20.000 Kilometer Wanderwege für die seltene Wildkatze

19.09.2007 - Quelle/Text: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) will wild lebenden Tieren in Deutschland ein Wandernetz von rund 20.000 Kilometern einrichten. Vor allem Wildkatzen, von denen es nur noch drei- und fünftausend Exemplare gibt, sollen so von einem Gebiet in ein anderes wechseln können. Bereits im Herbst wird in Thüringen ein erster „Katzen-Wanderweg“ vom Nationalpark Hainich bis zum Thüringer Wald angelegt.

Wildkatzenwegeplan wird vorgestellt

Wildkatzen
Wildkatzen in Deutschland: Gefährdete Tierart

Kommende Woche wird der BUND einen „Wildkatzenwegeplan“ an den derzeitigen Vorsitzenden der Umweltministerkonferenz von Bund und Ländern, den Nordrhein-Westfälischen Umweltminister Eckhard Uhlenberg, übergeben.

Der BUND fordert von Bundesregierung und Länderregierungen Unterstützung beim Vorhaben, die verschiedenen Lebensräume der Wildtiere miteinander zu verknüpfen. Damit werden auch nationale und europäische Naturschutzgesetze umgesetzt.

BUND-Vorsitzende Angelika Zahrnt: „Der Wildkatzenwegeplan soll dafür sorgen, dass Verkehrswege, Gewerbe- und Wohngebiete in Zukunft naturverträglicher angelegt werden. Gleichzeitig ermöglicht er die bessere Einbindung lokaler Naturschutzmaßnahmen in eine bundesweite Planung. Seltene und bedrohte Tierarten brauchen viel mehr Schutz. Miteinander verbundene Wildniskorridore sind dafür ein wichtiger Beitrag.“

Die längsten Wildkatzen-Wege sollen Schwarzwald, Pfälzer Wald, Hunsrück und Eifel sowie den Harz mit dem Thüringer und dem Bayerischen Wald verbinden.

Förster oder Spaziergänger bekommen die scheuen Tiere selten zu Gesicht

Förstern oder Waldspaziergängern gelingt es äußerst selten, Wildkatzen zu beobachten. Sie sind etwas kräftiger als Hauskatzen, grau und ocker getigert, haben buschige Schwänze und sind extrem scheu.

„Die verschiedenen Populationen der Wildkatze leben isoliert und weit zerstreut. Die Verknüpfung ihrer Lebensräume wird dazu beitragen, dass diese seltenen und faszinierenden Tiere nicht aussterben“, sagt Mark Hörstermann, Artenschutzexperte des BUND. Auch anderen Tierarten wie Reh- und Damwild, Dachsen und Baummardern werde das geplante Wildtierwegenetz beim Überleben helfen.

Bis zu 1.000 ha große Gebiete durchstreifen die Wildkatzen

Vor allem junge Männchen unternehmen ausgedehnte Wanderungen, um neue Reviere zu besetzen. Analysen von Todfunden ergaben Wanderungsentfernungen von bis zu 80 km vom nächsten Vorkommensgebiet. Die hohe Zahl von Todfunden an Straßen belegt die Bedeutung der Korridore für die wanderwilligen Wildkatzen. Noch wichtiger sind die Korridore für die Weibchen, die nur unter sicheren Bedingungen wandern. Für die Besiedlung eines geeigneten Lebensraums sind selbstverständlich männliche und weibliche Tiere nötig.

Artenschutz über die Wildkatzen hinaus

Das Projekt geht aber über den Artenschutz weit hinaus: Mit dem Schutz der Wildkatze sichert und entwickelt der BUND gleichzeitig naturnahe Waldlebensräume. Stellvertretend für die Artengemeinschaften dieser Waldökosysteme wird der Erfolg der Maßnahmen an der Bestandsentwicklung und der Ausbreitung der Wildkatze gemessen. In den Spuren der Wildkatze können dann auch viele andere Tiere in der vom Menschen geprägten Landschaft neue Lebensräume erobern.

Das Wildkatzenprojekt wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt gefördert.

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