Deutschland eine Vorreiterrolle einnehmen."
Der BUND lobte die Rolle Deutschlands bei den Verhandlungen. "Wir begrüßen die Pläne von Bundeskanzler Schröder zur Förderung der nachhaltigen Energieversorgung und Energieeffizienz in den Entwicklungsländern. Auch die angekündigte globale Konferenz zu erneuerbaren Energien ist ein richtiges Signal. Diese Zusagen waren ein klares Bekenntnis zur globalen Energiewende, die in Johannesburg leider noch nicht eingeleitet werden konnte", so Zahrnt.
Quelle/Text: BUND e.V.
Druckversion
Dienstag, 3. September 2002
Energiekapitel in Johannesburg von Ölmultis "bewilligt"
Aus ökologischer Sicht ein Debakel
Der Erdgipfel in Johannesburg hat das Energiekapitel abgeschlossen. Die Chance auf Reform sind damit wieder einmal vertan: Der vorliegende Beschluss enthält keine Vorschläge für die 2 Milliarden Menschen weltweit, die keinen Zugang zu moderner Energie haben. Er bietet weder Ziele noch Zeitrahmen für den Ausbau erneuerbarer Energiegewinnung. Die Ölindustrie ist der Gewinner: Ihre Dominanz auf dem globalen Energiemarkt bleibt unangetastet. Greenpeace-Energieexperte Erwin Mayer kritisierte die positive Reaktion von Österreichs Umweltminister Wilhelm Molterer auf die Energie-Einigung als "Schönfärberei":
"Das so genannte Verhandlungsergebnis zum Energiekapitel ist gestempelt und bewilligt von den offiziellen Sponsoren der US-Delegation: Den großen Ölfirmen. Das Energie-Kapitel schließt Atomkraft nicht aus, beinhaltet Mega-Staudämme als potentielle Energielösungen und sieht keine Kürzung der massiven Subventionen für fossile Energieträger vor. Erneuerbare Energieträger werden nicht gefördert. Aus ökologischer Sicht ist das ein Debakel. Dass Minister Molterer diesem üblen Resultat positive Seiten abgewinnen kann, ist mehr als peinlich. Jetzt muss zumindest Österreich mit positivem Beispiel vorangehen und Klimaschutz auch in Taten groß schreiben. Wir bestehen daher auf einem sofortigen Klima-Gipfel noch im September, um die österreichische Klimapolitik endlich in Schuss zu bringen!"
"Nach einem langen Jahr voller Debatten bringt uns der Nachhaltigkeitsgipfel nicht einen einzigen Schritt vorwärts", kritisiert Steve Sawyer, Greenpeace-Klimaexperte in Johannesburg. "Der so genannte "Aktionsplan" ist weder ein Plan noch enthält er Aktionen. Wir haben die letzten 18 Monate damit verbracht, Schadensbegrenzung zu leisten. Jetzt müssen wir die Arbeit fortsetzen, mit einer "Koalition der Willigen" aus jenen Ländern, die ihren Bewohnern eine Zukunft mit sauberer Energie bieten wollen."
Quelle/Text: Greenpeace Österreich
Druckversion
Dienstag, 3. September 2002
Natur- und Denkmalschützer retten Große Mausohrfledermaus mit kirchlichem Segen
DBU fördert Projekte zur Vereinbarung von Natur- und Denkmalschutz mit 2,1 Millionen Euro - Gesamtfördersumme Denkmalschutz: 104 Millionen Euro für 483 Projekte
Fledermausweibchen sind emanzipiert: Sie ziehen ihre Jungen ohne Männchen in großen Gemeinschaften, sogenannten Wochenstuben, auf. Eine solche Wochenstube mit 150 Tieren der Gattung "Große Mausohrfledermaus" lebt in der Pfarrkirche in Gehofen (Thüringen). Die auf der Roten Liste Deutschland als stark gefährdet geführte Art hat es sich im Kirchendach gemütlich gemacht und stellt nun Denkmal- und Naturschützer vor die Herausforderung, ihre unterschiedlichen Interessen zu vereinbaren. "Die Sandsteinquader, aus denen die Kirche erbaut wurde, sind durch Umwelteinflüsse stark beschädigt", erläuterte Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die die Sanierung der Kirche mit 178.000 Euro fördert. Die Fäkalien aus der Wochenstube belasten zudem den Dachstuhl stark. Es gelte daher, ein sehr individuelles Restaurierungskonzept zu entwickeln, das den Bedürfnissen der Fledermäuse entspricht, ohne die Bausubstanz der Pfarrkirche weiter zu gefährden. Für 26 Projekte zur Vereinbarung von Natur- und Denkmalschutz stellte die DBU bisher
2,1 Millionen Euro bereit. Die Gesamtfördersumme im Denkmalschutz seit Aufnahme der Fördertätigkeit liegt bei 104 Millionen Euro für 483 Vorhaben.
Quelle/Text: DBU