Prof. Rost fordert, mehr Umweltthemen im Schulunterricht zu behandeln, weil dadurch „das Denken in komplexen Zusammenhängen“ gefördert werde, und in dem Beitrag „nachhaltige-lebensfreude“ wird bezweifelt, „dass durch einseitige Vermittlung naturwissenschaftlicher Sachverhalte - sprich Umweltbewußtseins - junge Menschen zu umweltfreundlichen Verhaltensweisen gebracht werden können“, denn es werde „die kulturelle Dimension der Nachhaltigkeit“ „ausgeblendet“.
Beides trifft den Kern der „Sache“:
Einerseits müssen wir lernen, ganzheitlich zu denken, d. h. Zusammenhänge in ihren vielfachen, mehrdimensionalen, multikausalen Vernetzungen zu erkennen, d. h. die Welt als Ganze wahrzunehmen, andererseits genügt eine rein naturwissenschaftliche Sichtweise nicht. Hierzu zwei Zitate aus dem Essay «Aspekte einer ökologischen Politik», erschienen vor 17 Jahren, im Wesentlichen aber immer noch aktuell – „leider“ müssen man sagen:
»Ökologie auf Umweltschutz reduziert: die Natur reparierbar wie eine Maschine; beim Menschen lässt sich ja auch die "Pumpe", das Herz, auswechseln, die Hand durch einen mechanischen Apparat ersetzen und nach den verabreichten Medikamenten - chemischen Produkten -, die "anschlagen", eine Krankheit bestimmen. Oft folgt dann allerdings eine nach der anderen: wenn jedes dieser - harten - Medikamente "Nebenfolgen" hat und das ökologische Gleichgewicht des Menschen stört. (…)
Mit „Umweltschutz"-Techniken allein ist nichts zu retten. Notwendig sind viel tiefer greifende Veränderungen: Wir müssen unser Kulturbewusstsein, das uns der Natur - auch der eigenen, menschlichen - entfremdet hat, mit unserem älteren Naturbewusstsein wieder verbinden, d.h. wir müssen uns unserer Natur und damit unserer Eingebundenheit in das natürliche mikro- und makrokosmische Geschehen wieder bewusst werden.
"Der Mensch ist abhängig von der Erde."
Laotse (604 v. u. Z.) Er bezog den Menschen in den natürlichen Stoffwechsel mit ein. Er lehrte, ökologisch zu denken und zu leben. Er dachte in Kreisläufen. Wir denken linear und bemerken dabei nicht einmal, wie unzulänglich unsere Sprache ist.«
[s. o. S. 5,6. Der gesamte Text des Essays unter: http://mx- action.de/pdf/Aspekte%20einer%20oekologischen%20Politik.pdf.
PDF-Dokument, falls so nicht abrufbar, verlinkt im ZEITFRAGENFORUM I: www.dietrichstahlbaum.de,
Seite «Ökologie» unten.]
Wir alle müssen lernen, unsere Interessen und Verhaltensweisen den sozialen und ökologischen Erfordernissen anzupassen. Deshalb sollte „Umwelterziehung“, besser: Ökopädagogik so früh wie möglich beginnen. Spätestens im Kindergarten. Was da und dort auch bereits geschieht: Waldkindergarten-Projekte, Schulbauernhöfe u. a.
Beispielhaft dafür ist der «Schulbauern- und Naturschutzhof» in Recklinghausen (NRW): http://www.schulbauernhof.de/, der in Kooperation mit zahlreichen Schulen und Lehrinstituten jährlich mehrere tausend Kinder erreicht und betreut.
Ein paar Vorschläge:
1. «Ökologie» wird in allen Schulen als Pflichtfach eingeführt. Darin integriert: Physik, Chemie, Biologie.
2. «Ökologie» wird auch in den weiterbildenden Schulen und Hochschulen gelehrt. Pflichtfach für Pädagogik, für alle Natur- und Ingenieurwissenschaften.
3. «Ökologie» wird eigenständige Disziplin in allen Hochschulen und Universitäten, denn sie ist eine umgreifende Wissenschaft, mit der sich auch GeisteswissenschaftlerInnen befassen sollten. [Über die philosophischen Implikationen u. a. im Essay «Aspekte», s. o.]
Soweit für heute. dst.
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