Kraftwerke ohne Treibhausgase: CO2-Einlagerung als Zwischenlösung

16.10.2006 - Quelle/Text: pressetext.at

Um den stetig wachsenden CO2-Ausstoß auf der Erde einzudämmen, sind Forscher auf die Idee gekommen, das Treibhausgas abzuscheiden und einzulagern. Was wie eine utopische Lösung klingt, ist von Forschern des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI sowie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe nun erstmals hinsichtlich der Kosten und der Machbarkeit untersucht worden.

Das Fazit: Die Technik kann zu vertretbaren Kosten einen Beitrag zum Klimaschutz liefern, Fragen nach Speicherstandorten, Akzeptanz und Genehmigungsrecht sind aber noch offen. Die Forscher betonen aber auch, dass diese Methode nur eine Übergangslösung sei bis Erneuerbare Energiequellen ausreichend zur Verfügung stehen.

Machbarkeit von Großkraftwerken untersucht

"Wie haben die theoretische Machbarkeit von Großkraftwerken mit Leistungen von 300 MW und größer untersucht", so Projektleiter Peter Radgen vom Fraunhofer ISI im pressetext-Interview. Dabei haben die Wissenschaftler sowohl Kohle-Vergasungs- als auch klassische Verbrennungs-Kraftwerke genauer unter die Lupe genommen.

Einlagerung am Kraftwerksstandort meist unmöglich

"Natürlich wäre es der optimale Fall, wenn man direkt am Kraftwerksstandort das CO2 einlagern könnte", meint der Forscher. Das werde allerdings in den meisten Fällen unmöglich sein. "Für den Transport des CO2 sind Pipelines erforderlich."

Kein Allheilmittel: Kraftwerke haben einen um ein Drittel höheren Verbrauch

Radgen betont im Interview, dass es sich um eine interessante Brückentechnologie handle, um die Treibhausgas-Emissionen in den nächsten 20 bis 50 Jahren deutlich zu reduzieren, bis regenerative Energiequellen wie Photovoltaik, Wind oder Biomasse ausreichend verfügbar sind. "Ein Allheilmittel ist diese Methode aber nicht, da die Kraftwerke mit CO2-Abscheidung ein Drittel mehr Kohle oder Erdgas verbrauchen und deshalb kein Fortschritt in Richtung einer nachhaltigen Energieversorgung sind."

Frühere Öl- und Gasfelder als optimale Speicherplätze

"Optimale Speicherplätze für CO2 wären ehemalige Öl- und Gasfelder sowie salinare Aquifere", erklärt Radgen. Dort gebe es genügend Raum. "Solche Großkraftwerke produzieren zwischen einer und fünf Mio. Tonnen CO2 jährlich. Wenn man von einer Lebensdauer von 40 bis 50 Jahren ausgeht, macht dies 300 Mio. Tonnen aus", so der Experte.

Speichermöglichkeiten für CO2 sind nach Untersuchungen der BGR vor allem in Norddeutschland zu erwarten. Die Eignung und das Aufnahmevermögen einzelner Untergrundstrukturen seien allerdings noch nicht bekannt.

Kosten für Abschneidung derzeit doppelt so hoch wie Zertifikatepreis

"Rechnet man alle Kosten wie Abscheidung, Transport und Lagerung zusammen, kostet die Vermeidung einer Tonne CO2 etwa 40 Euro und damit etwa doppelt so viel, wie die Betreiber von herkömmlichen Kraftwerken für Verschmutzungsrechte im Emissionshandel zahlen müssen." Die Experten gehen aber davon aus, dass die Emissionszertifikate teurer werden dürften.

Erstes Kraftwerk könnte konkurrenzfähig sein

Radgen meint, dass das erste große CO2-freie Kraftwerk, das 2014 in Betrieb gehen soll, konkurrenzfähig sein könnte. "Ob CO2-freie Kraftwerke jedoch wirtschaftlich sind, hängt vom Vergleichsmaßstab ab. Trotz der aufwändigen Technik sind sie derzeit deutlich günstiger als regenerative Energieerzeuger wie Photovoltaik oder Wind", subsumieren die Forscher.

Rechtliche Fragen offen 

Ein weiteres Problem stelle auch die Frage nach den rechtlichen Fragen der CO2-Abscheidung und -Speicherung dar - insbesondere auch Nachbarschafts- und Anwohnerrechte. "Die Gesetze, die den Untergrund betreffen, wie das Bundesberggesetz oder das Wasserhaushaltsgesetz, berücksichtigen die Speicherung von CO2 bisher nicht", so der Wissenschaftler abschließend.

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