Zunehmende Luftverschmutzung gefährdet Insekten und Pflanzen

14.04.2008 - Quelle/Text: pressetext.at

Honigbienen finden den Weg zu Duftstoff abgebenden Pflanzen teilweise nicht mehr, weil deren Blütenduft wegen zunehmender Luftverschmutzung schwächer wird. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Universität Virginia. Sie halten diese Erkenntnisse für eine mögliche Erklärung, warum in freier Wildbahn lebende Insektenpopulationen, die auf Blütennektar zum Überleben angewiesen sind, in bestimmten Regionen der Welt derzeit zurückgehen.

Blütenaromen reagieren mit Luftschadstoffen und verbreiten sich nur mehr über kleinere Flächen

Biene
eine Honig sammelnde Biene.

"Die von Blumen produzierten Duftmoleküle können in einer weniger verschmutzten Umwelt, wie wir sie etwa noch im 19. Jahrhundert hatten, zwischen 1.000 und 1.200 Meter fliegen. Aber in einer derart verschmutzten Welt, wie wir sie heute vor allem im städtischen Bereich vorfinden, schaffen sie nur mehr zwischen 200 und 300 Meter", zitiert das US-amerikanische Online-Wissenschaftsmagazin den Mitautor der Studie, Prof. Jose D. Fuentes.

"Diese Veränderung lässt es für bestäubende Insekten zunehmend schwieriger werden, Blumen durch Duftspuren ausfindig zu machen", erläutert Fuentes. Man habe es hier mit einem tödlichen Kreislauf zu tun. Einerseits würden sich die betroffenen Arten immer schwerer damit tun, genug Nahrung zur Aufrechterhaltung der eigenen Population zu finden und andererseits seien durch diese Entwicklung auch die Bestände der Blumen selbst bedroht.

Ein eigens entwickeltes mathematisches Modell ermöglichte den Wissenschaftlern die Verfolgung der vom Wind transportierten Duftstoffe, womit sie deren Reduktion nachweisen konnten.

Mit Hilfe dieses Modells können die Forscher genaue Aussagen über Ausmaß und zurückgelegte Distanz der Duftstoffe machen: "Es stellte sich dabei schnell heraus, dass die Luftverschmutzung das von Blumen verströmte Aroma zerstört", berichtet Fuentes. Besonders deutlich sei das Ausmaß dieser Zerstörung im Vergleich mit früheren Jahrhunderten. "Die Reduktion der Duftstoffe kann, verglichen mit Zeiten, in denen es noch keine Autos oder Schwerindustriebetriebe gab, bis zu 90 Prozent betragen".

Besonders im Sommer werden Blütendüfte schnell abgebaut

Besonders bedrohlich sei die Situation während der heißen Sommerperiode. "Je mehr Luftverschmutzung es in einer Region gibt, desto größer ist die Zerstörung der Blumendüfte", fasst Fuentes zusammen.

Die Forscher konnten nachweisen, dass die Duftstoffe der Blumen in der Luft sehr schnell mit Schmutzpartikeln wie Ozon, Hydroxol und Nitratradikalen reagieren, die das abgegebene Aroma zerstören.

Als Resultat sind die Blumendüfte in weiteren Entfernungen von den Insekten nicht mehr als solche wahrnehmbar. Bienen und andere bestäubende Arten sehen sich deshalb gezwungen, ihren Suchradius zur Nahrungsbeschaffung weiter auszuweiten und größere Distanzen zurückzulegen. Die Wissenschaftler befürchten, dass sich die betroffenen Insektenspezies nur bedingt auf die veränderten Bedingungen einstellen können.

Stuart P M Roberts von der Universität Reading meldet allerdings Vorbehalte zur Studie an: Dann müssten Städte mit ihrer üblicherweise stärkeren Luftverschmutzung für Bienen besonders schlecht verträglich sein. Trotzdem würden auch in Städten Bienen gehalten, weshalb er für die Abnahme der Bienenpopulation auch andere Gründe wie Veränderungen in der Landwirtschaft oder Flächenverbrauch durch Infrastruktur sieht.

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