Feuerbrand-Alarm: Einsatz von Antibiotikum genehmigt

20.03.2008 - Quelle/Text: Sonstiges/Eigenes Material

Zur Bekämpfung des auch heuer zu erwartenden Feuerbrands, einer schwer zu bekämpfenden bakteriellen Krankheit von Obst- und Ziergehölzen, haben das schweizerischen Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) und das österreichische Bundesamt für Ernährungssicherheit (BAES) das Antibiotikum Streptomycin zugelassen. Umweltschutzorganisationen, Imker und Wissenschaftler protestieren gegen den für Mensch und Umwelt gefährlichen Einsatz eines Antibiotikums im Obstbau.

Antibiotika im Obstbau sind keine Lösung, sondern gefährlich

Feuerbrand
Feuerbrand-Befall auf Apfelbaum

Der Einsatz von Streptomycin ist in der EU verboten, nur über eine sogenannte „Gefahr-im-Verzug"- Zulassung darf das Präparat überhaupt und zeitlich sowie mengenmäßig begrenzt eingesetzt werden. Klar ist auch, dass dieses gefährliche Experiment keine mittel- und langfristige Lösung bringt.

„Die derzeitige Strategie, der Bedrohung Feuerbrand mit dem Antibiotikum Streptomycin zu begegnen, entbehrt jeder Nachhaltigkeit. Mit Streptomycin werden lediglich die Symptome der Krankheit bekämpft“, kritisiert Lisa Kernegger, Pestizidexpertin von GLOBAL 2000.

Die Umweltschutzorganisation fordert eine umweltverträgliche und langfristige Feuerbrandstrategie ohne Anwendung von Antibiotika, sowie einen finanziellen Ausgleich für geschädigte ErwerbsbäuerInnen durch die Behörden.

Experiment mit der Gesundheit von Menschen und Umwelt

Durch den Einsatz von Antibiotika kann es zur Bildung von Antibiotikaresistenzen bei menschlichen Krankheitserregern kommt. Und über die Auswirkungen auf die Umwelt gibt es kaum Erfahrungen.

Erwiesen ist, dass der Einsatz von Antibiotika während der Blüte zu Rückständen im Honig führen kann. „Es gibt alternative Mittel und Maßnahmen mit geringeren Nebenwirkungen auf die Umwelt. Deren optimale Anwendung sowie die Weiterentwicklung dieser Mittel und Maßnahmen sollte im Zentrum einer nachhaltigen Feuerbrandbekämpfungsstrategie stehen“, so Kernegger.

"Großflächige Ausbringung von Antibiotika in die Umwelt, obwohl es umweltfreundlichere Alternativen gibt, ist unverantwortlich und mit den Prinzipien einer Ökologisierung der Landwirtschaft unvereinbar" meint Dr. Werner Müller vom Büro für Ökologische Risikoforschung eco-risk.

Effiziente Behandlung ist bei Früherkennung möglich

Früherkennung und konsequentes Ausschneiden befallener Pflanzenteile verhindert die Ausbreitung der Krankheit am zuverlässigsten. Darüber hinaus gibt es vielversprechende Alternativen zu Streptomycin: Tonerdeprodukte, Kupfer, resistenzinduzierende Substanzen oder antagonistische Mikroorganismen. Diese Alternativen müssen gefördert werden, um ihre Anwendung zu optimieren und auszubauen.

Ein hefeähnlicher Pilz verhindert Eindringen des Feuerbrand-Bakteriums

Ein sanft wirkendes Pflanzenschutzmittel macht sich die natürliche Nahrungsmittelkonkurrenz auf Blüten zunutze: Die in Blossom Protect enthaltenen Mikroorganismen - zwei Stämme des hefeähnlichen Pilzes Aureobasidium pullulans - besiedeln den Blütenboden und verhindern das Eindringen des Feuerbranderregers in die Pflanze. Das Mittel muss also ausgebracht werden, bevor der Feuerbranderreger kommt.

Das Pflanzenschutzmittel auf Hefepilzbasis wird seit einigen Jahren in mehreren Ländern erfolgreich angewendet : In Deutschland setzen zahlreiche Landwirte dieses natürliche Feuerbrandbekämpfungsmittel seit längerem ein. Die Wirksamkeit des Mittels wurde in über zehn Freilandversuchen durch die Biologische Bundesanstalt Deutschland in Kooperation mit der Universität Konstanz nachgewiesen. Auch die Österreichische Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) hat die Wirksamkeit in Quarantänekabinenversuchen erfolgreich getestet.

Bienen als Doktoren im Test

Aktuell versucht man gerade, die Bienen als „Fliegende Doktoren“ das Pflanzenschutzmittel ausbringen zu lassen: Der Imker lässt seine Bienenvölker über das Produkt krabbeln, die Mikroorganismen bleiben an den Beinen der Bienen haften und werden so von Blüte zu Blüte verteilt. Blossom Protect darf im Bio-Obstbau angewendet werden.

Das heilende Schutzmittel wurde von Wissenschaftlern der Wiener Universität für Bodenkultur (BOKU) entwickelt, welche dafür eine Biotechfirma gründeten. "Unsere Produkte bedienen sich natürlicher, seit Jahrhunderten bewährter biologischer Mechanismen und gewährleisten Lebensmittelsicherheit", so Prof. Herbert Danner, Geschäftsführer des Spin-off-Unternehmens Bio-ferm. Der Vertrieb erfolgt über ein auf Nützlinge spezialisiertes Wiener Unternehmen für Pflanzenschutz.

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