NABU fordert rote Karte für Recyclingpreller

02.11.2005 - Quelle/Text: Naturschutzbund Deutschland e.V.

Der Naturschutzbund NABU sieht den Fortbestand der erfolgreichen Wertstoffsammlung in Deutschland bedroht. In stetig steigendem Umfang versuch(ots) en Teile des Handels sich ihrer Pflichten aus der Verpackungsverordnung zu entledigen.

"In immer mehr Punkten wird versucht, die Regelungen der  Verpackungsverordnung zu unterlaufen", so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Er kritisierte in diesem Zusammenhang die Praxis einiger Handelsketten, sich aus den dualen Systemen zu verabschieden: "Die  sogenannte Selbstentsorgung führt zu einer Verunsicherung der  Verbraucher sowie zu einer deutlichen Reduzierung der Menge  zurückgenommener Verpackungen."



Selbstentsorger geben zu hohe Verwertungsmengen an

Als Ersatz für die Rücknahme eigener Verpackungen würden sich diese Selbstentsorger Verwertungsmengen zurechnen, die angeblich bei gewerblichen Großverbrauchern anfallen, etwa in Gefängnissen, Krankenhäusern und anderen geschlossenen Anstalten. "Das ist so absurd, als würde ein Bürger im Winter seine Streupflicht mit der Begründung vernachlässigen, dass er einen Nachbarn kenne, der im Sommer den Rasen doppelt so oft sprengt wie nötig. Das Ziel der Verpackungsverordnung ist nicht Quotenhandel mit Abfällen, sondern eine funktionierende Wertstoffsammlung in Deutschland."

Vorwurf: Verbraucher werden nicht aufgeklärt - der Gewinn eingestrichen - die Sammlung und Recycling geht zu Lasten des dualen Systems

Bei Kontrollkäufen der Berliner Unternehmensberatung Berndt & Partner in Filialen von Drogeriemärkten in elf Bundesländern festgestellte Mängel, hat der NABU nun zum Anlass genommen, sich schriftlich an die zuständigen Landesumweltminister zu wenden.

In verschiedenen Filialen der Drogeriemarktketten Schlecker, Rossmann und Müller - die alle als Selbstentsorger agieren - war festgestellt worden, dass die vorgeschriebene Information der Verbraucher gar nicht mehr geleistet wird. "Wir befürchten, dass es sich bei den in den stichprobenweise ausgesuchten Filialen vorgefundenen Verhältnissen nicht um Einzelfälle handelt. In der Summe führt dies dazu, dass Sammlung und Recycling dieser Verpackungen ohne Bezahlung von dualen Systemen übernommen werden müssen.", so Miller: "Die Selbstentsorger versuchen so, sich auf Kosten anderer Erfassungssysteme und letztlich auf Kosten der Verbraucher vor der Belastung zu drücken. "Wir fordern die Länder daher auf, den "Recyclingprellern" endlich klar die rote Karte zu zeigen."

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thimmi, 03.12.2005 14:44:52
Nur leider interessiert dieses das Umweltministerium und auch das Duale System nicht. Nicht nur Drogerieketten werden Selbstentsorger auch Hersteller versuchen auf diesem Weg Geld zu sparen. Ich versuchte eine Verpackung einer Sonnenschutzmilch in der Apotheke abzugeben, da sich der Hersteller plötzlich aus dem Dualen-System zurückgezogen hat (Ladival). Der Apotheker wusste gar nicht, dass er zur Rücknahme verpflichtet ist. Ladival gab mir auf schriftliche Nachfrage eine Fehlauskunft, ich könnte die Verpackung noch immer in den gelben Sack entsorgen. Das darauf informierte Umweltministerium in Bonn verwies mich ohne Angabe einer Adresse an das zuständige Amt des Bundeslandes wo der Hersteller ansässig ist. Und das Duale System schrieb den Hersteller zwar an, gab sich aber mit einer Entschuldigung zufrieden. Also selbst wenn wir Verbraucher darauf achten und versuchen die Regeln einzuhalten werden wir mit dem Problem alleine gelassen. Die Schriftverkehre habe ich als schlechtes Beispiel aufgehoben.
thimmi
Christoph, 07.12.2005 23:10:54
Hier helfen meiner Meinung nach eigentlich nur gesetzliche Regelungen. Es ist doch klar, dass man seinen Müll zu Hause entsorgt, oder?

Ich habe meinen Müll noch nie, allen Ratschlägen zu trotz, direkt im supermarkt entsorft.

Wie es mit dem Dualen System nach der Übernahme durch einen Investor weitergeht, bleibt aber auch abzuwarten. Weiß hier jemand etwas?

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