Artenverarmung durch Biogas-Großanlagen

19.06.2006 - Quelle/Text: Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg e.V.

Aufgrund des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und seinen hohen Stromeinspeisevergütungen setzen immer mehr Landwirte auf Biogas. Die installierte Leistung an Biogasanlagen im Land hat sich in den letzten fünf Jahren vervielfacht - eine Tatsache, die auch den Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg e.V. freut.

Allerdings nimmt die Entwicklung einen Verlauf, der den Naturschützern die Sorgenfalten in die Stirn treibt. Denn durch Biogas-Großanlagen scheint die Artenvielfalt unserer Wiesen und Felder noch mehr als seither auf der Strecke zu bleiben!

Ausrichtung der Anlagen hat sich geändert: Heute wird für die Verbrennung angebaut

Maisfeld
Maisfeld: Wird unsere Agrarlandschaft in Zukunft zu Energiegewinnungszecken von Maisfeldern geprägt sein?

Früher wurden Biogasanlagen gebaut, um auf landwirtschaftliche Betriebe anfallende Reststoffe - insbesondere Gülle - energetisch zu nutzen.  "Nebenbei" wurde durch diesen Prozess aus der vorher aggressiven Gülle auch noch ein deutlich umweltverträglicherer Dünger.

Aufgrund der Stromvergütung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz lohnt es sich inzwischen jedoch, Biomasse in großem Maßstab speziell zur Energiegewinnung anzubauen.

Erste Erfahrungen mit solchen Großanlagen zeigen den Naturschützern allerdings, dass die Biomasseproduktion auf dem Acker zu einer noch intensiveren Bewirtschaftung führt. Denn angebaut werden zu diesem Zweck überwiegend besonders energiereiche Sorten von Mais und Zuckerrüben, welche andauernd eine starke Düngung und Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln erfordern.

Betrieb auf der Basis von Grünland besonders gefährlich für die Artenvielfalt

Margerite
Margerite: würde einer intensivierteren Landwirschaft für die Biogasproduktion zum Opfer fallen.

Noch dramatischer sind die Folgen für den Naturschutz, wenn Biogas-Großanlagen auf der Basis von Grünland betrieben und hierfür artenreiche, bislang wenig intensiv genutzte Blumenwiesen herangezogen werden sollen. Denn in diesen Anlagen lässt sich nur junges, saftiges Gras verarbeiten. Grünland, auf dem solches Gras gewonnen wird, muss folglich sehr früh und häufig geschnitten sowie stark gedüngt werden.

Dies vertragen nur sehr wenige Pflanzenarten, so genutzte Wiesen verarmen und haben kaum mehr einen Wert für den Naturschutz. Dort wächst dann keine Margerite, keine Glockenblume und kein Veilchen mehr!

Widerspruch zur FFH-Richtlinie

 Der Bau einer einzigen neuen großen Biogasanlage kann somit zu einer starken Artenverarmung auf Hunderten von Hektar führen. Nach EU-Recht (FFH-Richtlinie) stehen jedoch gerade viele solcher heute noch artenreicher Wiesen unter Schutz. Wie sich dieser Schutz mit den Nutzungsbedingungen einer Biogas-Großanlage vereinbaren lässt, ist bislang nirgends thematisiert und geregelt.

Regelungen im Rahmen des EEG gefordert

Der Landesnaturschutzverband fordert deshalb umgehend eine Korrektur des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Die Vergütung für Biogasstrom muss so gestaltet werden, dass eher kleine, auf den Einzelbetrieb angepasste Anlagen begünstigt werden, in denen hauptsächlich Gülle eingesetzt wird. Neue Biogas-Großanlagen dürfen nach Ansicht der Naturschützer nur dann genehmigt werden, wenn sie innerhalb von Natura- 2000-Gebieten nicht zu einer intensiveren Produktion führen. Beim Anbau von Energiepflanzen ist außerdem die Einhaltung einer Mindestfruchtfolge zu fordern.

Biogas-Großanlagen auch für Kraft-Wärme-Koppelung nutzen

Weiterhin setzt sich der LNV dafür ein, dass auch Biogas-Großanlagen vermehrt zur Kraft-Wärme-Koppelung eingesetzt werden. Platziert beispielsweise am Rande von Gewerbegebieten, können sie diese günstig mit Nahwärme versorgen. Auch die Einspeisung des (gereinigten) Biogases ins örtliche Gasnetz wäre eine Überlegung wert.

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Arpke, 02.07.2006 16:44:55
Was wollen die Umweltschützer schützen, wenn statt Biogas nur fossile Energien eingesetzt werden.
Wenn hier nichts mehr lebt, gibt es auch keine Arten mehr zu schützen.
Jörg Clement, 25.03.2007 12:49:21
Biogasanlagen sind sicherlich zu fördern, um Erntereste und Gülle nutzbringend anzuwenden. Eine landwirtschaftliche Produktion zur Erzeugung von Energie und auf Kosten des Anbaues von Nahrungsmitteln bzw. Naturgebieten ist nicht zukunftsorientiert und hat nichts mit Nachhaltigkeit zu tun, auch wenn die CO2-Bilanz dadurch verbessert würde.
Wir sehen hier bei uns aber nur die Spitze des Eisberges.
In den Ländern der 3.Welt boomt gerade der Anbau von Zuckerrohr zur Herstellung von "Bioalkohol". Das wird uns in der Zukunft noch erheblich zu schaffen machen.
Systemdenken ist eben nicht die Stärke von politischen Entscheidungsträgern.
Gruß
Jörg
Laura, 31.03.2007 17:59:42
Artenverarmung durch Biogas-Großanlagen, Abbrennen von Urwäldern für mit Palmöl betriebene Biokraftwerke - die Kehrseiten der mit viel Beifall propagierten angeblich umweltfreundlichen Anlagen, betrieben mit erneuerbaren Energien.
Ein durch das EEG (Erneuerbares Energiegesetz) subventionierter Wahnsinn auf Kosten von (noch) intakter Natur! Wer will und kann diesen Trend noch aufhalten???
coco, 22.05.2007 00:10:22
Kommentar zum Artikel von: Laura, 31.03.2007 17:59:42
Dieser Trend kann (vielleicht) nur noch aufgehalten werden, wenn wir, denen dies am Herzen liegt, uns wo immer wir können vernetzen, um an Protesten per E-mail usw. teilzunehmen, Politikern auf die Finger zu sehen und Mitmenschen zu informieren. Denn gemeinsam sind wir stark!
Hier leisten viele NGO´s gute Arbeit und reagieren aktuell mit "Mobilisierung".
Laura, 19.02.2008 17:02:41
Kommentar zum Artikel von: coco, 22.05.2007 00:10:22
Ich stimme zu: Vernetzung ist ein effizienter Weg, um zu reagieren und zu protestieren. Mit der Abkürzung NGO habe ich allerdings ein Problem - was bedeutet sie?
Laura, 03.03.2008 22:53:58
Kommentar zum Artikel von: Laura, 19.02.2008 17:02:41
NGO bedeutet lt. Wikipedia "Non-Government Organization, also "Nichtstaatliche Vereinigungen".

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