Bär macht Sorgen: Schnappauf gibt Braunbär zum Abschuss frei

22.05.2006 - Quelle/Text: World Wide Fund for Nature

Die Entscheidung des bayrischen Umweltministers Werner Schnappauf, den nach Bayern eingewanderten Braunbären zum Abschuss frei zu geben, wird vom WWF akzeptiert. Die Entscheidung beruhe auf Beratungen mit Wildbiologen und Bärenexperten, an denen sich auch Fachleute des WWF beteiligt haben. "Wir versuchen nach wie vor, das Tier lebend zu erwischen, die Chancen, dass das gelingt stehen aber eher schlecht", so Roland Melisch, Leiter des Bereichs Artenschutz beim WWF Deutschland.

Schnappauf: Bär muss aus "Sicherheitsgründen" getötet werden

Braunbär
Erstmals seit 170 Jahren wanderte ein Bär wieder nach Deutschland. Nun wurde er abgeschossen.

Erst am vergangenen Wochenende war bestätigt worden, dass ein männlicher Braunbär aus Tirol nach Bayern gewandert war - zum ersten Mal seit 170 Jahren. Berichte, dass das Tier Schafe und Hühner gerissen habe, zogen sofort Abschussforderungen nach sich. Daraufhin erklärte Bayerns Umweltminister am Montag Nachmittag, man müsse das Tier aus Sicherheitsgründen töten.

Abschuss in Ausnahmefällen gerechtfertigt 

Nach deutschem und europäischem Recht sind sowohl Bär als auch Wolf streng geschützt. Der Abschuss ist nur in strengen Ausnahmefällen erlaubt.
Bei einem Bären, der die Nähe des Menschen aktiv und häufig sucht, wie bei dem bayrischen Exemplar eindeutig der Fall, könne die Gefährdung von Menschen nicht mehr ausgeschlossen werden. Dieser hatte in der Nacht zum Montag zwei weitere Schafe gerissen und war anschließend in einen Hühnerstall in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen eingedrungen. Ähnliche Fälle habe es in Österreich bereits gegeben.

Bären-Managementplan in Österreich sieht Abschuss ebenfalls als letzte Maßnahme 

Der in Österreich vorliegende Bären-Managementplan sieht bei verhaltensauffälligen Bären als erste Maßnahme den Fang und die Besenderung des Tieres vor. Über diese Bärensender lässt sich das Verhalten des Bären besser verstehen und damit auch eine Risikoabschätzung zu möglichen Konflikten erstellen. Wenn der Standort des Tieres mittels Sender verfolgt werden kann, kann dem Bären in einer "Vergrämungsaktion" auch die natürliche Scheu vor dem  Menschen wieder anerzogen werden.

Der Abschuss eines Bären ist in jedem Fall erst dann vorgesehen, wenn diese Methoden erfolglos waren, oder nicht durchgeführt werden können. Im Nachbarland wurden 1994 "Problembären" in der Steiermark (Notwehr) und in Oberösterreich erlegt.

Erfolgsaussichten eines Fang- und Betäubungsversuchs gering

Neben dem Abschuss des Bären bestehe nach wie vor die Möglichkeit eines Fang- oder Betäubungsversuches. Die Erfolgsaussichten dafür seien nach Einschätzung des WWF jedoch gering. Nach wie vor habe der Bär Menschen gegenüber kein aggressives Verhalten gezeigt, die Häufung der Schäden zeige aber, dass ein konfliktfreies Nebeneinander von Mensch und Bär bei diesem Tier sehr unwahrscheinlich ist.

WWF fordert Bären-Managementplan

Der WWF bedauert, dass es sich beim ersten Bären in Deutschland um ein  verhaltensauffälliges Tier handelt. Es werde aber sicher nicht der letzte Bär sein, der über die Grenze  kommt. "Bayern muss sich besser vorbereiten", betont Roland Melisch. Der Freistaat brauche dringend einen Management Plan, der die Bevölkerung, vor allem Schäfer, Landwirte, Imker, Wanderer und  Förster auf einwandernde Tiere vorbereitet. Der WWF werde versuchen, sich mit bestem Know-how daran zu beteiligen. Im Prinzip fänden Braunbären auch in Bayern gute Lebensbedingungen vor.

