Bundesverwaltung beschafft nur noch Holz aus nachweislich legaler Waldbewirtschaftung
30.01.2007 - Quelle/Text: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit
Als Signal für eine umweltgerechte, sozialverträgliche und wirtschaftlich tragfähige Bewirtschaftung der Wälder weltweit wird die Bundesverwaltung künftig nur noch Holz und Holzprodukte aus nachweislich legaler und nachhaltiger Waldbewirtschaftung beschaffen.
"Die Bundesregierung setzt mit ihrer neuen Beschaffungsregelung ein deutliches Zeichen gegen Raubbau und illegalen Holzeinschlag", sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel. Er hob die herausragende Bedeutung der Wälder für die Bewahrung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt hervor: "Um die anhaltende Zerstörung und Degradierung von Wäldern weltweit einzudämmen, ist eine nachhaltige Waldbewirtschaftung unverzichtbar", so Gabriel.
Trommelt auf einem Werbeplakat für das FSC-Siegel: Popmusikerin Jennifer Lopez
Als Nachweis akzeptiert werden zunächst die Zertifikate des FSC (Forest Stewartship Council) und PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) sowie vergleichbare Nachweise im Einzelfall.
Den zugelassenen Zertifizierungssystemen wird indes kein Blankoscheck ausgestellt. Beim Auftreten schwerwiegender Mängel können sie jederzeit ausgeschlossen werden, etwa bei begründetem Verdacht auf illegalen Holzeinschlag oder falls die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung und die lückenlose Rückverfolgbarkeit in der Produktkette nicht gewährleistet werden können.
Befristung auf 4 Jahre
Die Regelung ist zunächst auf vier Jahre befristet und wird zwischenzeitlich einer eingehenden Bewährungsprüfung unterzogen. Verstärktes Augenmerk liegt künftig auf besseren Kontrollen und Transparenz, ökologisch anspruchsvollen Standards für Plantagen und einem verantwortlichen Umgang mit Urwäldern und ökologisch besonders wertvollen Wäldern.
Zertifizierungssysteme sollen weiterentwickelt werden
Die Zertifizierungssysteme sind mit der neuen Regelung auch aufgerufen, ihre Anforderungen weiterzuentwickeln, wenn sie langfristig bei Beschaffungen von Bundesbehörden Berücksichtigung finden wollen.
Eingestellt von: Christoph Schneider
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(Pressemitteilung des Rates für Nachhaltige Entwicklung)
Bundesregierung verpasst Vorreiterrolle bei der Beschaffung
Berlin, 01. Februar 2007 Der Bund will nur noch Holz aus legaler und nachhaltiger Waldbewirtschaftung beziehen. Doch seine neueste Richtlinie fällt hinter dieses Ziel zurück. Der soeben verabschiedete Erlass der Bundesministerien schafft Unsicherheit und schädigt den Wettbewerb durch Nivellierung der Güte-Siegel. Dies läuft dem ordnungspolitischen Anliegen zuwider, durch Differenzierung den Wettbewerb um die beste Lösung voranzubringen. Die Nivellierung steht auch dem Bemühen führender Unternehmen entgegen, ihre gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Die öffentliche Beschaffung, eine große Marktmacht, verpasst ihre Vorreiterrolle als EU-Präsident.
Der Erlass des Bundes setzt die Zertifikate von FSC (Forest Stewartship
Council) und PEFC (Programm for the Endorsement of Forest Certification
Schemes) gleich und öffnet obendrein Tür und Tor für Willkür in den Gütekriterien für nachhaltige Waldwirtschaft.
Gleich behandeln lässt sich nur, was gleichwertig ist. FSC und PEFC -- Siegel sind indessen nicht gleichwertig. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung bewertet das Zertifizierungssystem des FSC unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten als das anspruchsvollere. Das hat der Rat in mehreren politischen Empfehlungen an die Bundesregierung bekannt gemacht. Die Abstufung war bisher auch allgemein anerkannt. Die Bundesregierung widerspricht dem jetzt. Eine Gleichsetzung von FSC und PEFC ist nicht sachgerecht, weil PEFC Zertifizierung den Waldraubbau bei Holzimporten aus dem globalen Markt nicht ausschließen kann.
Unverantwortlich ist darüber hinaus die Öffnung für jede Art von unkontrollierbaren, sogenannten Einzelnachweisen. Der Bund fällt hinter seinen Anspruch zurück, die anhaltende Zerstörung und Degradierung von Wäldern weltweit einzudämmen und eine Vorreiterrolle bei der Beschaffung zu übernehmen.
Positiv ist dagegen zu werten, dass der Bund offenbar aus dem Skandal über die Beschaffung der Fenster des Bundestagsverwaltungsgebäude Konsequenzen gezogen hat, wenngleich nicht ambitioniert genug. Die Merantiholz-Fenster waren seiner Zeit ohne Herkunftsnachweis aus illegalem Holzeinschlag bezogen worden.
Der Rat für Nachhaltige Entwicklung befürwortet den Wettbewerb zwischen den verschiedenen Siegeln. Indem die neue Beschaffungs-Richtlinie die Unterschiede negiert, wird die Chance zu Innovation und Wettbewerb vertan. Der Regierungserlass behindert die Firmen, die sich für die anspruchsvollere Zertifizierung nach FSC ausgesprochen haben. Als Signal für die Wirtschaft ist der Erlass überdies ungeeignet, Unternehmen zur verantwortungsvolleren Beschaffung und Verwendung von Holz- und Papierprodukten im Sinne der Nachhaltigkeit zu engagieren.