Emissionshandel auf Luftverkehr ausgeweitet

30.09.2005 - Quelle/Text: EU-Kommission (Vertretung in Deutschland)

Die Europäische Kommission hat heute einen Plan zur Eindämmung der Treibhausgasemissionen im Luftverkehr vorgelegt. Die Betreiber von Flugzeugen sollen in das EU-System für den Handel mit Treibhausgasemissionen eingebunden werden.

Boeing von Ryanair
Boeing von Ryanair: Billigflieger sorgen für mehr Verkehr über den Wolken

Bei diesem System wird eine Gesamtmenge von Treibhausgasemissionen festgelegt, innerhalb derer die Beteiligten nach Bedarf Emissionszertifikate kaufen und verkaufen können. Somit könnte ein stetiger Anreiz für Luftfahrtunternehmen geschaffen werden, ihre Emissionen zu minimieren.

Flugzeuge sind eine bedeutende und wachsende Quelle von Treibhausgasemissionen, die zur globalen Erwärmung führen. So verursacht zum Beispiel ein Hin- und Rückflug von Amsterdam in das thailändische Urlaubsgebiet von Phuket wesentlich mehr Kohlendioxid (CO2) als ein durchschnittlicher Neuwagen in einem ganzen Jahr.

Luftfahrtunternehmen sollen an Reduzierung der Treibhausgase mitarbeiten

Dazu erklärte der für Umwelt zuständige EU-Kommissar Stavros Dimas: „Der derzeitige Boom im Luftverkehr führt zu einem raschen Anstieg der Treibhausgasemissionen. Durch die Ausweitung des Emissionshandels auf den Luftverkehr lassen sich diese Emissionen begrenzen und es kann gewährleistet werden, dass der Luftverkehr wie andere Sektoren einen Beitrag zur Reduzierung der schädlichen Treibhausgase leistet. Durch den Emissionshandel können die Luftfahrtunternehmen dieses Ziel außerdem zu den geringstmöglichen Kosten erreichen.“

Vizepräsident Jacques Barrot, EU-Kommissar für Verkehrsfragen, fügte hinzu: „In der Luftverkehrsbranche wächst der Konsens, dass der Emissionshandel der beste Weg zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen ist”.
 

Aus Sicht der Kostenwirksamkeit beste Lösung

Lufthansa-Flugzeug beim Start vom Düsseldorfer Flughafen
Alle Flüge innerhalb und von der EU sollten erfasst werden

Auch unter Berücksichtigung von Fragen der Kostenwirksamkeit stellt nach Auffassung der Kommission eine Einbeziehung des Luftverkehrs in das EU-Emissionshandelssystem die beste Lösung dar, um die Emissionen aus diesem Sektor einzudämmen. Bei der Ausarbeitung ihrer Strategie prüfte die Kommission verschiedene andere marktorientierte Lösungen, einschließlich der Besteuerung von Flugtickets, Startgebühren und Emissionsabgaben. Sie kam jedoch zu dem Ergebnis, dass diese Lösungen entweder weniger effektiv im Hinblick auf den Umweltschutz oder weniger kostenwirksam sein würden.

Durch das Emissionshandelssystem, das derzeit etwa 11 500 Industrieanlagen einbezieht, können die beteiligten Unternehmen ihre CO2-Emissionen auf die kostenwirksamste Weise verringern. Jeder Betreiber erhält eine begrenzte Anzahl von Emissionszertifikaten, die einen ständigen Anreiz darstellen, die Emissionen möglichst gering zu halten. Diese Zertifikate können auf dem Markt gehandelt werden und geben den Betreibern ausreichend Flexibilität bei der Wahl des für sie kostengünstigsten Wegs zur Eindämmung ihrer Emissionen. Die Einbeziehung des Luftverkehrs in das System würde es den Luftfahrtunternehmen gestatten, von diesem kostenwirksamen Konzept zu profitieren und in einem erweiterten Markt gemeinsam mit Industrieunternehmen und anderen Luftfahrtunternehmen je nach Bedarf mit Emissionszertifikaten zu handeln.

Aus ökologischer Sicht sollte das System nach Auffassung der Kommission alle Emissionen von allen Flügen einbeziehen, die von der EU ausgehen, sei es nach einem Zielort in der EU oder in einem Drittland. Unternehmen aus der EU und aus Drittländern würden dabei gleich behandelt.

Erwartete Auswirkungen auf Flugpreise gering

Nach vorläufigen Schätzungen aufgrund von Modellierungen dürften die Auswirkungen auf die Preise der Flugtickets nur gering sein, d.h. zwischen Null und einer Verteuerung von bis zu 9 € je Hin- und Rückflug. Unter diesen Voraussetzungen würde die Nachfrage im Luftverkehr lediglich etwas geringer steigen als bisher erwartet. Die Auswirkungen auf den Tourismus oder Gebiete in Randlage mit starker Abhängigkeit vom Luftverkehr dürften sehr begrenzt sein.

Die Kommission fordert das Europäische Parlament und den Rat auf, sich ausführlich zu der Mitteilung zu äußern. Die Kommission wird außerdem im Rahmen des Europäischen Programms zur Klimaänderung eine Arbeitsgruppe von Sachverständigen aus den Mitgliedstaaten und Beteiligten einsetzen, die sich mit bestimmten Fragen detailliert auseinandersetzen und im kommenden Jahr Bericht erstatten soll. Die Kommission wird anschließend einen Vorschlag für eine Rechtsvorschrift zur Überarbeitung des Emissionshandelssystems vorlegen. Dabei soll eine volle Abstimmung mit der allgemeinen Revision des Emissionshandelssystems gewährleistet werden, die Mitte 2006 ansteht. Der Beginn der Beteiligung des Luftverkehrs am Emissionshandelssystem hängt davon ab, wie bald die betreffende Rechtsvorschrift verabschiedet und umgesetzt werden kann.

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