Boden schonen, Landwirtschaft kann richtig Druck machen

24.10.2007 - Quelle/Text: Sonstiges/Eigenes Material

Bodenbelastungen durch immer schwerer werdende Maschinen und Geräte beeinträchtigen Pflanzenwachstum und Bodenfruchtbarkeit. Welche technischen Möglichkeiten gibt es, um die schädlichen Belastungen zu vermeiden oder zu reduzieren? Mit dieser Frage beschäftigen sich Fachleute von der Landesanstalt für Landwirtschaft Bayern.

Reifendruck kontrollieren

Landwirtschaftsmaschinen
Bodenverdichtung durch moderne Landtechnik

Nur bei optimaler Bodenstruktur und Porenverteilung, die für ausreichende Wasser- und Nährstoffversorgung sorgt, können Pflanzen ungestört wachsen. Der Boden dient aber sowohl als Standort für die Pflanzen als auch als Fahrbahn für Arbeitsmaschinen.

Beim Feldgemüseanbau reagieren Gärtner bzw. Landwirte auf dieses Dilemma: In den Beeten wachsen die empfindlichen und anspruchsvollen Pflanzen, dazwischen liegen die Spuren für das Fahren mit Traktor und Gerät.

In Ackerbau und Grünland ist trotz vieler Versuche diese Trennung von Fahrbahn und Wuchsraum bisher nicht gelungen. Deshalb ist es besonders wichtig, beim Befahren die Tragfähigkeit des Bodens nicht zu überschreiten und das Bodengefüge in gutem Zustand zu erhalten.

Feuchte Böden nicht befahren und möglichst geringe Bodenbearbeitungsintensität

Die Bodenfeuchtigkeit beeinflusst Bodenstabilität und Tragfähigkeit am meisten. Je feuchter der Boden, desto geringer ist seine Tragfähigkeit und umso leichter verformt und verdichtet die Last den Boden. Bei zu feuchten Bedingungen ist das Befahren unbedingt zu vermeiden.

Auch starke Lockerung verringert die Tragfähigkeit, so dass eine Rückverfestigung notwendig ist. Ein aktives Bodenleben, ausreichend Humus und eine geringe Bodenbearbeitungsintensität verbessern dagegen die Tragfähigkeit der Böden.

Neue Technik kann helfen, ist aber häufig teuer

Der anhaltende Trend zu leistungsfähigeren und damit größeren Landmaschinen verschärft das Problem der mechanischen Bodenbelastung. Mit technischen Entwicklungen will die Landtechnikindustrie entgegenwirken: Neue Reifen- und Fahrwerkstechnologien sollen helfen. Der Landwirt muss in seinen Investitionsentscheidungen den ökologischen und ökonomischen Nutzen für den eigenen Betrieb abschätzen.

Vor allem aber sollte er die Möglichkeiten der bereits vorhandenen Technik im täglichen Einsatz nutzen.

Moderne Landwirtschaftsreifen mit angepasstem Druck

Zum schonenden Befahren von Ackerböden stehen heute moderne Radialreifen zur Verfügung. Mit angepasstem Reifendruck eingesetzt, verfügen sie durch ihre Flexibilität über eine große Aufstandsfläche und erzeugen so geringe Kontaktflächendrücke.

Niedriger Luftdruck ermöglicht eine große Aufstandsfläche mit niedrigem Kontaktflächendruck und damit auch Bodendruck. Bei Radialreifen entspricht normalerweise der Bodendruck in zehn Zentimeter Tiefe in etwa dem Reifendruck. Dieser Zusammenhang führt eindrücklich vor Augen, wie ein niedriger Reifendruck die Bodenbelastung senken kann.

Der Reifendruck kann aber nicht grenzenlos abgesenkt werden: Der minimale Reifenluftdruck ist abhängig von Reifentyp, Reifengröße, Nutzlast und Tragfähigkeit sowie Fahrgeschwindigkeit. Diese Zusammenhänge sind in den Reifenluftdrucktabellen oder Betriebsanleitungen der Reifenhersteller dargestellt. Jeder Landwirt sollte diese wichtigen Informationen für alle auf seinem Betrieb verwendeten Reifen griffbereit haben.

Der Landwirt sollte grundlegende Zusammenhänge kennen

Je niedriger der Luftdruck, desto niedriger ist die Tragfähigkeit bei einer bestimmten Geschwindigkeit. Und je höher die Geschwindigkeit desto niedriger ist die Tragfähigkeit bei einem bestimmten Reifenluftdruck. Die exakten Werte variieren je nach Reifenfabrikat, Typ und Größe. Grundsätzlich gilt: Je niedriger die benötigte Tragfähigkeit, also die Radlast im Einsatz, und je niedriger die Fahrgeschwindigkeit ist, umso geringer ist der notwendige Reifenluftdruck.

Radlasten mit Waage ermitteln

Für die Anpassung im Einsatz müssen die Radlasten bekannt sein. Diese können meist nicht vom Traktor- und Gerätegewicht abgeleitet werden, da bei angebauten Geräten der Abstand des Geräteschwerpunktes zum Traktor und die Entlastung der Vorderachse eine zusätzliche Hinterachsbelastung bewirken. Die Radlasten müssen auf einer Fuhrwerkswaage festgestellt werden.

Beim Einsatz am Hang führt die Seitenneigung von Traktor und Geräten zu einer Schwerpunktverlagerung und der Hang abwärts laufende Reifen wird zusätzlich belastet. Messungen ergaben bei acht Prozent Seitenneigung etwa fünf Prozent Zusatzbelastung.

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