Friedensnobelpreis für Mr. Klimaschutz und IPCC

13.10.2007 - Quelle/Text: Sonstiges/Eigenes Material

Der Friedensnobelpreis 2007 geht an den früheren US-Vizepräsidenten Al Gore und den Uno-Klimarat IPCC. Damit sendet das Nobelpreis-Kommittee eine klare Botschaft aus: Der Klimawandel ist nicht zu verneinen und stellt eine Bedrohung für den Weltfrieden dar. Umweltschützer freuten sich über die Entscheidung.

Al Gore
Friedensnobelpreisträger Gore

Die Preisträger hätten das Wissen über den vom Menschen verursachten Klimawandel vergrößert und die Grundlagen dafür gelegt, die Veränderungen zu bekämpfen, teilte das Nobelpreis-Komitee in Oslo mit. Der Preis ist mit rund 1,1 Mio. Euro dotiert und wird traditionell am 10. Dezember überreicht, dem Todestag Alfred Nobels.

Der Friedensnobelpreis ist dem Thema Klimawandel gewidmet, da die Akademie darin laut Financial Times Deutschland eine klare Bedrohung des Weltfriedens sieht. "Große Klimaveränderungen könnten die Lebensbedingungen von weiten Teilen der Menschheit ändern und bedrohen." Dadurch könnten Flüchtlingsströme ausgelöst werden und der Kampf um natürliche Rohstoffe könnte sich verstärken, wie es weiter hieß.

IPCC: International besetztes Organ mit Einfluss auf politische Entscheidungen

Der IPCC hat zwischen 1991 und 2007 vier, den wissenschaftlichen Konsens repräsentierende, Berichte zum globalen Klimawandel veröffentlicht und damit in den vergangenen Jahren für großes Aufsehen gesorgt und politische Entscheidungen erst ermöglicht.

"Ein vergleichbares Netzwerk mit tausenden von Wissenschaftlern aus Industrie- und Schwellenländern zur Qualitätssicherung der wissenschaftlichen Bearbeitung eines so komplexen Problems hat es in der Menschheitsgeschichte noch nie gegeben", so Klaus Milke, Vorstandsvorsitzender von Germanwatch. Die größten Erfolge der internationalen Bemühungen um einen weltweiten Klimaschutz konnten immer nach Veröffentlichungen der IPCC-Berichte erzielt werden.

Die Klimarahmenkonvention wurde nach dem ersten, das Kyoto-Protokoll nach dem zweiten Bericht veröffentlicht. "Und wir setzten nun darauf, dass nach dem gerade erschienenen vierten Bericht bis 2009 ein wegweisendes UN-Klimaschutzabkommen für die Zeit nach 2012 verabschiedet werden wird", ergänzt Bals.

Al Gore: Der wohl bekannteste Klimaschützer

Cover der DVD
Cover der DVD "Eine unbequeme Wahrheit"

Al Gore ist der wohl bekannteste Klimaschützer. Unter anderem wurde in diesem Jahr sein Dokumentarfilm "Die unbequeme Wahrheit" mit einem Oscar geehrt. Aber auch bereits in den 1990er Jahren verfasste er mit dem Buch "Wege zum Gleichgewicht" einen Klassiker der Umweltliteratur. In der Analyse der weltweiten Herausforderungen im Umweltbereich macht Al Gore auf die Notwendigkeit eines bestimmten Handelns aufmerksam und sieht die USA als wichtigen Partner.

Präsidentschaftskandidat in 2000

Gore gehört der Demokratischen Partei in den USA an und war unter Bill Clinton Vize-Präsident der USA. 2000 trat er selbst als Präsidentschaftskandidat an, verlor aber im November gegen den jetzigen Amtsinhaber George W. Bush, einen Republikaner. Bush wird international vorgeworfen, zu wenig gegen den Klimawandel zu tun.

"Al Gore hat mit seiner Öffentlichkeitsarbeit zum Klimawandel in den vergangenen Monaten und Jahren stark dazu beigetragen, das Bewusstsein über die Notwendigkeit ernsthaften Klimaschutzes in der ganzen Welt zu schärfen" lobte Klaus Milke von der deutschen Nichtregierungsorganisation Germanwatch die Entscheidung.

Al Gore zeigt sich tief geehrt

In einer ersten Stellungnahme gab Al Gore bekannt, sich "tief geehrt" zu fühlen. Er beabsichtigt, seinen Anteil am Preisgeld (fünf Millionen Kronen) an die Alliance for Climate Protection zu spenden, eine unabhängige gemeinnützige Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Wahrnehmung der Gefahren der Klimakrise in der amerikanischen und internationalen Öffentlichkeit zu stärken.

Beispiel für die wichtige Rolle, die jeder einzelne bei der Bewältigung weltweiter Probleme spielen kann

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, das außergewöhnliche Engagement Gores sei ein Beispiel für die wichtige Rolle, die jeder einzelne bei der Bewältigung weltweiter Probleme spielen könne.

Glückwünsche kamen auch aus Berlin. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel sagte, das Nobelpreis-Komitee habe damit das Thema Klimaschutz in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt, erinnerte aber zugleich kritisch an die Amtszeit des 59-Jährigen, in der sich die USA gegen den Beitritt zum Kyoto-Protokoll entschieden haben.

Tschechischer Präsident weißt Gores Klimathesen zurück

Kritik kam dagegen vom tschechischen Präsidenten Vaclav Klaus, der die Klimathesen Gores mehrfach öffentlich zurückgewiesen hatte. Der Zusammenhang zwischen dem Weltfrieden und den "Aktivitäten" von Gore sei "undeutlich", teilte die Kanzlei des Politikers mit.

Letzter Friedensnobelpreis ging nach Bangladesch

Muhammed Yunus
Muhammed Yunus erhält gemeinsam mit der von ihm gegründeteb Grameen Bank den Friedensnobelpreis 2006

Im vergangenen Jahr hat der Bankier Muhammad Yunus aus Bangladesch den Preis erhalten, der mit Mini-Krediten armen Familien zu einem Ausweg aus der Not verhilft. Das letzte Mal, dass ein Deutscher den Preis erhielt, war 1971 der damalige Bundeskanzler Willi Brandt.

Al Gores einst als "Wege zum Gleichgewicht" ins Deutsche übersetztes Buch ist nur noch auf Englisch zu erhalten:
Taschenbuch: Earth in the Balance: Forging a New Common Purpose
Al Gores DVD "Eine unbequeme Wahrheit" mit Vorschau-Möglichkeit
Website des Intergovernmental Panel on Climate Change
Website der Organisation an die Al Gore das Preisgeld spenden möchte:
The Alliance for Climate Protection
Al Gores offizielle Website
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