Aktuelle Informationen auf den Seiten des Bayrischen Rundfunks:
BR: Schnappauf gibt Braunbären zum Abschuss frei
Dazu finden Sie auf unserer Website:
Das erste Mal seit 170 Jahren: Bär in Bayern unterwegs
Weitere Informationen beim World Wide Fund for Nature (WWF):
Internetseite des WWF
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Christoph, 25.05.2006 12:38:52
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bayerischer bär: gothaer übernimmt wildschäden / gefahren für menschen reduzieren / positive erfahrungen mit eingewanderten luchsen / naturschutz braucht management

23.05.2006 - 18:52 uhr, gothaer


köln (ots) - die gothaer übernimmt die durch den nach bayern
eingewanderten bären verursachten schäden bei wild und nutztieren.
"wenn man naturschutz ernst nimmt, braucht es geeignete mechanismen,
mit den dabei aufkommenden problemen umzugehen", sagt der
gothaer-vorstandsvorsitzende dr. werner görg. "wir wollen mit dem
angebot, für schäden aufzukommen, auch für mehr sicherheit sorgen.
niemand soll sich in gefahr bringen, weil er seine werte schützen
möchte", so görg weiter.

die gothaer bietet aktuell betroffenen revierinhabern und
nutztierhaltern wertersatz für vom bären gerissene tiere an.
voraussetzung ist ein nachweis, dass der schaden durch den jüngst von
Österreich aus eingewanderten bären entstanden ist. dies wird
unbürokratisch über den servicebereich jagd festgestellt.

als führender jagdversicherer in deutschland hat die gothaer
bereits bei der einwanderung von luchsen in die heimischen wälder
gute erfahrungen gemacht. "damals war die angst vor schäden in den
revieren und bei nutzviehhaltern ebenfalls groß", so klaus-eberhard
liese, leiter des bereiches jagd im gothaer konzern. "nachdem wir
gemeinsam mit dem landesjagdverband bayern dieses risiko übernommen
haben, hat die wiederansiedlung der luchse große fortschritte
gemacht".

"uns wäre es das liebste, wenn der bär am leben bliebe", so görg.
er weist aber darauf hin, dass die gothaer-jagdhaftpflicht vor den
hintergrund der abschussfreigabe durch die ministerien und
aufsichtsbehörden gegebenenfalls auch deckung für haftpflichtschäden
bei der bärenjagd bietet.

der gothaer konzern ist mit über 4 milliarden euro
beitragseinnahmen und rund 3,5 millionen versicherten mitgliedern
eines der größten deutschen versicherungsunternehmen und marktführer
in der jagdversicherung. angeboten werden alle versicherungs[+++++].
dabei setzt die gothaer auf qualitativ hochwertige persönliche
beratung der kunden. als versicherungsverein auf gegenseitigkeit hat
für den konzern der solidargedanke in der versichertengemeinschaft
besondere bedeutung.

Christoph, 25.05.2006 12:40:28
Weitläufiges Gehege für Braunbär im Wildpark Poing / Vertreter der Landesregierung, VIER PFOTEN, Stiftung für Bären und WWF heute vor Ort

24.05.2006 - 17:09 Uhr, Vier Pfoten - Stiftung für Tierschutz


Hamburg/Poing (ots) - Während des heutigen Pressegespräches im
Wildpark Poing präsentierten VIER PFOTEN - Stiftung für Tierschutz
und die Stiftung für Bären das Freigehege, das sie der Bayerischen
Landesregierung zur Unterbringung des nach Deutschland eingewanderten
Braunbären angeboten haben. Es liegt im Wildpark Poing und ist drei
Hektar groß. Das weitläufige Gelände ist abwechslungsreich
strukturiert. Neben einem großen Badesee bietet das Areal einen
Bachlauf sowie Wald- und Wiesenflächen.

Das Angebot von VIER PFOTEN und der Stiftung für Bären zur
Unterbringung des eingewanderten Bären bleibt bestehen, auch wenn
sich das Tier wieder aus Deutschland weg bewegt und beispielsweise in
Österreich gefangen werden sollte.

Manfred Wölfl, Koordinator für Großtiere in Bayern und Abgesandter
der Bayerischen Landesregierung in Wildtierfragen erklärte: "Wir sind
sehr dankbar, dass diese Vermittlung von VIER PFOTEN, der Stiftung
für Bären und auch dem Wildpark Poing zustande gekommen ist. Wir
wussten bisher nicht, dass hier ein so gut geeignetes Gehege gerade
entstanden ist. Wir sind sehr froh über dieses Angebot. Uns ist
wichtig, dass der erste bayerische Bär auch in Bayern bleibt."

