Artenschutzziel: EU-Kommission gesteht Scheitern ein

25.01.2009 - Quelle/Text: Rat für Nachhaltige Entwicklung

Um den Schutz der biologischen Vielfalt ist es schlecht bestellt. Selbst das europäische Minimalziel, den Verlust an Biodiversität bis 2010 zu stoppen, wird sehr wahrscheinlich verfehlt. Es mangelt vor allem am politischen Willen zum Umsteuern.

Zwischenbericht: 80 Prozent der geschuetzten Gebiete bedroht

Das geht aus dem Mitte Dezember von der EU-Kommission vorgelegten Zwischenbericht zum Aktionsplan zur Erhaltung der biologischen Vielfalt hervor. Das darin gezeichnete Bild ist düster: Jede zweite eigentlich durch EU-Richtlinien geschützte Tier- und Pflanzenart ist demnach in ihrem Bestand bedroht, bei den Ökosystemen sind es bis zu 80 Prozent. Auch global gesehen sei die Lage „desaströs“. Eine Trendwende infolge der steigenden Nachfrage nach Anbauflächen für Nahrung und Energiepflanzen ist nicht abzusehen.

Dimas: Konzertiertes Vorgehen nicht erkennbar - dabei sind die Loesungsmoeglichkeiten bekannt

Der zuständige EU-Kommissar Stavros Dimas betonte bei der Vorlage der Halbzeitbilanz, dass man zwar wisse, was zum Schutz der biologischen Vielfalt zu tun sei und auch über die Mittel verfüge, das Ziel zu erreichen. Ein konzertiertes Vorgehen der Politik kann die Kommission aber nicht erkennen. „Die Einbeziehung von Biodiversitäts- und Ökosystembelangen in andere Sektorpolitiken bleibt eine große Herausforderung“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung.

NABU: Umsetzung unzureichend

Frosch im Wasser
Im Bestand bedroht: Ein Drittel aller Froscharten

Europäische und deutsche Umweltverbände werteten die Zwischenbilanz als alarmierendes Signal. „Der Bericht zeigt in erschreckender Deutlichkeit auf, wie wenig sich die Mitgliedstaaten und die Europäischen Institutionen bislang um die Erreichung der selbst gesteckten Ziele bemüht haben“, so NABU-Präsident Olaf Tschimpke. „Er ist ein Dokument des peinlichen Versagens im Bemühen um den Schutz unserer Lebensgrundlagen.“

Es gebe zwar hervorragende Richtlinien und Instrumente zum Artenschutz, deren Umsetzung sei in vielen Mitgliedstaaten aber unzureichend. Steuere man nicht jetzt entgegen, kämen die ökonomischen Folgen des Artenterbens der Menschheit wesentlich teurer zu stehen als die erforderlichen Gegenmaßnahmen, so der NABU. Der Bericht bestätige, dass auch Deutschland erheblichen Nachholbedarf habe.

Europaeisches Umweltbuero fordert Rettungsplan

Das Europäische Umweltbüro EEB forderte angesichts der Halbzeitbewertung einen „Rettungsplan für Ökosysteme“. Der dürfe sich nicht darauf beschränken, den Verlust der Artenvielfalt zu stoppen, sondern müsste auf eine echte Trendwende abzielen. Auch das EEB forderte, bestehende Richtlinien konsequenter umzusetzen. Außerdem sollte die Kommission politische Ziele wie die Förderung von Biokraftstoffen, die dem Artenschutz entgegensteht, überdenken.

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Laura, 12.03.2009 20:17:22
Die Begriffe "Artensterben" und "Verlust der Biodiversität" werden oft genug sowohl in den Medien als auch von Politikern verwendet, die Problematik aufgezeigt und doch ändert sich so gut wie nichts. Kein Wunder, wenn nicht einmal in der kleinsten Kommune ein Umdenken bzw. Handeln erkenntlich ist. Da werden weiter auf Teufel komm raus noch die letzten einigermaßen intakten natürlichen Lebensräume für eigentlich nicht mehr benötigte Gewerbegebiete plattgemacht oder anderweitig verscherbelt. Es ist ein Desaster, wenn man erleben muß, wie die Kommunen bzw. deren Vertreter, ohne Rücksicht auf Flora und Fauna die Umwelt zerstören.
Nur ein Beispiel von vielen: In unserer Kleinstadt wird seit 2 Jahren das sog. Unkraut an Straßen- und Gehsteigrändern mit der sog. Heißschaummethode vernichtet (jährlicher Kostenaufwand: 70.000 Euro) und das unter dem Deckmantel "umweltfreundlich". Dabei werden sämtliche Kleinstlebewesen wie Asseln, Regenwürmer, Ohrwürmer und anderes Kleingetier rücksichtslos verbrannt bzw. abgetötet. Das Unkraut kommt wieder - dank der "umweltfreundlichen Methode" - die Kleinstlebewesen natürlich nicht mehr.
Kein großer Verlust? Mag sein, aber dies zeigt, wie sch...egal den politisch Verantwortlichen im Grunde doch die Natur ist - Hauptsache, das Regieren macht Spaß und die Kasse stimmt.

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