50 % aller Feuchtgebiete in Europa bedroht

27.09.2008 - Quelle/Text: Global Nature Fund

Der zunehmende Flächen- und Wasserverbrauch durch die Landwirtschaft belasten Seen und Feuchtgebiete weltweit. Zur Eröffnung der internationalen Living Lakes Seenschutz-Konferenz forderten Experten verstärkte Maßnahmen zum Schutz der lebenswichtigen Ökosysteme. 50% aller Feuchtgebiete in Europa seien durch den zunehmenden Wasserverbrauch bedroht, so Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz.

Zwei Drittel aller europäischen Feuchtgebiete bereits zerstört

Diese Tatsache hat eine besondere Dramatik, da im vergangenen Jahrhundert zwei Drittel aller Feuchtgebiete in Europa bereits zerstört wurden. Seit 1985 hat die bewässerte landwirtschaftliche Fläche um 20% zugenommen.

Nur 38 % der Seen in Deutschland werden nach aktuellen Untersuchungen mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zum Jahr 2015 den in der EU Wasserrahmenrichtlinie angestrebten guten ökologischen Zustand erreichen.

Überhöhte Nährstoffzufuhr und die Zerstörung von Uferzonen sind wesentliche Ursachen für die starke Belastung der Seen in Deutschland. In Wassereinzugsgebieten überschneiden sich die europäische Politik zum Wasserschutz und die Naturschutzgesetzgebung.

Konferenz bringt Wasser- und Naturschutzexperten zusammen

„Deshalb ist es wichtig, dass Wasser- und Naturschutzbehörden sowie private Interessensvertreter in diesen Bereichen optimal zusammenarbeiten“, so Frau Jessel.

Von heute an bis zum 26. September treffen sich rund 250 Seenschützer aus 30 Ländern am Trasimeno-See in Italien. Sie stellen die kulturelle Bedeutung ihrer Seen vor und diskutieren Strategien, wie kulturelle und spirituelle Traditionen zum Schutz der Seen beitragen können. Die Auswirkungen des Klimawandels und Belastungen des wachsenden Anbaus von Energiepflanzen auf Seen und Feuchtgebiete sind weitere Schwerpunkte.

Neues Netzwerk in Italien - 14 % der Abwässer am Comer See ungeklärt

Varenna am Comer See
Am Comer See werden heute noch 14 % der Abwässer ungeklärt eingeleitet (Bild: Varenna am Comer See)

In Italien haben sich kürzlich zehn bedeutende Seen – darunter Trasimeno, Lago Maggiore und Comer See - zu dem nationalen Netzwerk Living Lakes Italien zusammengeschlossen. Ziel ist es, eine nachhaltige Entwicklung der Seenregionen zu fördern.

Die Seen sind zahlreichen Bedrohungen durch Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft, hohem Tourismusaufkommen und Verschmutzung durch Industrie und Haushalte ausgesetzt. „Selbst am Comer See im Norden Italiens fließen noch immer 14 % aller Abwässer ungeklärt in das Gewässer“, so Vittorio Dezza von der italienischen Umweltschutzorganisation Legambiente.

Internetseite des Global Nature Funds mit weiteren Informationen zum Living Lakes Netzwerk:
Global Nature Fund
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Derweißerabe, 12.03.2013 12:01:08
Feuchtgebiete sind schützenswert und bedroht. Dies ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist: Malaria.
In Zukunft wird Malaria als "Fluch der Feuchtgebiete" gelten.
Wie schon die Herkunft des Namens beweist - kommt das Wort doch von "mala aria", also "schlechtes Land"- hat ein Großteil humanpathogener Krankheiten seinen Ursprung in
Feuchtgebieten, angefangen von der Malaria, über das Dengue-Fieber, die Bilharziose, die Flussblindheit.
Auch die aviäre Influenza, eine der ältesten auch an den Menschen adaptieren Viruserkrankungen wird durch Feuchtgebiete gespeist, und es ist kein Zufall, dass auch die feuchtadaptierten Schweine mit infiziert wurden.
Dies soll nur vage andeuten, dass das Thema Feuchtgebiete durchaus zwiespältig ist und wie Vieles auf der Erde auch eine Schattenseite aufweist.

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