Der anwesende Umweltsprecher des WWF Deutschland Christoph
Heinrich betonte: "Der WWF Deutschland zielt darauf ab, dass auch die
bayerischen Alpen in Zukunft dazu beitragen, im gesamten Alpenraum
eine größere, lebensfähige Bärenpopulation zu haben. Wir müssen uns
darauf einstellen, dass hin und wieder auch Bären Probleme bereiten.
Wenn das wie hier der Fall ist, dann möchten wir als Lösung immer den
Lebendfang. Dazu braucht man Gehege, die bärengerecht sind. Wir sind
froh, dass wir im Wildpark Poing ein solches Gehege zur Verfügung
gestellt bekommen haben."

Dr. Marlene Wartenberg, Geschäftsführerin von VIER PFOTEN -
Stiftung für Tierschutz, begrüßte die konstruktive Zusammenarbeit der
verschiedenen Partner: "Wir erleben hier ein sehr gutes
Zusammenwirken zwischen dem Artenschutz, dem Tierschutz und der
Landesregierung. Es ist ein Glücksfall, dass wir dieses schöne
Gelände hier zur Verfügung stellen können. Mit diesem Angebot
verbinden wir die Erwartung, dass nunmehr die Bemühungen der
Landesregierung, das Tier lebend zu fangen, deutlich intensiviert
werden."

Von der Stiftung für Bären erklärte Geschäftsführer Rüdiger
Schmiedel: "Wir sind glücklich über die Zusammenarbeit zwischen
Landesregierung, WWF, VIER PFOTEN und Stiftung für Bären und freuen
uns hier eine Lösungsmöglichkeit anbieten zu können. Als Partner vom
Wildpakt Poing waren wir auch bei der verhaltensgerechten Einrichtung
dieser Bärenanlage beratend tätig."
sven thanheiser, 27.05.2006 17:08:09
WWF!WWF!WWF! Dabei sollte man nicht vergessen, daß die "Bärenanwälte" des WWF Österreich diejenigen waren, die ausweislich eines Briefes des Bayerischen Staatssekretärs Bernhard an mich den Unsinn vom Problembären in die Welt gesetzt haben! Als Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Int. Artenschutz des NABU habe ich der Bayerischen Verwaltung eine Strafanzeige angedroht, sollte der Bär abgeschossen werden. Dabei wird auch über den Unsinn vom Problembären zu sprechen sein. Die Schweizer Klassifizierung ordnet den Bären als niedrigschwelligen Schadbären ein. Treppenwitz: Auf der Homepage des Bayer. Umweltminsiteriums wird die von Tierparkdirektor Henning Wiesner und mir vorgeschlagene Immobilisierung des Tiers von "österreichischen" Experten (!) als nicht machbar eingestuft, weil man dazu 30m an den Bären herankommen müßte. Also was nun: Ist er nun für den Menschen gefährlich oder doch so scheu! Ein Possenspiel - in der Rechtsbehelfsbelehrung der Abschußerlaubnis heißt es, daß man Widerspruch einlegen darf. Ob's der Bär lesen wird? Umweltverbände haben in Bayern kein Widerspruchsrecht. Höchste Zeit, daß man selbsternannten Spezialisten das Handwerk legt. Daß Bayern am "Tag des Artenschutzes" den ersten Bären nach 170 Jahren erlegen will, ist nur noch peinlich! Hoffen wir auch im Interesse des Jägers, der auf die Rechtmäßigkeit des Erlasses -den man in seiner ganzen Insuffizienz unter www.stmugv.bayern.de nachlesen kann- verläßt, daß es nicht zum Abschuß kommt. Es drohen 5 Jahre Haft...
baer1, 26.06.2006 14:25:28
Ich hoffe die Verantwortliche für die sinnlose Ermordung des Bären bekommen die Höchststrafe von 5 Jahren!
Es ist purer Zynismus den Bären jetzt ausgestopft in ein Münchner Museum zu stellen. Da ich mit Vornamen Bernhard heiße bin ich mir in Bayern nicht mehr sicher und werde (obwohl seit 30 Jahren) jetzt nicht mehr Urlaub in Bayern machen und werde auch alle meine Bekannten davor warnen. Ich möchte doch nicht ausgestopft in einen Münchner Museum stehen.

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