UN-Bericht: Bio-Treibstoffe machen Lebensmittel teurer

18.05.2007 - Quelle/Text: pressetext.at

Ein Bericht der UN Energy zum Thema Biotreibstoffe sorgt für Schlagzeilen. Die internationale Organisation warnt darin vor einer Verteuerung der Lebensmittel, wenn die Nachfrage nach biogenen Treibstoffen weiter ansteigt.

Im Bericht "Sustainable Energy: A Framework for Decision Makers" wird auch darauf verwiesen, dass der Preis für Mais wegen der steigenden Nachfrage nach Biokraftstoffen innerhalb eines Jahres deutlich angestiegen ist.

Zweischneidiger Effekt auf Nahrungsmittel

Reifer Mais auf einem Feld
Der Mais-Preis ist in den vergangenen Jahren auch aufgrund seiner Nutzung als Biotreibstoff gestiegen.

Der Bericht warnt davor, dass die steigende Nachfrage einen zweischneidigen Effekt auf Nahrungsmittel haben werde. Auf der einen Seite würden, um solche Pflanzen anbauen zu können, Land, Wasser und andere Ressourcen ausschließlich für die Biokraftstoffe und in geringerem Ausmaß für die Nahrungsmittelproduktion verwendet.

Auf der anderen Seite könnten mehr Nahrungsmittel als Treibstoff-Rohstoffe Verwendung finden. Der Bericht ruft zu einer nachhaltigen Herstellung von Biotreibstoffen auf.

Regelung zur Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen wird in Deutschland und den Niederlanden erarbeitet

"Die Konkurrenz von Nahrungsmitteln und Biotreibstoffen ist ein gerechtfertigtes Argument", meint Ronny Winkelmann, Experte für Biofuels bei der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe FNR. Das gelte natürlich in erster Linie für jene Staaten, in denen Nahrungsmittel ohnehin knapp sind. "In Europa wird Wert darauf gelegt, dass dies nicht passiert." Eine Regelung zur Nachhaltigkeit gebe es bis dato aber auch noch nicht. "Daran wird in Deutschland und in den Niederlanden gerade gearbeitet", meint Winkelmann.

Kein allgemein negatives Zeugnis für Bioenergien 

Der UN-Energy-Bericht stellt den Bioenergiequellen aber nicht allgemein ein negatives Zeugnis aus: "Die derzeitigen Forschungsergebnisse kommen zum Schluss, dass die Verwendung von Biomasse für den kombinierten Einsatz von Wärme und Energieerzeugung eine der besten Optionen zur Verhinderung der Treibhausgase ist. Zudem ist dies auch noch eine billige Variante", heißt es in dem Bericht.

Bei den Fahrzeug-Kraftstoffen ist der Bericht allerdings etwas kritischer - insbesondere wenn es um die ehrgeizigen Ziele in der EU und in den USA geht, die Biotreibstoffe als einzige Möglichkeit sehen, eine Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Treibstoffen zu erreichen.

Internationale Biotreibstoff-Zertifierung als Lösung vorhandener Probleme

Straße im Regenwald
Der Druck auf die Regenwälder nimmt durch die hohe Palmöl-Nachfrage zu.

Die einzige Möglichkeit, hier Einhalt zu gebieten, wäre die Schaffung einer internationalen Biotreibstoff-Zertifizierung. Diese sei auch deshalb dringend nötig, weil die weltweite Produktion von diesen Treibstoffen sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt hat und sich wahrscheinlich in den kommenden vier Jahren noch einmal verdoppeln wird.

Lateinamerika: Primärregenwälder werden für Biotreibstoffe gerodet

Am schlimmsten fällt diese Bilanz vor allem dann aus, wenn zur Herstellung "umweltfreundlicher Treibstoffe" Primärwälder gerodet und Monokulturen angelegt werden. "Das betrifft etwa Brasilien, das seit Jahren auf Ethanol aus Zuckerrohr setzt", so Winkelmann. Zuckerrohr habe in Brasilien eine hohe Flächenergiebigkeit und sei auch im Produktionsverfahren sehr günstig. "Nützt man bestehende Zuckerrohr-Plantagen, ist die CO2-Bilanz durchaus gut."

Das sei allerdings definitiv nicht der Fall, wenn tropische Regenwälder einer Plantage weichen müssen. Es sei dringend notwendig, auch für die Herstellung von Biokraftstoffen Nachhaltigkeitsaspekte zu erarbeiten, subsumiert Winkelmann. Diese müssen nicht nur eine nachhaltige Flächenbewirtschaftung, sondern auch soziale Aspekte berücksichtigen.

Auswirkungen auch auf die Ressource Wasser 

Der UN-Bericht nimmt schließlich auch noch Bedacht auf den globalen Wasserverbrauch. Die immer stärker wachsende Weltbevölkerung und ihre Ernährungsgewohnheiten mit viel Fleisch und Milchprodukten verringern bereits jetzt die globalen Wasservorräte. Wenn zusätzlich noch mehr Pflanzen für die Biotreibstoffproduktion verwendet werden, könnte das die Wasserressourcen noch stärker bedrohen.

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avispero, 19.05.2007 02:25:03
Es wird höchste Zeit, dass der Anbau von Nutzpflanzen zur Gewinnung von Kraftstoff reguliert und zertifiziert wird. Zu befürchten steht nämlich, dass vor allem große Firmen für das schnelle Geld Raubbau auf Kosten anderer betreiben.
Nicht zuletzt der Versuch von Goeorg W. Bush, Barsilien für die Produktion von Kraftstoffen aus Ethanol aus Zuckerrohr zu gewinnen, muss unter diesem Aspekt gesehen werden.
coco, 22.05.2007 00:51:32
Der Raubbau in Brasilien zugunsten von Zuckerrohr für Ethanol ist wahrscheinlich längst getoppt von den Vorgängen in Indonesien, wo der Wald für Palmölplantagen in beängstigendem Tempo abgeholzt und niedergebrannt wird. Die ökologischen Folgen sind bis hierher klimarelevant. Schon unser Bedarf an billigem Palmöl für Lebensmittel, Waschmittel usw. war zu hoch für eine nachhaltige Produktion - der weltweite Durst auf Biofuel wird zur Katastrophe führen, zuerst auf Borneo, dann hier. Tempo und Einsatzfreude unserer Politiker, hieran ernsthaft etwas zu ändern, lassen Schlimmstes befürchten. Die Zeit läuft uns davon. Ohne jegliche Einschränkung weiterzuleben wie bisher, ist einfach unmöglich, denn diese Erde gibt´s nur einmal.
Camponi, 29.05.2007 15:56:04
Sehr interessant ist folgender Artikel, der zur Abwechslung mal ein anderes Bild auf die "Klimarettung" wirft: http://www.focus.de/politik/cicero-exklusiv/tid-5822/cicero-exklusiv_aid_57271.html Der letzte Absatz (S.4) nimmt auch dieses Thema mit auf.

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