Vegetation von Extremhochwasser kaum betroffen

29.09.2008 - Quelle/Text: pressetext.at

Die Folgen von extremen Fluten betreffen Laufkäfer und Schnecken stärker als die Pflanzen in den Wiesen der Flussauen. Zu diesem Ergebnis kommen Biologen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), der TU Berlin und der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) nach mehrjähriger Beobachtungen vor und nach der Elbeflut im August 2002.

In der Wissenschaft besteht Konsens, dass Überflutungen und Niedrigwasser als die wesentlichen Umweltfaktoren für die Lebensgemeinschaften in Auen allergrößte Bedeutung haben. Allerdings seien die konkreten Auswirkungen von extremen Hochwasserereignissen auf die Flora und Fauna in Auen bisher weitgehend unbekannt gewesen, obwohl solche Überschwemmungen durch den Klimawandel in Zukunft wahrscheinlich öfter auftreten werden, wie die Wissenschaftler sagen.

Untersuchung von Pflanzen, Käfern und Schnecken

Hochwasser der Elbe im August 2002
Hochwasser der Elbe im August 2002. UFZ-Wissenschaftler untersuchten den Einfluss des extremen Hochwassersereignisses auf die Flora und Fauna in den Auen.

Sie hatten Pflanzen, Laufkäfer und Schnecken im Frühjahr und Herbst auf 36 Probeflächen in der Auenlandschaft der Elbe erfasst, die 2002 überflutet wurde. Dabei wurden Daten aus den Jahren 1998 und 1999 mit Daten aus den Jahren 2003 und 2004 miteinander verglichen. Die Proben stammten von markierten Flächen innerhalb eines knapp ein Quadratkilometer großen Wiesengebietes bei Dessau in Sachsen-Anhalt, das von der Elbe saisonal überflutet wird. Bei der Flut 2002 standen diese Flächen mindestens zwei Wochen mit einer Höhe zwischen zwei und fünfeinhalb Metern unter Wasser.

Immobile Organismen überleben besser als mobile

"Vor allem Schnecken und Laufkäfer waren besonders stark von den Auswirkungen der Überschwemmung betroffen", erklärt Mathias Scholz vom UFZ. "Das widerlegt die Hypothese, dass Gruppen mit geringerer Mobilität stärker von der Flut beeinflusst würden, weil sie dieser schlechter ausweichen könnten und erst mit zeitlicher Verzögerung den überfluteten Lebensraum wiederbesiedeln würden."

Die Zahl der Laufkäfer ging von 117 Arten vor der Flut auf 88 direkt nach der Flut zurück, erholte sich aber 2004 und erreichte schnell wieder das Niveau vor der Flut. Überraschenderweise war gerade diese Artengruppe, die an feuchte Lebensbedingungen angepasst ist und teilweise gute Schwimmer sind, am stärksten betroffen. Sie verloren über 40 Prozent der Arten. Laufkäfer haben sich zwar im Laufe der Evolution gut an Hochwasser angepasst, jedoch eher auf die typischen Winter- und Frühjahrsfluten. "Deshalb hat dieses Sommerhochwasser die Zahl der Laufkäferarten stark dezimiert", so Scholz weiter. Durch ihre hohe Mobilität erholte sich die Artenzahl jedoch auch wieder schnell.

Die Landschnecken zeigten sich wenig von diesem ungewöhnlichen Sommerhochwasser beeinflusst und blieben in Artenzahl und Individuendichte etwa gleich. Lediglich die Zahl der Wasserschneckenarten stieg nach der Flut. "Weil zahlreiche Arten durch die Wassermassen einfach in die Fläche eingespült worden sind und dort dann überlebt haben", meint der Auen-Experte.

Vegetation gut an Hochwasserrisiko angepasst

Die Vegetation war am geringsten durch die Flut beeinflusst. "Weitere Analysen haben aber gezeigt, dass auch hier einige Pflanzen in ihrer Häufigkeit stark zurückgedrängt wurden, andere wiederum vom Hochwasserereignis profitiert haben", so Scholz. Offenbar hat sich die Vegetation gut an das Hochwasserrisiko angepasst.

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