Forenbeitrag:

Artenschutz Wald
Zerstörung à la Amazonien vor der Haustür - Holzkraftwerk Eberswalde profitiert
07.08.2008 23:31:55 von Andreas_Steiner

Quelle: http://www.bar-blog.de/2008/08/06/zerstoerung-a-la-amazonien-vor-der-haustuer-holzkraftwerk-eberswalde-profitiert/

Autor: Dr. Andreas Steiner
GRÜNE LIGA Brandenburg

Am letzten Wochenende sind der Dendroentomologe Georg Möller und ich im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin auf ein fürchterliches Biotopholz-Gemetzel gestoßen.
Im Revier Eichheide (Zentrale Schorfheide) lagern am Rande der Forstwege schätzungsweise über 2000 Kubikmeter „Plünderholz“ in Holzpoltern. Schwerpunktmäßig handelt es sich um Biotopholz.. Es wurde nach einem klassischen Muster, dem “Entrümpelungshieb”, in einer unerträglich rücksichtslosen, mit den Erfordernissen des Kulturlandschaftsschutzes bzw. des Naturschutzes nicht vereinbaren als auch in einer absolut nicht abgestimmten Form gewonnen und soll nun dem Holzkraftwerk Eberswalde (HoKaWe) zugeführt werden.

Vieles davon stammt sicherlich von zahlreichen neu angelegten Rückegassen, die den Wald zerschneiden und teilweise tiefe Furchen im Waldboden hinterlassen haben. Wir erlebten einen erschreckenden Anblick der Verwüstung!
Das Revier Eichheide ist ein FFH-Gebiet bzw. Naturschutzgebiet, welches eine Heimstätte für dutzende Urwaldreliktarten, wie Heldbock (Cerambyx cerdo), Eremit (Osmoderma eremita) Hirschkäfer (Lucanus cervus) und Körnerbock (Megopis scabricornis) bietet. Hier wurde das einzige aktuell bekannte Vorkommen des Körnerbockes im gesamten norddeutschen bzw. mitteldeutschen Raum belegt. Der bis 5,5 cm große Käfer ist eine nach Artenschutzgesetz besonders und streng geschützte Art.
Auf den Poltern lagern Biotopbäume, die nachweislich vom Körnerbock besiedelt worden sind (das Foto zeigt Georg Möller vor einem solchen Holzpolter, wie er auf einen vom Körnerbock besiedelten Stamm zeigt).
In der Nacht beobachteten wir die Eiablage von vier Weibchen des Körnerbockes in die Polter. In einer der für das “Krematorium” “aufgebahrten” hohlen Eiche haben wir sogar ein lebendes Eremiten-Männchen gefunden.
Eine Vielzahl Beweisfotos von den Holzpoltern wurden gemacht und den zuständigen Behörden und Naturschutzverbänden zur Verfügung gestellt.
Aus rechtlicher Sicht darf das geplünderte Holz auf keinen Fall vollständig ins Heizkraftwerk. Ein großer Teil mit hoher Wertigkeit als Lebensraum gefährdeter Arten muss zurück ins Gelände und dort sorgfältig gelagert werden. Entweder wieder aufrecht als Pyramide oder aufrecht eingegraben.
Neben der widerrechtlichen Nutzung von Biotopholzstämmen kritisieren wir die verschwenderische Nutzung von wertvollem Stammholz, welches ebenfalls als Brennholz an das Holzkraftwerk Eberswalde geliefert werden soll. Diesbezüglich stellt sich die Frage, ob die bis über 50 cm dicken Stämme nicht in Form einer sinnvolleren Nutzung der Holz-, oder zumindest der Papierindustrie, zugeführt werden sollten.
Es drängt sich der Eindruck auf, dass auf politische Weisung der „Heißhunger“ des Holzkraftwerkes Eberwalde befriedigt werden soll. Dies nicht zuletzt auf Kosten des globalen Kohlenstoffhaushaltes. Die positive Selbstdarstellung unserer Landesforstverwaltung in Bezug auf die Umsetzung einer ökologisch nachhaltigen Waldbewirtschaftung wirkt angesichts dieser massiven Übernutzung des öffentlichen Waldes wie ein groß angelegtes Täuschungsmanöver. Von einer vorbildlichen Bewirtschaftung kann keine Rede mehr sein.
Sehr zeitnah haben jetzt zwei Verwaltungen, das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin und die Abteilung Forst- und Naturschutz des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg (MLUV), begonnen, sich mit dem Fall zu beschäftigen.
Gemeinsam mit den Naturschutzverbänden wird die Erstattung einer Anzeige in Erwägung gezogen als auch eine Presse-Großaktion und Protestkundgebung geplant.

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