Die Nutzung des "Urwaldretters" Recyclingpapier geht zurück

21.10.2005 - Quelle/Text: Greenpeace Magazin

Von jährlich 200 Millionen verkauften Schulheften in Deutschland sind nur noch fünf Prozent aus Recyclingpapier hergestellt. Vor 15 Jahren lag der Recyclinganteil bei Schulheften dagegen noch um die 70 Prozent.

Irreführende Label für Einbruch verantwortlich

Zweitklässler beim Schreiben
Für die Schule wird viel Papier benötigt. Schulhefte aus Altpapier könnten den Druck auf die Urwälder reduzieren.

Branchenkenner führen diesen heftigen Einbruch auf irreführende Label wie etwa "Aqua Pro Natura / Weltpark Tropenwald" zurück, die Umweltverträglichkeit nur vorgaukeln. Zudem gilt Recyclingpapier offenkundig gerade bei Schülern nicht mehr als angesagt. Dabei kosten die mit dem "blauen Engel" gekennzeichneten Recyclinghefte nicht mehr, sind qualitativ ebenso gut und helfen vor allem, Urwälder zu schützen.

In Nordfinnland wird wieder in Urwäldern eingeschlagen

Trotz heftiger Proteste wird seit Sommer in Europas letzten Urwäldern wieder eingeschlagen. Das Holz aus Nordfinnland gelangt auch auf den deutschen Markt - als Schulhefte, Kopierpapier, Werbeprospekte oder Zeitschriften. Wie Recherchen des GREENPEACE MAGAZINS ergaben, erwenden zum Beispiel "Der Spiegel" nur fünf Prozent Altpapier, "Max" und "Natur&Kosmos" gar keines.

Deutshcland großer Abnehmer von Papier aus Finnland

Als Abnehmer von 18 Prozent des finnischen Papiers ist Deutschland ein Motor der Urwaldzerstörung. "Nur wer Produkte aus Recyclingpapier und FSC-zertifiziertem Holz kauft, kann sichergehen, dass darin kein Urwaldholz enthalten ist", stellt Oliver Salge klar, Waldexperte bei Greenpeace.

Marktanteil bei Schulmaterialien steigt wieder leicht

Bei Schulmaterialien steigt der Marktanteil von Zeichenblöcken, Ringbüchern und Heften aus Recyclingpapier inzwischen wieder leicht an. Paul Königsmann von Venceremos, dem Marktführer in diesem Segment, freut sich über die Trendumkehr: "Die Leute müssen noch mehr Druck machen, damit Recyclingprodukte überhaupt erst wieder im Regal landen. Das hilft nicht nur uns Herstellern, sondern vor allem dem Wald."

Kommentieren Sie diesen Eintrag!
HTML und sonstiger Code wird automatisch gelöscht - desweiteren wird der Text nach 4000 Zeichen abgeschnitten. Einfache Zeilenumbrüche werden dargestellt!
Um Beiträge zu schreiben, bitte hier anmelden!
Chris, 21.10.2005 15:20:12
Soweit jetzt Feststellungen über den Rückgang der Verwendung von Recyclingpapier getroffen wurden, muss nun eine Kampagne mit Ständen vor allem zur kommenden Weihnachts-Einkaufszeit gestartet werden! Die Umweltkatastrophen der letzten Zeit könnten da unterstützend wirken, auch wenn das zynisch klingt. Die Aufklärung darf nicht nur an Mitglieder von Umweltschutzorganisationen beschränkt sein. Bsp.: Ich selbst war vor einiger Zeit als Mitglied förderndes Mitglied einer Umweltschutzorganisation gebeten worden, in eine Datenbank alle mir bekannten Stellen einzugeben, die Recyclingpapier verkaufen. Da kam nicht viel zusammen. Z.B. verkaufen auch Ökoläden überhaupt kein Recyclingpapier, was sie doch tun könnten. Andere Teile der Bevölkerung haben von dieser Datenbank überhaupt nichts gewußt. Ich selber würde mich auch ehrenamtlich an einem Tag in der Woche beteiligen, ich meine wir alle zusammen könnten was leisten.
Christoph, 21.10.2005 17:04:33
Es ist richtig, dass hier unbedingt etwas geschehen muss: Selbst Briefumschläge aus Recyclingpapier erhält man nur noch schwer!

Offensichtlich ist die Bevölkerung aber noch nicht ausreichend für das Thema sensibilisiert und auch die Umweltschützer selbst fragen nach Umweltpapier nicht regelmäßig genug nach. Man muss die Einzelhändler unter Druck setzten bzw. sie auf die eigenen Wünsche aufmerksam machen, wenn man etwas erreichen will.

Ich habe jedenfalls bei meiner eigenen Recherche nach Briefumschlägen aus Recyclingpapier nur welche bei Karstadt (Mitglied der Recyclingpapier-Initiative) gefunden. Dort konnte man auch Recyclingpapier mit 80 Weiße zum gleichen Preis, wie weißes Papier erstehen.

Aber auch dort kommt der Umschwung nicht von ungefähr: Robin Wood e.V. hatte hier letztes Jahr eine Kampagne gefahren!

© Umweltschutz-NEWS.de - Eine Seite des UmweltschutzWeb.de-Netzwerks

startseite