Forenbeitrag:

Politik
Brandenburger Alleenkonzeption ist ein Alleenvernichtungskonzept
17.08.2008 21:49:03 von Andreas_Steiner

Mein Leserbrief, den ich im Januar bei der Zeitschrift Neue Landschaft/Pro Baum (Ausgabe Juni 2008) eingereicht hatte, nimmt kritischen Bezug auf den zweiteiligen Artikel „Erhalt der grünen Tunnel - Ein nachhaltiges Alleenkonzept für Brandenburg“ der Autoren Reinhold Dellmann, amtierender Verkehrsminister von Brandenburg, und Landschaftsplaner Jochen Brehm.

Im Artikel werben die beiden Verfasser lang und breit für die neue Brandenburger Alleenkonzeption Strategie 21.
In diesem Forum möchte ich meinen Leserbrief einer breiteren Öffentlichkeit nachfolgend zur Verfügung stellen:

Nein zum neuen Brandenburger Alleenvernichtungskonzept!
Massiv umwerben Verkehrsminister Dellmann und Planer Brehm die Öffentlichkeit mit ihrer neuen Alleenkonzeption. Unterdessen laufen Fachleute Sturm gegen dieses „Alleenvernichtungskonzept”, das unter dem Deckmäntelchen eines nachhaltigen modernen Alleenschutzes agiert. Denn im Zuge einer konsequenten Umsetzung der Strategie 21 wird der Schutzstatus nicht mehr vollständig geschlossener Brandenburger Alleen, unabhängig von ihrer Vitalität, aufgehoben. Ein Freifahrtschein für Fällungen. Um dies zu erreichen, werden regressive Eingriffe ins Brandenburger Naturschutzgesetz nötig sein, so die Entwertung des § 31 BbgNatSchG und des Alleenrunderlasses.

Die negativen Folgen für Landschaftsbild und Naturhaushalt sind offensichtlich. Allerdings wird das den Zielen der EU-Konvention zum Schutz und der Gestaltung der Landschaft und dem länderübergreifenden Schutzgebietssystem Natura 2000 (Alleen als Teile von Biotopverbundsystemen) zuwider laufen.

Die Strategie 21 wurde konzipiert, um auf rigorose Weise den Kostenaufwand für Einzelbaumbetrachtungen und Pflegemaßnahmen zu minimieren. Zugleich will man sich Nachpflanzungen innerhalb von Alleen ersparen. Um dafür den Boden zu bereiten, operieren die Verfasser mit Halb- und Unwahrheiten. So wird das Zerrbild von überalterten Alleenbeständen gezeichnet. Ins Reich der Märchen gehört auch die These, dass Lückenpflanzungen verkümmern. Denn gerade durch zeitnahe Nachpflanzungen können Lücken aufgefüllt und nach Jahren eine optisch harmonische Alleenstruktur geschaffen werden.
Wunschdenken ist die in der Alleenkonzeption angestrebte homogene Altersstruktur, welche man mit Begründung neuer Alleen durch gleichaltrige Jungbäume dauerhaft erreichen möchte. De facto wird es aber im „Leben einer Allee” stets Baumausfälle geben, die zeitnah ersetzt werden müssten.
Will das Land Brandenburg effektiven Alleenschutz glaubwürdig betreiben, so muss es dafür konsequenterweise ein größeres Budget bereit stellen. Alles andere sind reine Täuschungsmanöver.

Alte Alleen, das Markenzeichen Brandenburgs, sind als kulturelles Erbe zu pflegen und vor Umweltbelastungen weitgehend zu schützen. Ich fordere die Landesregierung auf, die Strategie 21 grundlegend zu überarbeiten!

Dr. Andreas Steiner (Grüne Liga Brandenburg, Barnimer Baumschutzstammtisch)

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