Verbraucher haben Lust auf Öko-Fisch

15.12.2005 - Quelle/Text: World Wide Fund for Nature

Der Schutz der Umwelt spielt für 79 Prozent der Verbraucher und Händler eine wichtige Rolle beim Kauf von Meeresfrüchten. 86 Prozent der Konsumenten würden an der Ladentheke Fisch aus nachhaltigen Quellen bevorzugen, wenn dieser entsprechend gekennzeichnet wäre.

Tote Fische
Fisch ist ein nicht unbedeutendes Lebensmittel

Zwei von fünf Kunden wären bereit, mehr Geld für Öko-Fisch zu zahlen. Dies sind die Ergebnisse einer heute von Greenpeace und dem WWF veröffentlichten Befragung des Londoner Meinungsforschungsinstitutes RSM unter 1.207 Verbrauchern, Supermarktchefs, Köchen und Restaurantbetreibern aus Deutschland, England und Spanien. Unter nachhaltigem Fisch versteht man Fisch, der so schonend gefangen wird, dass sein Bestand nicht gefährdet und die Meeresumwelt nicht zerstört wird oder Fisch aus Zuchten, die für Fütterung und Haltung strenge Umweltauflagen haben.

Appell zur Fangquoten-Konferenz nächste Woche

"Europas Verbraucher und Händler sind weiter als die Politik, die noch immer auf die Plünderung der Meere setzt", folgert WWF-Fischereiexpertin Heike Vesper aus der Befragung. In der kommenden Woche entscheiden die europäischen Fischereiminister in Brüssel über die Fangquoten für 2006. Der dem Treffen zu Grunde liegende Vorschlag der EU-Kommission ist laut Greenpeace und WWF "eine Katastrophe" für die schon jetzt arg dezimierten Bestände von Schollen, Kabeljau und Tiefseefischen. "Wenn die Kunden wüssten, was sie mit dem Kauf dieser Fischarten anrichten, würden sicher viele auf Fisch im Speiseplan verzichten", sagt Andrea Cederquist von Greenpeace. "Wenn wir so weiter mit den Beständen umgehen, bleiben die Theken selbst bei uns bald leer." Greenpeace und der WWF setzen jetzt auf den deutschen Fischereiminister Seehofer und hoffen, dass er das Blatt noch in letzter Minute wenden kann. Der WWF hat eine Email-Aktion an den Minister gestartet.

Verbraucher und Händler besorgt über Zustand der Meere

Als erfreulich hoch bewerten Greenpeace und der WWF das Problembewusstsein der Befragten. 88 Prozent der Händler und 85 Prozent der Verbraucher zeigen sich besorgt über den Zustand der Meere. Über 70 Prozent der Händler und über die Hälfte der Konsumenten nennen Überfischung und Beifänge als Bedrohungen für die Ozeane. Allerdings mangelt es derzeit noch an der nötigen Aufklärung, damit das Wissen in Kaufentscheidungen umgemünzt werden kann. 95 Prozent der Verbraucher und 85 Prozent der Fischereiwirtschaft wünschen sich mehr Informationen über die Möglichkeiten, nachhaltigen Fisch zu kaufen. "Mit dem Ökosiegel MSC sind wir auf dem richtigen Weg", freut sich WWF-Sprecherin Vesper. Immer mehr Supermärkte böten Fisch mit MSC-Siegel an. Dieses Angebot müsse ausgeweitet werden.

Nachfrage nach Öko-Fisch soll befriedigt, die Raubzüge aufhören

"Fisch ist vor allem in der Dritten Welt ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Unsere eigenen Meere wie Nord- und Ostsee haben wir längst geplündert - und jetzt sind die Flotten der EU weltweit auf Raubzug. Das muss sofort aufhören", so Greenpeace-Sprecherin Cederquist. Die Umweltverbände betonen, dass die Plünderung der Meere auch der Wirtschaft schade, wenn die wachsende Nachfrage nach Öko-Fisch nicht befriedigt werde. Dies illustriere ein weiteres Ergebnis der Befragung, nach dem 84 Prozent der Konsumenten den Kauf von Meeresfrüchten ablehnen, die aus überfischten Beständen stammen oder mit zerstörerischen Methoden gefangen wurden.

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